Fussball-WM
Portugal, Spanien, Marokko, Iran: Das müssen Sie über die Gruppe B wissen

Portugal, Spanien, Marokko oder Iran – wer qualifiziert sich für die Achtelfinals? Wer ist der Cheftrainer? Und welche Spieler ragen aus dem Kollektiv heraus? Das müssen Sie vor dem Auftaktspiel der Gruppe B wissen.

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Gruppe B: Portugal, Spanien, Marokko, Iran

Gruppe B: Portugal, Spanien, Marokko, Iran

Keystone

Portugal: Folgt nach dem EM- der WM-Titel?

Nordwestschweiz

Dank dem 2:0 zum Abschluss der WM-Qualifikation im Estadio da Luz in Lissabon gegen die Schweiz schaffte Portugal den direkten Sprung nach Russland. Der Umweg über die WM-Playoffs blieb dem Europameister, der in Russland zum erweiterten Kreis der Titelfavoriten zählt, erspart. Der grösste WM-Erfolg der Portugiesen liegt mehr als 50 Jahre zurück, als sie angeführt von Eusebio, dem Torschützenkönig des Turniers in England, Platz 3 belegten.

Ein halbes Jahrhundert später hat Portugal mit Cristiano Ronaldo (81 Tore in 149 Länderspielen) nicht nur den fünffachen Weltfussballer in seinen Reihen, sondern mit Fernando Santos auch einen der besten Trainer der Welt. Und Portugal verfügt über Erfahrung, war es doch seit der Jahrtausendwende an jedem grossen Turnier dabei. Die Südeuropäer haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, von denen der eine oder andere eine WM-Entdeckung werden könnte: Gelson Martins, Bernardo Silva, Gonçalo Guedes oder André Silva.

Portugal in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Federação Portuguesa de Futebol»: 1914

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 4

- WM-Teilnahmen (6): 1966, 1986, 2002, 2006, 2010, 2014

- Bestes WM-Resultat: Halbfinal (1966/3. und 2006/4.)

- Qualifikation: 1. Platz in der Gruppe B der Europa-Zone

- Bester Torschütze der Qualifikation: Cristiano Ronaldo (15 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 22 Spiele, 7 Siege, 5 Unentschieden, 10 Niederlagen

Der Trainer: Fernando Santos – Portugals Erlöser

Unabhängig vom Abschneiden Portugals in Russland hat sich Fernando Santos seinen Platz in der Geschichte des portugiesischen Fussballs bereits gesichert. Nachdem Portugal den grossen Coup mehrmals knapp verpasst hatte, führte der 63-jährige ehemalige Ingenieur sein Heimatland 2016 in Frankreich zum EM-Titel. Santos ist ein Pragmatiker, seine Mannschaft spielt nicht immer spektakulär, aber erfolgreich; unter Santos verlor Portugal erst ein Pflichtspiel. Seine Klasse als Trainer hatte er bereits als Nationaltrainer Griechenlands unter Beweis gestellt. Zwar scheiterte Santos mit den Griechen an der EM 2012 in den Viertelfinals, mit 17 Spielen ohne Niederlage zu Beginn seiner Amtszeit stellte er aber einen Verbandsrekord auf. Nach der WM 2014 endete sein Engagement beim Europameister von 2004.

Fernando Santos (POR), Portugal. – Geboren am 10. Oktober 1954 in Lissabon. – Grösste Erfolge als Trainer: Europameister 2016 mit Portugal, EM-Viertelfinalist mit Griechenland 2012, Portugiesischer Meister mit Porto 1999.

Spanien: Zurück zu alter Stärke

Nordwestschweiz

Spanien gehört seit 40 Jahren zu den Stammgästen an Fussball-Weltmeisterschaften. Nachdem die Iberer jahrzehntelang nie über die Viertelfinals hinausgekommen waren, gelang ihnen 2010 unter Vicente Del Bosque der grosse Coup. Die "Furia Roja" stürmte in Johannesburg dank dem Treffer von Andres Iniesta in der Verlängerung gegen die Niederlande zum WM-Titel.

