FCZ - FC Thun
Nur noch Zürcher Randnotizen und ein Platzsturm

Mit kräftigem Applaus, aber ohne Titel endete die Saison für den FC Zürich. Der 1:0-Sieg gegen Thun genügte nicht, den FCB im Schlussspurt abzufangen.

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Die FCZ-Fans feierten trotzdem

Die FCZ-Fans feierten trotzdem

Keystone

Am Ende stürmte nicht Zürich zum Triumph, sondern ein Teil des Anhangs ungebremst den Rasen. Sie taten es wohl in friedlicher Absicht und liessen Urs Fischer im Chorus hochleben, verhinderten so aber eine vernünftige Verabschiedung der Mannschaft. Das goutierten nicht alle, schon gar nicht die Spieler, die das Terrain teils fluchtartig verliessen.

Das Fest der U18

Eineinhalb Stunden vorher herrschte eine bessere und gelassenere Stimmung. Die Fans der Zürcher hatten sogar eine Trophäe präsentiert bekommen - aber zu ihrem Leidwesen nur jene der U18. Die Junioren liessen sich während Minuten von der «Südkurve» feiern. Ein ähnlicher Glücksmoment blieb den Profis verwehrt. Sie hoben nach der Pflichtübung gegen Thun mitten in der Zuschauermasse nur kurz die Hände, aber keinen Pokal in die Höhe.

Die rauschende Party fand nicht im Letzigrund, sondern im Basler St.-Jakob-Park statt. Obschon auf Wunsch der Equipe der Zwischenstand der Partie FCB - FCL nie vermeldet wurde, ahnten wohl auch die Spieler angesichts der lauen Atmosphäre auf den Rängen, dass die Bebbi der Belastungsprobe mühelos standhielten und gar kein Fernduell mehr zuliessen.

Dem FCZ blieb nach einer vorzüglichen Saison deshalb nur Platz 2. Der entscheidende Punkt Rückstand war nicht mehr zu korrigieren. Luzern stemmte sich ganze sechs Minuten gegen den letzten von zahllosen Fehltritten der Rückrunde. Der «Totomat-Final» war noch früher als allseits erwartet entschieden.

Prickelnd war der Abend aus Sicht der Zürcher nur in den Startminuten. Sekunden nach dem Anpfiff vergab Djuric eine erste Chance, in der 5. Minute holte Alexandre Alphonse Verpasstes nach: Der Franzose schlenzte den Ball unhaltbar ins hohe Eck. Mehr als die Sicherung des Vorteils hatte der Favorit danach offenbar nicht mehr im Sinn.

Den Berner Oberländern kam Zürichs «Energiesparmodus» zupass. Das Team von Murat Yakin erspielte sich optische Vorteile und nach 45 Minuten ein Cornerverhältnis von 5:1. Mehr als Randnotizen produzierte aber auch die Nummer 5 der Liga nicht mehr. Die Nachrichten aus Basel belebten das Geschehen logischerweise auch nicht.

Gibt der FCZ dem Wirtschaftsdruck nach?
Was das Gros der Experten prognostiziert hatte, bewahrheitete sich ohne Verzögerung. Der FCZ war am letzten Spieltag noch aktiv, aber eben doch nur ein machtloser Statist. Zu gewinnen gabs ausser des letzten Saisonspiels nichts mehr.

Entglitten war dem Gastgeber die Kontrolle über sein eigenes Schicksal ein paar Wochen früher, als er gegen Basel im Heimspiel trotz drückender Überlegenheit nur ein 2:2 erreichte und drei «Big Points» vergab. Alex Frei markierte an jenem Abend beide Tore. Der frühere Captain der Nationalmannschaft unterbrach den Zürcher «Stromkreis» auch in der letzten Runde: Sein frühes 1:0 gegen Luzern (6.) verdarb im fernen Zürich auch dem letzten Optimisten die Laune.

Das One-Way-Ticket in die Champions League hat der FCZ letztlich vor allem im direkten Duell mit dem FCB verloren; seit 20 Spielen ist er gegen den Titelhalter sieglos. Und den entscheidenden Rückschlag erlitt der FCZ vor zehn Tagen ausgerechnet im Derby gegen GC (1:3). Das Millionen-Business ist für die Stadtzürcher im Sommer darum nur über sehr weite Umwege zu erreichen.

Mit den hohen Einnahmen (gegen 20 Millionen) ist eher nicht zu rechnen. Im Vergleich zum 14-fachen Meister Basel zeichnet sich ein weiterer Standortnachteil ab. Ende Mai ist in der Jahresrechnung des FCZ überdies eine tiefrote Minuszahl zu erwarten. Die Frage wird nun sein, ob Präsident Ancillo Canepa weiter hoch pokert und sich eine konkurrenzfähige leistet, oder ob er sich dem wirtschaftlichen Druck anpasst und einige Hochlohnbezüger verkauft. (si)