Fussball

Porto Seguro: Wo die Schweizer Nati an der WM übernachten wird

Der Schweizer Fussballverband hat sich für den Aufenthalt der Nati während der Fussball-WM das Luxus-Resort «La Torre» in Porto Seguro gesichert. Wir haben das Ressort besucht.

Hier wurde Brasilien geboren: An Ostern des Jahres 1500 erspähte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral nach einer wochenlangen Reise über den Atlantik am Horizont einen Hügel, den er sinnigerweise Monte Pascoal, den Osterberg, nannte.

Dann liess er seine kleine Flotte der Küste entlang nach Norden segeln, bis er in einer von einem langen Riff geschützten Flussmündung einen sicheren Hafen fand, den er Porto Seguro taufte.

Mit der ersten heiligen Messe und der Errichtung eines Kreuzes nahm Portugal am 22. April 1500 offiziell Besitz des Landes.

Klima: 25-28 Grad während der WM

Mit Porto Seguro haben die Schweizer Verantwortlichen einen strategisch perfekten Ausgangspunkt für ihr WM-Abenteuer gewählt.

Seit 1993 verfügt Porto Seguro über einen nationalen Flughafen, und als Papst Johannes Paul II. zum 500. Geburtstag Brasiliens in Santa Cruz Cabrália eine Messe halten wollte, wurde der Flugplatz, der gleich neben der Altstadt von Porto Seguro liegt, im Jahr 2000 zu einem internationalen Flughafen ausgebaut.

Man muss zwar auch heute noch die Flugzeuge über wacklige Treppen verlassen und die Piste zu Fuss überqueren. Aber es ist für die Schweizer Nati problemlos möglich, Porto Seguro mit einem Charterflug von Zürich aus direkt anzusteuern.

Das von den Schweizern ausgewählte Resort «La Torre» ist vom Flughafen mit dem Mannschaftsbus bequem in 15 Minuten erreichbar, und von Porto Seguro aus können auch die entferntesten Spielorte der WM einfach angeflogen werden. Das Klima wird während der WM angenehm mild mit etwa 25 bis 28 Grad tagsüber und 18 bis 20 Grad in der Nacht.

Die Stadt Porto Seguro hat heute 140 000 Einwohner und verfügt über etwa 50 000 Hotelbetten, die sich über eine Fläche von 2400 Quadratkilometer verteilen, was der gemeinsamen Fläche der Kantone Solothurn, Aargau und beider Basel entspricht.

An den Dutzenden, kilometerlangen Sandstränden findet jeder das, was er wünscht - seien es Partys wie am Ballermann im «Tôa Tôa», einen abenteuerlichen Aquapark in Arraial d'Ajuda oder absolute Ruhe und Einsamkeit im romantischen Weiler Caraiva, wo es nur Sandwege, aber keine einzige Strasse gibt.

Das Resort «La Torre» bietet sämtliche Annehmlichkeiten wie Spa, Fitnessbereich und eine Spitzenküche. Es hat genügend Platz, um auch die Familien der Fussballer unterzubringen.

Der Bereich, in dem die Spieler der Nationalmannschaft residieren werden, ist vom öffentlichen Bereich streng getrennt und verfügt über einen eigenen Swimmingpool. Jedes Apartment besteht aus zwei Schlafzimmern und einem grosszügigen Aufenthaltsbereich mit Kochnische.

Der neuste Coup, den Luigi Rotunno, der umtriebige Direktor des «La Torre», landen konnte, ist die Übernahme und Einverleibung des Strandabschnitts mit Restaurant gleich vor dem Resort. Dort haben bereits die Umbauarbeiten für das Pressezentrum der Schweizer Nationalmannschaft begonnen.

Schlechte Nachrichten gibt es eigentlich nur für die Schweizer Fans, die davon träumen, sich im «La Torre» einzunisten.

«Wir haben mit den Schweizer Verantwortlichen vereinbart, dass wir ihnen sämtliche Reservationswünsche zur Genehmigung unterbreiten, damit wir den Spielern eine maximale Privatsphäre garantieren können», erklärt Luigi Rotunno.

Und mit Stolz präsentiert er die Luxus-Villa, die für Fifa-Präsident Sepp Blatter reserviert ist, sollte der sich für einen Besuch der Schweizer Nationalmannschaft entscheiden.

Interview mit Luigi Rotunno

Er führt seit zehn Jahren das künftige WM-Camp der Schweizer, das Luxusresort «La Torre» in Porto Seguro.

