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Petkovics Fazit nach einem kalten griechischen Abend

Vladimir Petkovic konnte gegen Griechenland einiges ausprobieren

Vladimir Petkovic konnte gegen Griechenland einiges ausprobieren

Vladimir Petkovic wertet den taktischen Weg zum 1:0-Erfolg der Schweiz in Griechenland als taktisch wertvollen Schritt aus der Komfortzone.

Das Spiel vor trostloser Kulisse war kein Highlight, und doch beinhaltete der Auftritt der Schweizer gegen zwar nicht sonderlich einfallsreiche, aber doch zähe Griechen interessante Details. Die SFV-Auswahl überraschte mit einem neuen System und nahm auch während der Partie weitere taktische Retouchen vor.

Deshalb fasste Petkovic seinen 23. Sieg im 37. Länderspiel unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammen: "Das Wichtigste vorweg: Wir haben gewonnen. Das Zweitwichtigste: Wir haben etwas live ausprobiert." Es sei manchmal schwierig, Dinge nur im Training zu testen, ohne dann im Spiel die Umsetzung zu schaffen.

Darum tue das positive Ergebnis natürlich gut und schaffe Vertrauen; es zeige auf, dass sich die Flexibilität auszahlen könne. Er habe einige Risikomomente akzeptiert, so Petkovic - die Nominierung von Blerim Dzemaili beispielsweise auf der für ihn ungewohnten linken Seite. "Und manchmal hatten wir ein Übergewicht im Zentrum."

Zu Beginn formierte er sein Team im 4-1-2-2-1, nach einer Serie von Auswechslungen und "zu vielen Querpässen" stellte der Trainer abermals um: Im Finish verteidigten die Schweizer ihren knappen Vorsprung mit einer 3-5-2-Variante. Die Erfüllung seiner Vorgaben stellte den Tessiner zufrieden: "Wir brachten das Ergebnis gegen einen soliden Gegner mit guten Einzelspielern souverän nach Hause."

Im ersten von vier WM-Testmatches verlangte Petkovic bereits einiges, das auch in Zukunft viel bringen soll. "Wir müssen in der Lage sein, in gewissen Situationen während der Partie das System anpassen zu können." Für ihn war die Übung in Athen in gewissem Sinne auch ein Ausloten der kollektiven Belastbarkeit: "Wir wollen etwas raus aus der Komfortzone. Man muss im Kopf beweglich bleiben - auch wenn es gut läuft."

Die Frage, ob im nächsten Heimspiel gegen Panama am kommenden Dienstag mit weiteren Experimenten zu rechnen sei, beantwortete der Schweizer Selektionär mit einem kleinen Scherz: "Vielleicht spielen wir 5-5-5." Er lehnte sich dabei an die italienische Filmkomödie "Oronza Canà" mit dem Komiker Lino Banfi an, der im Kino spasseshalber eine Formation mit 15 Akteuren entwarf.

Skibbes Einordnung

Petkovic war in aufgeräumter Stimmung. Das dürfte auch mit den schönen Komplimenten seines Amtskollegen Michael Skibbe zusammenhängen. Der Ex-GC-Coach ordnete die Schweiz bei "den besten Mannschaften der Welt ein". Sie hätten sich entsprechend achtbar aus der Affäre gezogen, so der Deutsche.

Vor allem die Ballsicherheit der Schweizer hob Skibbe in seiner Aufarbeitung der 0:1-Heimniederlage hervor: "Sie bauen das Spiel gut auf. Ihr Schlüssel ist die gute taktische Ausbildung." Davon ist seine Equipe noch weit entfernt und auch vom Vorhaben, Europa zu zeigen, "dass der griechische Fussball konkurrenzfähig ist".

Zumindest seinen absoluten Tiefpunkt mit der doppelten Blamage gegen die Färöer hat der Ex-Europameister hinter sich gelassen. Nach nur zwei Fehltritten in der letzten WM-Kampagne ist ein kleiner Aufschwung in Sicht. Skibbes nächstes Ziel ist, im Herbst in der neu geschaffenen Nations League in die B-Liga aufzusteigen - die Schweiz gehört im neuen UEFA-Wettbewerb zur obersten Kategorie.

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