Mit seinem Wechsel von GC zu den Berner Young Boys hat Uli Forte das Trainerkarussell in Gang gebracht. Auf diesem bewegt sich jetzt auch René Weiler. Verständlich. Denn wie er den FC Aarau nach drei Jahren in der Challenge League wieder in die Beletage des Schweizer Fussballs führte, verdient Respekt.

Den Grasshoppers ist jedenfalls nicht verborgen geblieben, was Weiler aus dem FCA gemacht hat: ein homogenes, solidarisches und spielstarkes Team. Oder anders ausgedrückt: Weiler hat in Aarau Grenzen verschoben.

Denn aufgrund von wirtschaftlichen Parametern war Aarau in der Challenge League keineswegs in der Pole Position. Bellinzona, Lugano und Vaduz hatten mehr Mittel zur Verfügung. Und mit Winterthur bewegte sich ein weiterer Aufstiegskandidat finanziell auf Augenhöhe mit Aarau.

Kein öffentliches Bekenntnis

Noch gibt es von den Grasshoppers kein öffentliches Bekenntnis zu René Weiler, was branchenüblich ist, solange keine Verträge unterschrieben sind. Doch die Vermutung, dass Weiler in den nächsten Tagen zu einem Vorstellungsgespräch in den GC-Campus eingeladen wird, ist nicht absurd.

Schliesslich hat Weiler im GC-Umfeld mehrere Fürsprecher. Der wichtigste von ihnen ist Erich Vogel. Der frühere Sportchef hat zwar kein offizielles Mandat von GC, doch tauscht er sich regelmässig mit der operativen GC-Führung um Präsident André Dosé und Sportchef Dragan Rapic aus.

Und für den mächtigen GC-Investor Heinz Spross ist Vogel noch immer der wichtigste Berater in fussballerischen Belangen. Und wenn Vogel über Weiler Dinge sagt wie, «er ist der Trainer der Zukunft», dürfte dessen Zukunft bald GC heissen.

Schmid will Wechsel verhindern

FCA-Präsident Alfred Schmid will einen Wechsel seines Trainers unter allen Umständen verhindern. Für den Fall, dass sich dieses Vorhaben nicht umsetzen lässt, hat er bereits klare Vorstellungen. «René Weiler hat im Minimum den selben Wert wie Uli Forte.»

Zur Erinnerung: YB muss für seinen neuen Trainer 300'000 Franken Ablöse an GC bezahlen. Ein weiteres Argument, um Weiler in Aarau zu halten, ist das Bekenntnis von Schmid, mindestens einen Top-Stürmer zu verpflichten.

«Wir werden dabei an die Schmerzgrenze gehen», sagt er und verrät, dass man bei Franck Etoundi (wechselt von St. Gallen zum FC Zürich) bereits nahe dran war.

Noch keine Kontaktaufnahme

Noch ist es aber zu keiner Kontaktaufnahme zwischen GC und Weiler gekommen. Gut möglich, dass Weiler, der bis zum Wochenende in Saint Tropez die Batterien auflädt, seinen kurzen Urlaub unterbrechen muss.

Es ist aber auch möglich, dass er erst nächste Woche zum Vorstellungsgespräch geladen wird. Schliesslich soll derzeit auch Heins Spross in den Ferien sein.

GC zum Trotz: Noch hat René Weiler den FC Aarau und mit ihm den Klassenerhalt im Fokus.

Und nach aktuellem Stand ist er immer noch FCA-Trainer, wenn die Mannschaft am 17. Juni den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen wird. Aber sollten sich GC und Weiler in der nächsten Woche einig werden, wird der 39-Jährige wohl nur noch ins Brügglifeld fahren, um sein Büro zu räumen.

Für wen? Darüber wird derzeit heftig spekuliert. Kaum für Raphael Wicky oder Baden-Trainer Sven Christ, weil beide noch keine Uefa-Pro-Lizenz haben. Wahrscheinlicher wäre ein Engagement von Wil-Trainer Axel Thoma.

Der Deutsche verfügt nicht nur Trainer-, sondern auch über hervorragende Sportchef-Skills. Den FC Wil hat er als wichtigsten Spieler-Zulieferer für die Super-League-Klubs etabliert, was den Ostschweizern beachtliche Transfererlöse einbringt.

Bei den aktuellen Strukturen beim FC Aarau ist es jedenfalls unabdingbar, dass der Trainer mehr als nur Trainer ist.