Es ist brütend heiss im Stadion Grünfeld am Nachmittag des 14. August letzten Jahres. Der FC Basel hat soeben das Cupspiel gegen den drittklassigen FC Rapperswil-Jona mit Ach und Krach 1:0 gewonnen, und die Spieler sind rasch zur kalten Dusche in der Kabine entschwunden. Nur der gut gelaunte Jean-Paul Boëtius steht noch auf dem Rasen und spricht mit den Medien.

Der Holländer, dessen Wurzeln in Surinam liegen, hatte sich mit seinem Tor zum Matchwinner gemacht und wird jetzt gefragt, ob dieser Treffer nun endlich sein ersehnter Durchbruch beim FCB sei. Nach einer enttäuschenden ersten Saison mit vielen Verletzungen und nur 19 Pflichtspieleinsätzen (vier Tore) war der Flügel auch in dieser Spielzeit noch kaum zum Einsatz gekommen, und eigentlich lag ein Transfer des früheren holländischen Supertalents förmlich in der Luft. «Ich möchte dazu eigentlich nichts sagen. Aber gut, wenn nun Real Madrid anklopft …», konnte sich der Spassvogel einen kleinen Scherz dann gleichwohl nicht verkneifen.

Genk statt Real

Ein halbes Jahr später haben sich nun zwar nicht die Königlichen aus Madrid gemeldet, mit dem Koninklijke Racing Club Genk aber immerhin Königliche aus Belgien. Dort ist das Transferfenster in der Nacht auf heute zugegangen und somit lässt sich sagen, dass Boëtius den Absprung beim FCB gerade noch geschafft hat.

Der 22-Jährige wechselt zu einem Verein, der aktuell in der Jupiler League den achten Rang belegt und in den Sechzehntelfinals der Europa League im Februar gegen Astra Giurgiu antritt. Der dreifache belgische Champion (zuletzt 2011) ist in Basel kein Unbekannter, im Herbst 2012 trennte er sich in der Europa League vom FCB 0:0 und 2:2.

Boëtius, dessen Vertrag in Basel noch bis zum 30. Juni 2019 läuft, wird vorerst einmal bis zum Ende dieser Saison an Genk ausgeliehen. Die Belgier haben dann die Option, den Spieler definitiv zu übernehmen.

Warum aber konnte sich der holländische Nationalspieler (1 A-Länderspiel), der als 18-Jähriger bei seinem allerersten Einsatz in der Eredivisie gleich ein Tor gegen Ajax Amsterdam geschossen hatte und der Anfang August 2015 mit grossen Hoffnungen von Feyenoord Rotterdam nach Basel gekommen war, bei Rot-Blau nicht durchsetzen? «Das Verletzungspech spielt sicher eine Rolle und Boëtius ist zudem ein Typ Spieler, dem der Konkurrenzkampf nicht so guttut», sagt der Basler Sportdirektor Georg Heitz. «Aber auf den Flügelpositionen hatten wir ein Überangebot.» Und natürlich habe bei Boëtius nach und nach auch das Selbstvertrauen gelitten, sagt Heitz.

Obwohl es gewiss nicht der Anspruch des 18-fachen U21-Nationalspielers gewesen sei, beim FCB auf der Bank zu sitzen, habe sich Boëtius immer tadellos verhalten, sagt Heitz. Jetzt also nimmt der Rotterdamer in Belgien einen nächsten Anlauf, seine Karriere neu zu lancieren. Immerhin kommt er als Schweizer Meister nach Flandern. In der letzten Saison hatte er in zwölf Super-League-Einsätzen drei Tore zum Basler Titelgewinn beigesteuert. Nach Adrianus van Kraay, André Sitek, Robert Kok, Martinus van Duren und Marco Sas war Boëtius der sechste Holländer im Trikot des FCB..