Vier Jahre später in Brasilien folgte der Kater, nachdem Spanien an der EM 2012 seinen Titel von 2008 erfolgreich verteidigt hatte. Die Iberer scheiterten bereits in der Vorrunde, und auch im Hinblick auf die EM 2016 gelang Del Bosque der Umbau nicht. Nach dem Turnier in Frankreich übernahm Julen Lopetegui des Kommando. Die Pflicht überstand der Baske mit Bravour, in der Qualifikation für Russland kassierte Spanien in zehn Spielen nur drei Gegentreffer. Die Kür soll nun in Russland folgen.

Spanien in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Real Federacion Española de Futbol»: 1913

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 8

- WM-Teilnahmen (14): 1934, 1950, 1962, 1966, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014

- Bestes WM-Resultat: Weltmeister (2010)

- Qualifikation: 1. Platz in der Gruppe G der Europa-Zone

- Beste Torschützen in der Qualifikation: Diego Costa, Isco, Alvaro Morata, David Silva (je 5 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz (ohne die Partie vom 3. Juni 2018): 19 Spiele, 15 Siege, 3 Unentschieden, 1 Niederlage

Der Trainer: Julen Lopetegui – Erfolgreich im Nachwuchs

Julen Lopetegui hatte sich dank seiner Erfolge mit den Nachwuchs-Auswahlen Spaniens als Nachfolger von Vicente Del Bosque ins Spiel gebracht. Vor der Übernahme der «Seleccion» nach der schwachen EM 2016 war der gebürtige Baske und Sohn eines Steinhebers beim FC Porto tätig, wo er zwar die Champions-League-Viertelfinals erreichte, aber keinen Titel holte. Als Spieler stand Lopetegui sowohl bei Real Madrid als auch beim FC Barcelona unter Vertrag, bei den Katalanen war er Teil des von Johan Cruyff trainierten Starensembles um Romario, Hristo Stoichkov und Pep Guardiola. Mit Spanien nahm er an der WM 1994 in den USA als dritter Torhüter teil, als die Iberer nach einem Sieg im Achtelfinal gegen die Schweiz in die Viertelfinals vorstiessen und dort an Italien scheiterten.

Julen Lopetegui (ESP), Spanien. – Geboren am 28. August 1966 in Asteasu. – Grösste Erfolge als Trainer: U19-Europameister mit Spanien 2012, U21-Europameister mit Spanien 2013.

Marokko: Drei Jahrzehnte nach Bouderbala

Nordwestschweiz

Seit das Land 1956 unabhängig geworden war, qualifizierte sich Marokkos Nationalteam für vier WM-Endrunden. 1970, 1994 und 1998 schied man nach der Vorrunde aus. 1986 in Mexiko jedoch setzten die Nordafrikaner einen Meilenstein. Nach zwei 0:0 gegen Polen und England sowie einem 3:1 gegen Portugal kamen sie als Gruppensieger weiter. In den Achtelfinals scheiterten sie an Deutschland erst durch ein spätes Tor. Marokkos vielleicht wichtigster Spieler war Aziz Bouderbala. Der heute 57-Jährige war von 1984 bis 1988 als Stürmer des FC Sion eine schillernde Figur im Schweizer Fussball. 1993 kehrte er für zwei weitere Saisons in die Schweiz, zu St. Gallen, zurück.

An seiner ersten WM seit 1998 wird Marokko über sehr gute Individualisten verfügen. Die meisten sind Legionäre in den grossen europäischen Ligen. Der Bekannteste ist Verteidiger Medhi Benatia (Juventus Turin, zuvor Bayern München). Verteidiger Achraf Hakimi gehört zu den Hoffnungen von Real Madrid.

