Segunda División
Oliver Buffs Spanien-Abenteuer – Das Wagnis hat sich gelohnt

Oliver Buff fühlt sich trotz des verpassten Aufstiegs wohl bei Real Saragossa. Er habe sich schnell eingelebt und sich intensiv mit der spanischen Sprache befasst.

Markus Brütsch
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Der frühere FCZler Oliver Buff startet am Sonntag mit Real Saragossa in seine zweite Saison in Spaniens Segunda Division. Das Ziel ist der Aufstieg. Getty Images

Der frühere FCZler Oliver Buff startet am Sonntag mit Real Saragossa in seine zweite Saison in Spaniens Segunda Division. Das Ziel ist der Aufstieg. Getty Images

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Bald geht es wieder hinaus auf den Übungsplatz und in die Hitze. In Europas Glutofen Spanien ist die Arbeit in diesen Wochen für einen Profifussballer kein Schleck. «Die Wärme erdrückt einen schier», meldet Oliver Buff aus Saragossa, im Nordosten des Landes. Zwischen dem Morgenessen mit der Mannschaft und dem Training hat der 26-Jährige Zeit gefunden, am Telefon auf sein erstes Jahr bei Real zurückzublicken und einen Ausblick auf das zweite zu wagen.

In diesem nimmt der Klub den sechsten Anlauf, um in die Primera Division zurückzukehren. Zum Saisonstart empfängt Saragossa am Sonntag Aufsteiger Majadahonda. Zehn Wochen sind vergangen seit dem Abschluss der letzten Spielzeit und dem Platzen der Aufstiegsträume nach einer Heimniederlage in den Playoffs gegen Numancia. «Das war eine Riesenenttäuschung», sagt Buff und schildert, wie seine Mannschaft einige hundertprozentige Torchancen versiebt habe.

«Saragossa ist eine Fussballstadt»

«Vielleicht war es auch eine Nervensache, denn wir hatten grossen Druck. Saragossa ist eine Fussballstadt und ein Aufstieg wäre enorm wichtig für den Klub und die Region.» Über 18 000 Zuschauer kamen im Schnitt ins Stadion La Romareda. Die Saison endete auch deshalb so traurig, weil Real die beste Rückrundenmannschaft gewesen war und sich vom 16. Rang auf Platz 3 vorgearbeitet hatte.

Mit seinem ersten Jahr im Ausland und den 31 Einsätzen in Pflichtspielen ist Buff unter dem Strich zufrieden. Meist wurde er im offensiven Mittelfeld eingesetzt. «Das Niveau der Liga ist hoch», sagt Buff, «ich dachte, ich sei technisch gut, aber ...» Auch die Verteidiger und speziell die Goalies verstünden es hervorragend, mit dem Ball umzugehen.

Mit Zug und Bus ans Spiel

«Dazu kommt, dass es viele Spieler gibt, die von einem der Grossklubs wie Real Madrid, Barcelona oder Atlético ausgebildet worden sind.» Aber die Saison ist hart mit 42 Spielen und langen Reisen. Einzig zum Spiel gegen Teneriffa ist die Mannschaft geflogen, sonst immer mit dem Bus oder dem Zug gefahren.

Gleichwohl liebt Buff das Leben in Spanien. Natürlich vermisst er seine Familie, doch die Freundin kommt einmal im Monat hierher und so ist Heimweh kein Thema. Ihm gefallen der Tagesablauf mit der Siesta und das sonnige Wetter. «Vor allem aber schätze ich die Einstellung der Spanier. Sie geniessen das Leben mehr als wir Schweizer, für die materielle Dinge oft zu wichtig sind. «Im Moment kann ich mir vorstellen, nach Abschluss der Karriere in Spanien zu leben. Nicht unbedingt in Saragossa, aber vielleicht in Valencia.»

Auch im Klub fühlt sich Buff wohl. Er ist oft mit dem Basler Simone Grippo zusammen, der in der Innenverteidigung unbestrittener Stammspieler ist. «Aber auch mit den Spaniern bin ich viel unterwegs. Es ist sehr familiär hier.» Er selber hat mit dem schnellen Erlernen der spanischen Sprache einen grossen Teil zur raschen Integration beigesteuert. «Am Anfang habe ich einen Privatlehrer genommen und schon im Oktober mein erstes Interview in Spanisch gegeben», sagt Buff. «Im Winter habe ich dann noch einen Intensivkurs an der Uni belegt.»

Das grosse Ziel Aufstieg

In drei Tagen also geht es wieder los in der Segunda Division. Real hat einen neuen Trainer und ein paar neue Spieler, aber Iglesias, der viertbeste Torschütze der Liga, hat den Verein verlassen. «Aufzusteigen wird verdammt schwierig. Mit den Absteigern La Coruña und Las Palmas ist die Liga noch stärker geworden», sagt Buff.

«Aber es wäre natürlich grossartig, mit Saragossa die Promotion zu schaffen.» Um dann mit leiser Stimme eine brisante Randbemerkung fallen zu lassen: «Falls ich dann noch da bin.» Ein paar Klubs haben ihr Interesse angemeldet und Buff schliesst einen Wechsel nicht aus.

Er sagt aber: «Ich kann mir auch gut vorstellen, dazubleiben.» Die grossartige Rückrunde hat bei den Fans Appetit auf mehr geweckt. «Ich habe gehört, es seien schon 23 000 Jahreskarten abgesetzt worden», sagt Buff. Er denkt, dass er vor einem Jahr mit seinem Wechsel vom FCZ nach Spanien voll ins Schwarze getroffen hat. «Ich habe etwas gewagt, und es hat sich gelohnt.»