Luigi Rotunno, wie haben Sie reagiert, als sie erfuhren, dass die Schweizer Nationalmannschaft das «La Torre» als Basiscamp für die WM ausgewählt hat?

Luigi Rotunno: Als wir uns vor rund zwei Jahren bei der Fifa beworben haben, gab es noch 800 Konkurrenten. Nun sind wir wirklich sehr glücklich, dass uns die Schweizer Nationalmannschaft ausgewählt hat. Für unser Resort ist die Schweiz ein absoluter Glücksfall.

Hätten Sie im «La Torre» nicht lieber Italien oder Deutschland empfangen?

Nein, nein. Ganz ehrlich: Ich bin wirklich sehr froh, dass die Schweiz uns ausgewählt hat. Die Schweiz gilt in Brasilien als Synonym für Qualität. In den Telenovelas legen die Reichen ihr Geld auf Schweizer Banken an, ihre Kinder gehen in Schweizer Schulen, sie tragen Schweizer Uhren und essen Schweizer Schokolade. Die Brasilianer mögen die Schweizer Mentalität sehr. Für das Image unseres Resorts ist es deshalb unglaublich wertvoll, dass wir nun mit Schweizer Qualität gleichgesetzt werden, denn man weiss, dass die Schweiz von allen Nationalteams die höchsten Ansprüche stellt.

Welche Investitionen sind nötig, um die Schweizer Delegation zufriedenstellen zu können?

Wir investieren konstant in unser Resort, also gibt es keinen sehr grossen Zusatzaufwand. Der Teil, in dem die Schweizer wohnen, wurde gerade erst neu gemacht. Wir müssen deshalb vor allem in unser Personal investieren. Wir halten Sprachkurse ab, und unsere Köche lernen, die Speisen nach den Wünschen der Schweizer zuzubereiten. Ohne das für die hiesige Küche übliche Palmöl oder die schwarzen Bohnen, damit die Fussballer keine Verdauungsprobleme bekommen.

Porto Seguro ist zwar innerhalb Brasiliens ein grosser Touristenmagnet, aber der Anteil an Ausländern ist relativ klein.

Ich erhoffe mir sehr, dass die WM eine Internationalisierung bringen wird. Einzig in Italien ist Porto Seguro ein wenig bekannt. Wir würden aber gerne auch mehr Schweizer und deutsche Touristen empfangen.

Früher gab es je einen wöchentlichen Direktflug der Lauda Air ab Mailand und der BRA ab Lissabon. Diese wurden aber wieder eingestellt.

Wir hoffen auf die deutsche Charterlinie Condor. Da sich auch die deutsche Nationalmannschaft im nahen Santo André vorbereiten wird, ist es möglich, dass Condor Porto Seguro schon bald mit einem Direktflug von Frankfurt aus bedienen wird. Und Frankfurt ist ja auch für Schweizer Touristen ein attraktiver Flughafen.

Das Hotel bietet sämtliche Annehmlichkeiten. Aber eine Fussballmannschaft muss auch trainieren können und das Stadion von Porto Seguro ist in einem erbärmlichen Zustand. Muss man sich Sorgen machen?

Nein, man muss sich keine Sorgen machen. Das Stadion wird total renoviert. So ist Brasilien, am Ende kommt es immer gut heraus. Deshalb sagt man ja auch, Deus é Brasileiro - Gott ist ein Brasilianer. Früher, als ich noch eine europäische Mentalität hatte, hätte mir der Zustand des Stadions tatsächlich schlaflose Nächte bereitet. Heute bin ich ein Baiano und ich weiss aus Erfahrung, dass die Brasilianer unter Zeitdruck die beste Arbeit abliefern. Am Ende wird es gut herauskommen, die Schweizer werden sehr zufrieden sein.

Nun wird hier am Strand, gleich vor den Toren des «La Torre», auch das Strandrestaurant umgebaut. Wird man hier die Schweizer Spieler treffen können?

Der Schweizer Delegation gefiel die Idee eines Medienzentrums direkt am Strand. Deshalb haben wir das Restaurant gekauft und bauen es entsprechend aus. Ins Resort selbst werden ganz sicher keine Fussballfans eingelassen. Aber die Strände Brasiliens sind öffentlicher Grund. Wer also bei uns am Strand entlang spazieren möchte, wer bei uns im Restaurant einen Drink nehmen und darauf hoffen will, einen Schweizer Fussballstar beim Baden im Meer anzutreffen, der darf sein Glück gerne versuchen. Die Chancen stehen gut, denn die Schweizer Delegation will sich nicht komplett abschotten.

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