Fussball
Petkovic und Lazio - Eine Scheidung auf die römische Art

Ottmar Hitzfelds Nachfolger Vladimir Petkovic ist offiziell weiterhin Trainer von Lazio Rom. Die Übungseinheiten des Teams leitet aber bereits sein designierter Nachfolger, Edoardo Reja. Nun reden die Anwälte.

Lukas Plaschy
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Kommunizieren nur noch über ihre Anwälte: Der designierte Nati-Coach Vladimir Petkovic und Lazio-Rom Boss Claudio Lotito. (key)

Kommunizieren nur noch über ihre Anwälte: Der designierte Nati-Coach Vladimir Petkovic und Lazio-Rom Boss Claudio Lotito. (key)

Die römische Sporttageszeitung «Corriere dello Sport» veröffentlichte gestern ein Foto, zu welchem die Bildlegende «Ziemlich beste Freunde» perfekt gepasst hätte. Es zeigt Lazio Roms Präsident Claudio Lotito und den zukünftigen Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic, wie sie sich nach dem gewonnenen Cupfinal gegen den Stadtrivalen AS Roma vom vergangenen 26. Mai 2013 herzhaft umarmen und mit der Sonne um die Wette strahlen.

Tatsächlich schien es, als ob an diesem schönen Maisonntag nur das erste Kapitel einer langen Erfolgsgeschichte geschrieben worden wäre. Seitdem ist in der Ewigen Stadt jedoch viel Wasser den Tiber hinuntergeflossen.

Die Lovestory zwischen dem bis dahin unbekannten Trainer aus der kleinen Schweiz und dem grossen Traditionsklub entwickelte sich in den vergangenen Monaten zunehmend zu einem Schauerroman.

Lotitos Zögern

Die vermeintlich «besten Freunde» kommunizieren momentan nur noch per Anwalt miteinander. Das Hauptmotiv im Zwist ist ähnlich wie bei einer Ehescheidung im monetären Bereich zu suchen.

Aber der Reihe nach: Das Damoklesschwert der Entlassung schwebte bereits in den letzten Wochen bedrohlich über Petkovics Haupt. Dies, nachdem die Biancocelesti im Herbst immer tiefer in eine sportliche Krise geschlittert waren und auswärts nicht einen einzigen Sieg hatten einfahren können. Mit 20 Punkten aus 17 Spielen liegt der zweifache italienische Meister nur auf Platz zehn der Serie A.

Für die Presse waren Petkovics Tage in Rom spätestens an Weihnachten gezählt. Klubbesitzer Lotito, in seiner Art zwar oft kauzig und unberechenbar, ist allerdings nicht als «MangiaAllenatori» (zu deutsch: Trainerfresser) bekannt. So hielt der im Reinigungssektor tätige 56-jährige Römer auch nach der 1:4-Pleite in Verona gegen Hellas vom 22. Dezember an seinem vom albanischen Sportchef Igli Tare geholten bosnisch-kroatischen Trainer mit Schweizer Pass fest.

Lotito zögert mit einer Freistellung vor allem aus taktischen Gründen, denn Petkovic ist vertraglich bis Ende Juni 2014 an die Hauptstädter gebunden. Bei einer Entlassung müsste er dem ehemaligen Caritas-Mitarbeiter und seinem Staff weitere zirka 500 000 Euro an Bruttolöhnen auszahlen. Geld, welches der «Presidente», der im Jahr 2004 die hoch verschuldete «Società Sportiva Lazio» übernommen hatte, und seitdem mit einem rigiden Sparkurs wieder in ruhige Gewässer manövriert hat, nur allzu gerne behalten möchte.

Vergeblich versuchte Lotito, Petkovic zu einem Rücktritt, und damit zu einer sofortigen Vertragsauflösung, zu überreden.

Kommt es zum Prozess?

Nun zieht Lazios Präsident alle juristischen Register und wirft Petkovic vor, den Klub nicht über die Verhandlungen mit dem Schweizer Fussballverband informiert zu haben. Damit habe Petkovic die Interessen von Lazio geschädigt. Bei der Wiederaufnahme des Trainings am 30. Dezember führte bereits der Italiener Edy Reja das Team.

Petkovic liess daraufhin per Anwalt ausrichten, da ihn der Verein bis jetzt offiziell nicht entlassen habe, sei er weiterhin stolz darauf, Trainer von Lazio zu sein. Er wünsche allen Mitarbeitern, den Spielern und Fans ein «magisches 2014».

Während sich Lotito in Cortina d’Ampezzo in den Skiferien befindet, streben seine Anwälte derweil eine «Vertragsauflösung aus wichtigem Grund» an. Sie schickten Petkovic einen Brief, in dem der 50-jährige Wahltessiner bis gestern Stellung zum Vorwurf der «Treuelosigkeit» beziehen sollte.

Erst danach kann der Klub rechtliche Schritte einleiten, welche von einer Geldstrafe über eine Amtsenthebung bis hin zur Vertragsauflösung reichen.

In einem ähnlichen Fall vor einem Jahr verloren Lotitos Anwälte allerdings den Prozess gegen den Trainer des Lega-Pro-Klubs Salernitana. Dass Petkovic noch einmal seinen Fuss ins Trainingsgelände Formello setzen wird, ist unwahrscheinlich.

Seinen Spind hatte er vorsorglich noch vor Weihnachten geräumt. Ob die Erinnerungsfotos vom gewonnenen Cupfinal ebenfalls dabei waren, ist nicht überliefert.