FC Basel
Nur im Joggeli war es lauter als in Valentin Stockers Stammbeiz

In der Pizzeria «Al Forno» in Kriens fieberte eine illustre Runde mit den Baslern, als diese die Bayern in der Champions League bezwangen. Im Lokal erinnert man sich gern an den kleinen «Vali», der die Basler in den Fussballhimmel schoss.

Michael Nittnaus
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Max Tobler (l.) und Isa Behaj jubeln im «Al Forno» auch noch am Tag nach dem FCB-Sieg. Katrin Haunreiter

Max Tobler (l.) und Isa Behaj jubeln im «Al Forno» auch noch am Tag nach dem FCB-Sieg. Katrin Haunreiter

Tiefste Nacht im beschaulichen Kriens. Alles ist ruhig. Nur eine Stimme dringt durch die Stille. «Chum Vali, chum Vali. Du machsch hüt es Gool.» Max Tobler schreit nicht. Beharrlich spricht er vor sich hin, während er um den Block der Pizzeria Al Forno stapft. Runde um Runde dreht er, schielt jeweils durch die hell erleuchtete Fensterfront auf den Fernsehschirm. Es ist Mittwoch um halb Zehn – Halbzeitpause bei Basel gegen Bayern.

Erst als Tobler sieht, dass die Spieler wieder den Joggeli-Rasen betreten, stösst er die Türe auf und setzt sich zu seinen Freunden ins Warme. Es ist eine illustre Runde, die sich im «Al Forno» zusammengefunden hat, um das Schweizer Fussball-Ereignis schlechthin zu verfolgen. Da sitzen Romano Simioni, der Ehrenpräsident des FC Luzern, und Tony Burri, ehemaliger Präsident des SC Kriens. Dazu der Wirt Isa Behaj. Und eben Max Tobler, der bis 2009 ein Vierteljahrhundert lang Juniorenobmann des SC Kriens war und dabei fünf Jahre dasselbe Amt beim Schweizer Fussballverband ausfüllte. Die Runde gesetzterer Herren trifft sich diesen Abend nicht wegen des FC Basel an sich, sondern wegen eines 22-Jährigen, der bis zur 66. Minute auf der Bank der Rotblauen schmorte, am Ende aber der grosse Sieger war: des Kriensers Valentin Stocker.

Jubelnd die Gäste verscheucht

Mit seinem Tor in der 86. Minute zum 1:0 mag er das Joggeli zum Kochen gebracht haben. Doch kaum minder laut fiel der Jubel in Stockers Lieblings-Pizzeria aus: «Mit unserem Lärm haben wir die Hälfte der Gäste verscheucht», erinnert sich Isa Behaj beim gestrigen Besuch der az – und muss schmunzeln. Auch Tobler ist wieder hier. Die beiden kennen «Vali» schon, seit dieser mit Behajs Söhnen zur Schule ging – und als siebenjähriger Knirps unter Tobler zu den Junioren des SC Kriens kam.

Das «Al Forno» ist kein zufälliger Treffpunkt. Das wird klar, sobald man durch die Türe tritt. Es ist eine Art Fussball-Schrein. An einer Wand hängen unzählige Wimpel verschiedenster Vereine, Autogrammkarten, Mannschaftsbilder. Am Querbalken hängen Trikots – nicht zu übersehen auch die Basler Nummer 14: «Vali hat es mir letztes Jahr geschenkt», sagt Behaj nicht ohne Stolz. Stocker wohnt zwar schon lange nicht mehr im Ort, aber immer wieder kehrt er mit der ganzen Familie bei Behaj ein. Tobler ist, wie Stockers Eltern Christoph und Eveline, Lehrer und kennt sie schon lange: «Der Vater war früher Leistungssportler und ist noch heute eine echte Kampfsau. Von ihm hat Vali seinen unglaublichen Ehrgeiz.» Beim kleinen Valentin habe das Umfeld gepasst – dazu kam das Talent. «Schon als Junior war er ein Meister am Ball und hatte unglaubliche koordinative Fähigkeiten», erinnert sich Tobler.

Transfer zum FCB eingefädelt

Für ihn war früh klar, dass Stocker ein Grosser werden konnte. Da der damalige Sportchef ihn aber 2005 nicht in die erste Mannschaft nehmen wollte, fädelte Tobler den Transfer zum FCB ein. Er finde es wichtig, die Krienser Talente voranzubringen. Tobler kichert spitzbübisch, als er sagt: «Auf diesen Vertrag bin ich noch heute stolz. Dank der Ausbildungsentschädigung dürften wir bei einem Wechsel ins Ausland sechsstellig mitverdienen.»

Etwas verdient hat Tobler auch am Mittwochabend: Noch vor dem Match legten alle eine Zehnernote auf den Tisch. Tobler tippte als einziger auf einen Sieg des FC Basel. Doch dem nicht genug: «Ich sagte, dass Vali nach der 60. Minute eingewechselt wird und ein Tor schiesst.» Dabei kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Für Behaj steht fest: «Als Max in der Halbzeit draussen vor sich hinredete, müssen seine Worte Vali erreicht haben.»