Nach einem schwachen Start in die Saison und nur gerade drei Punkten aus den ersten vier Spielen haben die Young Boys den Tritt gefunden. Dass es nun besser läuft, ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Raphaël Nuzzolo – mit drei Toren und einer Vorlage der momentan beste Skorer seines Teams.

Das war nicht immer so. Zu Beginn lief es bei YB harzig. «Ich bin kein Spieler, der gerne den Klub wechselt, nach zehn Jahren in Neuenburg hatte ich deshalb am Anfang Mühe.» Mittlerweile fühlt er sich in der Hauptstadt aber wohl: «Ich bin nun seit drei Jahren in Bern und fühle mich jetzt hier wie zu Hause.» Und er ist mittlerweile zu Topform aufgelaufen. «In den ersten Spielen konnte ich jeweils ein Tor schiessen oder einen Assist geben, das war gut für das Selbstvertrauen», meint Nuzzolo dazu.

Forte machte ihn torgefährlicher

YB-Trainer Uli Forte hat seinem Schützling geholfen, torgefährlicher zu werden. Noch vor kurzem schoss er zwar wenig Tore, dafür hatten sie meistens gleich einen Tor-des-Monats-Charakter. «Ja, das ist wahr», lacht Nuzzolo und fügt an: «Ich habe schon immer schöne Tore geschossen. Dafür hatte ich auf den letzten Metern vor dem Tor Mühe, das war aber schon meine ganze Karriere so.»

Bei YB geht er nun auch vermehrt in den Strafraum und wird dadurch torgefährlicher. «Forte hat mir Dinge gesagt, die ich vorher noch von keinem Trainer gehört habe, das hat mich stärker gemacht.»

Nuzzolo, der Sportverrückte

Viele Fussballer brauchen neben dem Platz eine Beschäftigung, damit sie den Kopf auch mal vom Fussball freibekommen. Doch bei Nuzzolo ist das anders: «Ich schaue immer Fussball, die ganze Zeit sehe ich mir zu Hause Spiele an! Die anderen sagen mir manchmal, ich sei verrückt und ich solle auch mal etwas anderes machen in meiner Freizeit.» Doch der Sport ist sein Leben und er liebt es, sich zu Hause auf dem Sofa zu erholen und Sport zu schauen. Fussball, Eishockey und Tennis sind dabei seine Favoriten.

Wobei er Eishockey auch gerne live im Stadion verfolgt. Letzte Saison hatte er eine Saisonkarte des SC Bern. «Allerdings verpasste ich wegen der Europa League einige Spiele, deshalb habe ich es diese Saison gelassen», sagt er lachend und ergänzt: «Vielleicht kaufe ich sie mir aber nächstes Jahr wieder.» Der Sport auf dem Eis fasziniert ihn: «Hockey ist ein Mannschaftssport, wie Fussball, aber trotzdem ganz anders. Ich will wissen, wie ein Eishockeyspieler funktioniert, und schaue, was ich von dieser Sportart übernehmen kann.»

Der Spätzünder

Sportlich ist er noch lange nicht am Ende seiner Laufbahn. «Mit 27 sind die meisten Spieler auf dem Zenit. Doch bei mir war das anders, ich wurde mit dem Alter immer besser. Im Moment bin ich wahrscheinlich mitten in meinen besten Jahren», sagt der mittlerweile 31-Jährige dazu.

Daher war es für Nuzzolo auch nie ein Thema, ins Ausland zu wechseln. «Ich war kein Spieler, der bereits jung ein Topspieler war. Ich war erst mit 22 Stammspieler in der Super League, das ist spät, heute kommen sie schon mit 18 oder 19.» Hinzu kommt, dass er damals in Neuenburg spielte. «Für Spieler, die bei kleinen Klubs spielen, ist es extrem schwierig, ins Ausland zu wechseln», sagt der gebürtige Bieler zu diesem Thema.

Aufhören kommt nicht infrage

Und wie sieht es heute aus, ist das Ausland noch ein Thema? «Im Moment bin ich zufrieden mit der Super League und mit YB, ich will sicher noch drei bis vier Jahre hier spielen.» Danach aufzuhören, kommt für Nuzzolo nicht infrage. «Ich will noch lange spielen und nicht schon mit 34 Jahren aufhören.»

Was nach seiner Zeit in Bern kommt, weiss er allerdings noch nicht genau: «Aber die USA und Australien haben mich als Land schon immer fasziniert. Wenn ich nach YB die Möglichkeit hätte, in die USA zu gehen, wäre das sicher eine Überlegung wert.»

Noch ist es allerdings nicht so weit und Raphaël Nuzzolo wird in den nächsten Jahren weiterhin für die Hauptstädter auf Torjagd gehen.