Die letzte Niederlage gegen einen Widersacher aus dieser Kategorie - Katar ist im FIFA-Ranking die Nummer 96 - liegt zehn Jahre zurück. Damals verlor die Schweiz in Zürich gegen Luxemburg 1:2. Eine monumentale Blamage wie damals ist dieses 0:1 gegen Katar nur deshalb nicht, weil es ein Testspiel war und kein Spiel der Qualifikation.

Im Hinblick auf das entscheidende Spiel in der Nations League vom Sonntag gegen die Weltnummer 1 Belgien ist trotzdem eine gewisse Besorgnis angebracht. Daran ändert auch nichts, dass dannzumal Ricardo Rodriguez ebenso wieder dabei sein wird wie Haris Seferovic, und dass Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri dann wieder über die ganzen 90 Minuten dabei sein werden.

Es passte zum Auftritt der Schweiz, dass das entscheidende Gegentor in der 96. Minute durch Akram Afif nach einem Fehler im Schweizer Spielaufbau fiel. Fabian Schär brachte mit seinem Pass Djibril Sow in Bedrängnis. Dann verlor dieser den Ball und Torschütze Afif konnte alleine auf den Schweizer Keeper Yvon Mvogo zulaufen.

Das Tor für Katar im Video. Quelle: Streamable

Das späte Gegentor war die peinliche Pointe an einem Abend, der von Anfang an schlecht gelaufen war. Nach 34 Minuten erhob sich Nationalcoach Vladimir Petkovic erstmals von der Trainerbank und stand an die Seitenlinie. Er wollte näher bei seinem Team sein und mehr Einfluss nehmen, denn was er bis dahin von seiner Auswahl gesehen hatte, konnte ihm nicht gefallen haben. Die Schweizer hatten zu diesem Zeitpunkt sogar Glück, dass es noch 0:0 stand. Wenige Minuten zuvor war der katarische Stürmer Afif aus bester Position an Mvogo gescheitert.

Doch Petkovic konnte da draussen in seiner Coachingzone stehen so lange er wollte - und stand auch nach über 60 Minuten noch dort -, das Spiel der Schweizer wurde nicht besser. Es war vielmehr so, dass sich die Einheimischen weitgehend auf dem Niveau der FIFA-Weltnummer 96 bewegten. Einem Team, dem von den Beobachtern bestenfalls Challenge-League-Format attestiert wird. Daran änderte auch der Kopfball von Michael Lang an den Pfosten nichts (36.) oder der Schuss von Christian Fassnacht an die Latte (53.).

Die Schweizer zeigten sich von einer behäbigen und uninspirierten Seite. Sie taten wenig bis nichts, um diesem Länderspielabend ein bisschen Sinn zu geben. Die Stimmung im Cornaredo war so frostig wie die Temperaturen, die nach einem Sonnentag mit Spielbeginn von Minute zu Minute sanken. 4170 Tifosi waren gekommen. Weniger waren es bei einem Heimspiel der Schweiz vor über 14 Jahren, als gegen Nordirland im Zürcher Hardturm sogar nur 4000 dabei waren.

Eine kurze Tempoerhöhung zeigten die Schweizer einzig unmittelbar nach der Pause und nach der Einwechslung von Xherdan Shaqiri. Der talentierteste Schweizer Offensivspieler setzte für einen Moment einige Akzente mehr als Mario Gavranovic und Steven Zuber vor der Pause oder Fassnacht, der erstmals von Beginn weg spielte, während der gesamten 90 Minuten. Doch so gegen Mitte der zweiten Halbzeit verschwand auch Shaqiri wieder in einer knapp halbstündigen Kreativpause.

Shaqiri war also nur kurz etwas besser als der schwache Rest. Freuler musste konstatieren, dass er eine weitere Chance im Nationalteam ungenutzt gelassen hat. Denis Zakaria war in der zweiten Halbzeit in zentraler Position im Mittelfeld besser als zuvor seitlich und offensiver. Loris Benito spielte bei seinem Debüt links in der Dreierabwehr ohne Fehler, später am linken Flügel aber auch ohne Durchschlagskraft. Und Léo Lacroix, der andere Debütant, machte wenig markante Fehler, wirkte aber stets unsicher. Er war hinten ein Risikofaktor.

Klar, das Resultat darf nicht überbewertet werden. Und ob Unentschieden oder Niederlage ändert letztlich wenig am schlechten Gesamteindruck. Zu denken geben muss Petkovic aber, dass sein Team gerade vor der Pause in einer Art 3-5-2-System in der Rückwärtsbewegung wenig organisiert war und in der Angriffsauslösung und in der Offensive schlecht strukturiert und konfus. Wenn er sein herbstliches Experiment am Sonntag gegen Belgien abgeschlossen und eine solide Basis für die Zukunft erkennt haben will, müsste er dieses System ad acta legen. Es hat sein Team der grössten Stärke der letzten Jahre beraubt. Der bestechenden Organisation von hinten bis vorne.

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