Marokko in Zahlen

- Gründung des Verband «Fédération Royale Marocaine de Football»: 1955

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 42

- WM-Teilnahmen (4): 1970, 1986, 1994, 1998

- Bestes WM-Resultat: Achtelfinals 1986

- Qualifikation: Gruppensieg in der 3. Phase in Afrika

- Bester Torschütze Qualifikation: Khalid Boutaïb (4 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 2 Spiele, 2 Siege

Der Trainer: Hervé Renard – Der Afrika-Kenner

Hervé Renard und Afrika - das funktioniert. Marokko ist bereits das fünfte Land auf dem Schwarzen Kontinent, in dem der bald 50-jährige Franzose tätig ist. 2012 führte er Sambia zum ersten Sieg am Afrika Cup, drei Jahre später wiederholte Renard den Erfolg mit der Elfenbeinküste, womit er der erste Trainer war, dem es gelang, mit zwei verschiedenen Nationen den Afrika Cup zu gewinnen. Nun führte er Marokko zur ersten WM-Teilnahme seit 1998. Als Klubtrainer war Renard weniger Erfolg beschieden. Mit Sochaux stieg er 2014 aus der Ligue 1 ab, sein Engagement in Lille 2015 endete bereits nach wenigen Monaten.

Hervé Renard (FRA), Marokko. – Geboren am 30. September 1969 in Aix-les-Bains. –Grösste Erfolge als Trainer: Afrika-Cup-Sieger mit Sambia 2012 und mit der Elfenbeinküste 2015.

Iran: Die grosse Unbekannte

Nordwestschweiz

Der Iran hatte sich als erstes asiatisches Team die Qualifikation für die Endrunde in Russland gesichert. Keine Niederlage und nur fünf Gegentreffer kassierte der dreifache Asienmeister in 18 Spielen. Star des Teams ist der Stürmer Sardar Azmoun, der im Land des WM-Gastgebers bei Rubin Kasan spielt. Erstmals nimmt das flächenmässig sechstgrösste Land Asiens an zwei WM-Endrunden in Folge teil. Baumeister des Erfolgs ist der Portugiese Carlos Queiroz, der nach dem Turnier in Brasilien zurückgetreten war, ehe er drei Monate später wieder zurückkehrte.

Bei den bisherigen vier Teilnahmen bedeutete die Vorrunde immer Endstation, den bislang einzigen Sieg in zwölf WM-Spielen feierte der Iran 1998 in der vom Schweizer Schiedsrichter Urs Meier geleiteten und aufgrund der politischen Beziehungen der beiden Länder brisanten Partie in Lyon gegen die USA (2:1).

Iran in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Football Federation Islamic Republic of Iran»: 1920

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 36

- Bisherige WM-Teilnahmen (4): 1978, 1998, 2006, 2014

- Bestes WM-Resultat: Vorrunde

- Qualifikation: Sieger in der Gruppe A der Asien-Zone

- Bester Torschütze Qualifikation: Sardar Azmoun (11 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: noch kein Spiel ausgetragen

Der Trainer: Carlos Queiroz – Der Lehrmeister von Figo und Co.

Auf Juniorenstufe feierte Carlos Queiroz Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre grosse Erfolge mit Portugals «Goldener Generation» um Luis Figo, Rui Costa und Paulo Sousa. Ebenfalls äusserst titelreich waren die Jahre als Assistent von Sir Alex Ferguson bei Manchester United mit dem Triumph in der Champions League 2007/08 als Höhepunkt. Das Engagement im Iran ist Queiroz' fünftes als Nationaltrainer, zum dritten Mal nach 2010 (mit Portugal) und 2014 (mit dem Iran) nimmt er auch an einer WM teil, nachdem er sich 2002 mit Südafrika qualifiziert hatte, noch vor dem Turnier aber zurücktrat. Mit dem Iran will es der diplomierte Sportlehrer, der nie als Spitzenspieler aktiv war, nun besser machen als 2014. Damals schieden die Perser nach nur einem Punkt und einem Tor in drei Spielen in der Vorrunde aus.

Carlos Queiroz (POR), Iran. – Geboren am 1. März 1953 in Nampula (Mozambique). – Grösste Erfolge als Trainer: U20-Weltmeister 1989 und 1991 mit Portugal.