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Ottmar Hitzfeld zappt auf Offensive

Der Schweiz reicht gegen Honduras in jedem Fall ein Erfolg mit zwei Treffern Differenz, um in die Achtelfinals vorzustossen. Der Naticoach Ottmar Hitzfeld ist zuversichtlich.

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Keystone

François Schmid-Bechtel

Ottmar Hitzfeld vergleicht die Partie mit einem Halbfinal in der Champions League. Wenn wir schon bei dieser Metapher bleiben: Wie lautet dann der Final? Schweiz - Brasilien? «Ich weiss nicht, gegen wen wir in den Achtelfinals spielen werden. Aber ich gehe davon aus, dass wir die Achtelfinals erreichen werden.» Und dort würde höchstwahrscheinlich die Supermacht Brasilien auf uns warten.

Vom Hoffnungsträger, zum Erlöser, zum Fehlbaren. Hitzfeld hat in Südafrika diverse Rollen eingenommen. Den teilweise schwachen Testspielen zum Trotz hat er uns Mut gemacht, als er sein Team vor dem Duell gegen den haushohen Favoriten aus Spanien starkredete. Und dann, als der Schweiz in einer heroischen Abwehrschlacht tatsächlich ein 1:0 gelang, war Hitzfeld zusammen mit Torhüter Diego Benaglio der Überirdische unter den Irdischen.

Natürlich war es im Nachhinein ein Fehler, die Elf der Spanien-Bezwinger auseinanderzu- reissen. Hitzfeld wurde zum Fehlbaren. Trotzdem blieb die Kritik moderat. Dafür gibt es Gründe: seinen Stellenwert, seine Autorität, sein Auftreten. Doch Letzteres gab dem Bild des Fehlbaren eine weitere Perspektive. Nach dem 0:1 gegen Chile war nicht mehr viel übrig vom sachlichen Gentleman. Hitzfeld war aufgewühlt, Hitzfeld war wütend. Denn nichts scheint den Deutschen mehr zu ärgern als akribisch ausgeheckte Planspiele, die in der Realität nicht aufgehen. Verantwortlich dafür war der Schiedsrichter. Aber nicht nur. Auch der Plan mit Frei und Behrami für Derdiyok und Barnetta ist nicht aufgegangen.

Vom wütenden Hitzfeld war gestern an der Pressekonferenz in Vanderbjilpark nichts mehr zu sehen. Der Coach war wieder gewohnt eloquent und hat spätestens gestern auf Offensive gezappt. Muss er auch. Denn die Schweiz braucht gegen Honduras Tore. Mindestens zwei, falls Spanien im Parallelspiel gegen Chile gewinnt. Und Hitzfeld will mit seinem gestrigen Auftritt den Druck ausblenden und stattdessen Zuversicht und Freude vermitteln. «Wenn ich Trainer der Brasilianer wäre, würde ich auch offensiver spielen lassen», sagte er. «Es war nicht vorgesehen, dass wir gegen Chile so defensiv spielen würden. Doch zu zehnt kann man gegen Chile nicht offensiv spielen. Das wäre Selbstmord.» Bedenken, dass seine Mannschaft nach zwei Abwehrschlachten den Hebel von Defensive auf Offensive umlegen kann, hat Hitzfeld nicht. Ausserdem glaubt er, dass die Honduraner nicht hinten reinstehen werden, was seiner Mannschaft Perspektiven im Spiel nach vorne eröffnen wird. «Es wird eine unglaublich spannende Partie. Ich freue mich darauf. Denn es gibt sehr viel zu gewinnen.»

Einer, der fürs Toreschiessen zuständig ist, sorgt derzeit für Diskussionen, obwohl er nichts sagt. Oder gerade deswegen. Denn Alex Frei schweigt. Und das scheint einige Journalisten in Südafrika zu irritieren. Frei ist derzeit das Medien-Thema. Okay, er war in den 42 Minuten gegen Chile ein ängstlicher Captain. Einer, der den Zweikämpfen ausgewichen war und keine spielerischen Akzente setzen konnte. Trotzdem wird er wohl auch gegen Honduras wieder von Beginn an spielen. Denn Hitzfeld schlägt jeden Zweifel über die Fitness von Frei in den Wind. «Alex war schon gegen Chile 100-prozentig fit.»

Kopfarbeit sei jetzt gefragt, um die richtige Aufstellung für das letzte Gruppenspiel zu finden, sagt Hitzfeld. Fakt ist: Der gesperrte Behrami und der verletzte Senderos werden fehlen. Und sonst? Barnetta kehrt wohl für Behrami wieder in die Startformation zurück. Frei und Nkufo werden wohl ganz vorne beginnen. Inler, dem Hitzfeld eine gute WM attestiert, und Huggel bilden das Zentrum im Mittelfeld. Hinten bleibt alles beim Alten. Hingegen zeichnet sich ein Wechsel im Mittelfeld ab. Hitzfeld fordert mehr Druck über die Seiten. Das lässt darauf schliessen, dass für den defensiv orientierten Fernandes der offensivere Marco Padalino erstmals an dieser WM zum Einsatz kommen wird. Hitzfeld sagt, er werde sich erst am Freitag festlegen. Doch wer soll die Tore schiessen? Alex Freis letzter Treffer datiert vom 9. September 2009. Blaise Nkufo hat letztmals am 1. April 2009, Tranquillo Barnetta am 7. September 2007 getroffen

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