Allein die Statistik spricht Bände. Noch nie in der Geschichte der Champions League ist ein Team nach einer 0:3-Heimniederlage noch weitergekommen. Was also soll Juventus gegen Real, den Sieger der letzten beiden Jahre, noch die Hoffnung geben, wie 2015 und 2017 den Final zu erreichen? Vielleicht ist sie beim Gegner zu suchen, der mit argen Problemen mit der Besetzung der Abwehr zu kämpfen hat.

Captain Sergio Ramos fehlt gesperrt, dessen Ersatz Nacho Fernandez ist verletzt, Raphaël Varane kehrte eben erst von einer Verletzung zurück, und ob der vierte Innenverteidiger Jesus Vallejo (21) spielen kann, ist wegen dessen muskulärer Probleme ungewiss. "Sollten wir Probleme damit bekommen, werden wir uns eben anpassen", sagte Reals Trainer Zinédine Zidane lapidar. Mit seinen Leistungen in den acht Einsätzen in dieser Saison, meist bei Schonung der Stammformation, empfahl sich Vallejo nicht für einen dauerhaften Platz in den ersten elf.

Der Vorsprung von drei Toren ist Reals bestes Argument, sich zum achten Mal in Folge für die Halbfinals der Champions League zu qualifizieren. Cristiano Ronaldo, im Hinspiel zweifacher Torschütze, wovon einmal per spektakulärem Fallrückzieher, befindet sich in Bestform. Der portugiesische Europameister hat in 37 Pflichtspielen bereits 40 Mal getroffen, allein 20 Mal seit dem 10. Februar. Ronaldo erzielte in jedem der zehn Ernstkämpfe seit dem 5:2 gegen Real Sociedad zumindest einen Treffer. Gleiches gilt für Reals neun bisherige Champions-League-Auftritte (14 Tore).

Unter anderem dank der unglaublich hohen Schlagzahl des Superstars steuert Real Madrid auf den dritten Titel in Serie zu - etwas, was im wichtigsten europäischen Klubwettbewerb zuletzt zwischen 1974 bis 1976 Bayern München geschafft hat.

Auch Sevilla benötigt Auswärtssieg

Ebendiese Bayern starten ebenfalls mit einem Vorsprung aus dem Hinspiel zur Reprise. Vier Tage nach dem vorzeitigen Gewinn des 28. Meistertitels ist das Team von Jupp Heynckes nach dem 2:1 beim FC Sevilla am letzten Dienstag klar zu favorisieren. In 24 Europacup-Duellen schieden die Bayern nur einmal nach einem Auswärtserfolg noch aus: 2011 im Achtelfinal der Champions League gegen Inter Mailand (1:0/2:3). Seither schaffte es der FCB nur einmal nicht in die Top 4 im Europacup. "Wir haben die Tür aufgemacht in Sevilla, jetzt müssen wir noch seriös durchs Tor gehen", sagte der Vorstands-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zur Ausgangslage.

Sevilla, das abgesehen vom UEFA-Cup respektive der Europa League noch nie weiter als in den Viertelfinal kam, weiss um die Schwierigkeit der Aufgabe. Wissam Ben Yedder beruft sich auf einen einfachen Fakt. "Klar wird es schwierig. Sie haben bei uns auch einen Sieg geschafft", sagte der französische Internationale. "Wieso sollte es uns auswärts also nicht auch gelingen?"