Letzte Woche, kurz vor der Abreise nach Brasilien, unterschrieb Philippe Senderos beim Premier-League-Klub Aston Villa einen Vertrag. Es wird nach Arsenal, Milan, Everton, Fulham und Valencia schon die sechste Station im Ausland sein für den 29-jährigen Genfer.

Senderos hat seinen Rucksack nicht nur deswegen mit viel Erfahrung gefüllt. Seit neun Jahren gehört er zum Nationalteam. Er absolvierte 53 Länderspiele und steht vor der dritten WM-Teilnahme. Dennoch ist er in der Hierarchie der Innenverteidiger im Nationalteam hinter Steve von Bergen, Fabian Schär und Johan Djourou nur die Nummer 4.

Philippe Senderos, Sie sind einer der Routiniers im Schweizer Team und haben schon zwei WM-Endrunden gespielt. Dennoch scheinen Sie sich mit einer Ersatzrolle begnügen zu müssen.

Philippe Senderos: "Ich weiss noch nicht, ob ich Ersatz bin oder von Beginn weg spiele. Im Training wechselt Ottmar Hitzfeld die Mannschaften immer wieder. Er hat sein Team sicher im Kopf, aber wir wissen nicht, wer spielt. Damit erreicht der Trainer, dass jeder konzentriert bleibt und bereit ist für das erste Spiel."

Wie haben Sie sich eingelebt in Brasilien?

Senderos "Wir sind sehr zufrieden mit dem Trainingsplatz. Das Hotel ist ruhig, etwas abgelegen, das ist gut so. Da wir nicht in der Nähe einer grossen Stadt sind, können wir uns auch sicher fühlen. Die FIFA tut alles für die Sicherheit der Teams."

Sie haben schon 2006 und 2010 an der WM teilgenommen. Wie unterscheidet sich die aktuelle Schweizer Mannschaft von den früheren Teams?

Senderos: "Wir haben im spielerischen Bereich Fortschritte gemacht. 2006 und 2010 haben wir von der starken Verteidigung gelebt, aber wir hatten nicht so oft den Ball. Jetzt sind wir in der Lage, das Spiel in die Hände zu nehmen. Wir sind reifer geworden und können auch gegen Grosse mitspielen."

In Deutschland und in Südafrika haben sie sich während der WM-Endrunde verletzt. Haben Sie keine Angst, dass das hier wieder geschehen könnte?

Senderos: "Verletzungen gehören zum Spitzensport und mein Spielstil ist vielleicht so, dass ich etwas mehr davon betroffen bin. Ich spiele aggressiv, gehe ans Limit oder darüber hinaus. Aber ich denke trotz den Verletzungen 2006 und 2010 mit Freude an diese Turniere zurück. Das Tor an der WM in Deutschland gegen Südkorea war einer der schönsten Momente für mich. Die Leute haben dieses Tor als Bild von mir im Kopf."

Macht es Ihnen Angst, dass Frankreich gegen Jamaika 8:0 gewonnen hat, während die Schweiz den gleichen Gegner nur 1:0 besiegte?

Senderos: "Ich denke nicht daran, ob Frankreich hoch gewonnen hat oder nicht. Für uns zählt unsere Leistung gegen Jamaika. Die war gut, nachdem wir eine harte Trainingswoche hinter uns hatten. Wir haben gesiegt ohne Gegentor, das gleiche gelang auch gegen Peru. Das ist eine gute Basis für uns."