Super League
Patrick Rossini hat mit dem FCZ noch eine Rechnung offen

Patrick Rossini ist stolz, als Tessiner mit dem FC Lugano den Aufstieg geschafft zu haben. Auf die Fremdprämienstory dagegen hätte er gut verzichten können.

Markus Brütsch
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Ewige Liebe: Patrick Rossini und Eleonora sind seit der Jugend zusammen.

Ewige Liebe: Patrick Rossini und Eleonora sind seit der Jugend zusammen.

Patrick Rossini lässt auf sich warten. Zdenek Zeman hat die Übungseinheit an diesem Morgen wieder einmal auf über zwei Stunden ausgedehnt. Nicht, weil der FC Lugano heute Sonntag in einem besonders wichtigen Spiel beim Tabellenletzten FC Zürich anzutreten hat. Nein, es entspricht einfach nur der Trainingsphilosophie des 68-jährige Italieners tschechischer Herkunft.

«Es ist extrem anstrengend, aber der Erfolg gibt ihm recht», sagt Rossini, als er sein Auto in die Tiefgarage steuert. Oben in der Wohnung wird der Familienmensch von seiner Frau Eleonora, dem zweijährigen Leonardo und der acht Monate alten Vittoria erwartet. Sie sind wahre Glücksbringer: Gleich im ersten Spiel nach der Geburt seines Sohnes hatte Rossini zwei Tore für Schaffhausen gegen Winterthur erzielt; unmittelbar nach der Geburt der Tochter waren dem Papa zwei Treffer für Lugano gegen Winterthur gelungen. «Seither fordert Patrick immer wieder, wir müssten endlich ein drittes Kind machen», lacht Eleonara, die Jugendliebe des Torjägers.

Obwohl dem FC Lugano im Dezember mit dem Heimspiel gegen Köniz die grosse Chance winkt, in den Cuphalbfinal einzuziehen, hat der Klassenerhalt in der Super League erste Priorität. «Mit dem achten Zwischenrang können wir leben», sagt Rossini, «mit meiner persönlichen Leistung bin ich aber nicht ganz glücklich.»

Statt nur vier müsste er acht oder neun Tore auf seinem Konto haben. «Ich war auch schon mal effizienter», sagt der 27-Jährige. Den Grund für die eine oder andere verpasste Chance kennt er. «Ich war nicht frei im Kopf. Die Geschichte hat zu viel Energie gekostet.»

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Ende der letzten Saison war publik geworden, dass in der Challenge League gegen das Fremdprämienverbot verstossen worden war. Dass ein Couvert mit 20 000 Euro den Weg von Lugano nach Schaffhausen gefunden hatte. Als Prämie dafür, dass die Schaffhauser gegen Servette gewonnen und dem FC Lugano den Weg in die Super League geebnet hatten. Als Drahtzieher wurden die beiden Luganesi Rossini und Djuric durch die Liga an den Pranger gestellt.

Der Erste hatte das Angebot an seine früheren Teamkollegen übermittelt. Der Zweite das Geld einem Schaffhauser übergeben. «Das Einzige, was ich tat, war diese SMS zu schreiben», sagt Rossini. «Ich wusste nicht, dass es ein Reglement gibt, das verbietet, einer anderen Mannschaft für einen Sieg eine Prämie auszusetzen», sagt Rossini. «Geld für eine Niederlage zu bezahlen – ,ein Spiel zu manipulieren, da hätte ich nie mitgemacht.»

Ohnehin waren nicht Rossini und Djuric die Initianten der Aktion gewesen, sondern lediglich die Handlanger. «Woher hätte ich auch so viel Geld nehmen sollen?», fragt Rossini, der verständlicherweise nicht sagen will, wer die Anstifter waren. Tessiner Journalisten verdächtigen den peruanischen Investor Pablo Betancourt, der inzwischen seinen Anteil am FC Lugano an Präsident Angelo Renzetti verkauft hat.

Es sei daher auch kein Zufall, dass Rossini danach mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet worden sei – Schweigegeld eben. Denn wie hätte die Liga entschieden, wäre klar geworden, dass der Klub und nicht einzelne Spieler hinter der Story stünden? Wäre Lugano gleichwohl als Aufsteiger akzeptiert worden?

Canepa greift hart durch

Büssen musste aber vor allem Rossini, der im letzten Winter für ein halbes Jahr vom FC Zürich an Lugano ausgeliehen worden war. Ohne mit dem Spieler gesprochen zu haben und noch bevor die Liga ein Urteil fällte, kündigte Zürichs Präsident Ancillo Canepa den Vertrag Rossinis. «Wir erfuhren in den Ferien davon. Meine Frau und ich waren am Boden zerstört, wir standen quasi auf der Strasse», sagt Rossini.

Damit nicht genug: Als die Disziplinarkommission dann die beiden Sünder für 12 Spiele suspendierte, verlangte der FCZ-Präsident von Rossini eine Schadenersatzsumme von 250 000 Franken. Danach allerdings reduzierte das Rekursgericht die Strafe um sagenhafte 80 Prozent auf zwei Spielsperren mit der Begründung, es läge keine Manipulation des Spielausgangs vor und von einer Verfälschung könne keine Rede sein.

Dieses Urteil wiederum spielte Rossini in die Karten, der nun zusammen mit seinem Anwalt die Kündigung seines gut dotierten Vertrages durch den FCZ als unrechtmässig anficht. «Ich habe dadurch viel Geld verloren», sagt Rossini. Lucien W. Valloni, der den Spieler vertritt, sagt, es könne noch eine Weile dauern, bis der Fall geklärt sei. Canepa will sich dazu nicht äussern.

Die Rechnung mit dem FCZ

So oder so: Für Rossini ist der Besuch von heute Nachmittag im Letzigrund speziell. Als Torschützenkönig der Challenge League war er im Sommer 2014 aus Schaffhausen zum FCZ gekommen, konnte sich aber unter Trainer Urs Meier nicht in die Mannschaft spielen. «Gleich im ersten Spiel verpasste ich eine Riesenchance. Danach fehlte das Vertrauen, es passte einfach nicht», sagt Rossini.

Nur im Cup gelang ihm ein Tor; ihm, der für Schaffhausen in 106 Pflichtspielen 69 Tore erzielt hatte. «Patrick ist sehr sensibel, er muss das Vertrauen des Trainers und der Mannschaft spüren», sagt Schaffhausens Ausbildner Maurizio Jacobacci. «Es wäre besser gewesen, wenn ich das Angebot des FC Thun angenommen hätte», sagt Rossini, «aber im Nachhinein ist man immer schlauer.»

Rossini hatte einst als grosses Talent gegolten, das ihm einen Platz im Juniorenteam von Inter Mailand einbrachte. «An der Seite von Leonardo Bonucci, der heute bei Juve spielt, wurde ich italienischer Vizemeister», sagt Rossini. Wegen einer Allergie hatte er noch als 17-Jähriger nur 1,60 Meter gemessen. Mit 1,79 ist er zwar auch heute kein Riese, dank einem exzellenten Timing aber ein guter Kopfballspieler.

Sein Grossvater, einst ein Spitzengoalie Bellinzonas in der Nationalliga A, schaut sich jedes Spiel von Patrick an. Dessen ein Jahr jüngerer Bruder Jonathan, der gegen Uruguay ein Länderspiel für die Schweiz absolviert hatte, spielt bei Savona in Italiens dritter Liga. Patrick war einst Zeuge gewesen, wie der zweijährige Jonathan beim Spielen die elterliche Wohnung abgefackelt hatte. Dies wiederum ist eine andere Story.

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