Nein. Wer sich am Freitagabend auf das Bundesliga-Spitzenspiel Frankfurt gegen Hoffenheim gefreut hat, ist von einem Grottenkick überrascht worden. Wer sich regelmässig in einer der fünf grossen europäischen Ligen ein Spiel über 90 Minuten ansieht und sich nicht von den vollen Stadien und der tollen Verpackung blenden lässt, weiss, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Wer lamentiert, dass in unserem Land kein Verein in der Lage sei, den FC Basel ernsthaft zu fordern, und deshalb jegliche Spannung fehle, verdrängt, dass im gelobten Deutschland der FC Bayern München die letzten vier Titel mit 10, 10, 19 und 25 Punkten Vorsprung gewonnen hat und in Frankreich der PSG mit 31, 8, 9 und 12 Zählern.

Natürlich ist nicht daran zu zweifeln, dass der FC Basel im nächsten Jahr zum achten Mal in Folge Meister wird. Er hat in diesem Herbst zwar nicht besonders oft geglänzt und von den vielen verletzungsbedingten Ausfällen der YB-Schlüsselspieler profitiert, aber seine Qualitäten sind gut genug, um den Titel ein weiteres Mal zu verteidigen und ein letztes Mal direkt in die Champions League einzuziehen. Ab 2018 wird die Reform der Königsklasse dann dafür sorgen, dass sich die Schere zwischen Gross und Klein weiter öffnet, der Schweizer Meister höchstwahrscheinlich nur noch in der Europa League für Furore sorgen kann und Champions-League-Teilnahmen zur Ausnahme werden.

Für den FC Basel, der sich momentan in einem Niemandsland befindet – zu gut für die Super League, zu wenig gut für die Champions League –, könnte dies zur Folge haben, dass er in der Schweiz wieder «irdisch» wird, die nationale Spitze näher an ihn heranrückt und das Titelrennen sich spannender gestaltet. Eine zwiespältige Sache, denn ein sportlich wie wirtschaftlich bärenstark aufgestellter Meister verspricht international bedeutend mehr Erfolg.

Die Schweizer Europacup-Bilanz ist enttäuschend

Gewiss ist es enttäuschend, dass kein einziger der fünf angetretenen Schweizer Klubs europäisch überwintert. Vor allem vom FCB hatte man schon erwartet, dass er sich in der Champions League gegen die Bulgaren von Rasgrad durchsetzt und im Februar in der Europa League weiterspielt. Zu folgern, das Niveau in der Super League sei schlecht, wäre indes oberflächlich. Frühjahre ohne Schweizer im Europacup hat es immer mal wieder gegeben. Zuletzt 2008/09 und 2009/10 sogar zweimal in Folge und ohne bleibenden Schaden anzurichten, wie die späteren Basler Erfolge gegen Bayern, Chelsea, Tottenham und Liverpool belegen. Super-League-Spiele sind selten langweilig, es wird in der Regel offensiv gespielt und es fallen so viele Tore wie sonst nirgends. Gerade das allerletzte Spiel des Jahres zwischen dem FC Thun und den Young Boys (2:3) war beste Unterhaltung.

Gewiss gibt es auch einiges zu bemängeln. So fehlen der Liga grosse Namen und Zugpferde, weil sich die Klubs aus finanziellen Gründen keine Topstars leisten können und ein Spieler wie Guillaume Hoarau die Ausnahme ist. Überhaupt gibt es bei der Vermarktung der Liga und ihrer Spiele noch viel Luft nach oben. Eine Super-League-Partie sollte noch mehr zum Event werden. Darüber hinaus dürften die Mannschaften auf dem Rasen ruhig noch einen Zacken an Intensität zulegen und einen höheren Rhythmus anschlagen. Gekämpft wird nur selten mit demselben Biss wie in England oder Deutschland. Immerhin könnte sich dies in der Rückrunde ändern, wenn mehr als die halbe Liga gegen den Abstieg und die Klubs zum Teil sogar um ihre Existenz kämpfen. Hochspannung ist jetzt schon angesagt.

Gefragter Zulieferer der grossen europäischen Ligen

Bei der Beurteilung des Schweizer Fussballs geht oft vergessen, wie viele Schweizer im Ausland spielen und der heimischen Liga als Leistungsträger fehlen. Waren es vor 20 Jahren noch dreissig Profis, so verdienen heute vier Mal so viele Spieler ihr Geld über den Erdball verstreut, und jedes Jahr werden es mehr. Zwar sind die Schweizer Nachwuchsauswahlen in den letzten Jahren nicht mehr in der Lage gewesen, an frühere Erfolge (U17 Europameister 2002; U17 Weltmeister 2009; U21 EM-Finalist 2011) anzuknüpfen; wie gut an der Basis hierzulande aber noch immer gearbeitet wird, beweist eine andere Statistik. Hinter Frankreich, Brasilien, Argentinien und Spanien exportiert die Schweiz zusammen mit Belgien am meisten Spieler in die Big-5-Ligen. Rund 50 sind es aktuell, was gut für die Nationalmannschaft ist. Auswahlteams sind auch immer ein Abbild der Grundlagenarbeit in den Klubs. Dass die Schweiz in der WM-Qualifikation Europameister Portugal geschlagen hat, mit vier Siegen in vier Spielen in Richtung Russland 2018 gestartet ist und das Kader qualitativ breiter und breiter wird, stellt den Vereinen punkto Ausbildung ein gutes Zeugnis aus.

Selbstverständlich muss sich die Swiss Football League auch Gedanken darüber machen, ob sich der 2003 eingeführte und leistungsfördernde Zehnermodus noch immer bewährt und einem veränderten Umfeld weiter entspricht. Weil es immer mehr neue Stadien gibt, sollte überprüft werden, welche Folgen eine Aufstockung der Super League für die sportliche Qualität und die wirtschaftliche Seite hätte. Eben erst hat ja Österreich beschlossen, aus einer Zehner- eine Zwölferliga zu machen.

Der Videobeweis kommt keinen Tag zu früh

Ein leidiges Thema sind die Schiedsrichter. Allerdings nicht nur in der Super League. In der englischen Premier League, in der die Spiele von Profireferees geleitet werden, gibt es genauso viele hanebüchene Fehlentscheidungen wie in der Bundesliga oder in der Schweiz. Der Riesenbock, der dem Spielleiter am Samstag zwischen Vaduz und Lausanne unterlaufen ist, kann für die Waadtländer im nächsten Jahr den Abstieg zur Folge haben. Die Einführung des Videobeweises ist aufgegleist, wird aber keinen Tag zu früh kommen.