Alex Frei mag nicht sprechen. Nicht in dieser Woche. Mit der Familie, dem Trainer oder dem Präsidenten natürlich schon. Nicht aber mit den Medien. Nicht vor diesem Super-League-Spitzenspiel gegen den FC Basel. Er fürchtet, seine Aussagen könnten missverstanden oder gar falsch zitiert werden. Nein, Frei hat sich entschlossen zu schweigen. Auch, um nicht Gefahr zu laufen, Öl ins Feuer zu giessen.

Denn es ist schon zu vermuten, dass noch immer ein Flämmlein brennt. Auch wenn sein Abschied vom FCB an jenem 14. April, einem prächtigen Frühlingstag, ein wunderbares Fest gewesen ist. Als er vom Klub zuerst berührend geehrt wurde und danach gegen den FCZ mit einem fantastischen Freistosstreffer auf seine Art Adieu sagte. Und doch: Dass er gleich danach mit einem Muskelfaserriss den Rasen des St. Jakob-Parks verliess, hat Symbolcharakter. Weil fraglos etwas gerissen ist in der Beziehung zwischen Frei und dem FCB. Der Stachel, von Trainer Murat Yakin degradiert und so gut wie ausgemustert worden zu sein, hat Wunden hinterlassen, die nicht ganz so rasch verheilen.

Selbst wenn Frei kaum Zeit gehabt hat für trübsinnige Gedankenspiele. Weil er ja schon einen Tag nach der Beendigung seiner grossen Fussballlaufbahn in seine neue Karriere als Fussballmanager startete. Nicht in Basel, sondern in Luzern und mit dem damit verbundenen Vorteil, Distanz zu schwierigen letzten Monaten zu schaffen und sich unbefangen in die neue Aufgabe zu knien.

131 Tage ist Frei nun schon Sportdirektor beim FC Luzern. In der Tat sogar noch ein bisschen länger. Denn gut eine Woche, bevor Frei am 15. April sein Büro in der Swissporarena bezog, hatte er mit Carlos Bernegger bereits seinen Wunschtrainer beim FCL installiert. Natürlich, offiziell hatten die Luzerner Verantwortlichen die Ablösung von Ryszard Komornicki vollzogen, doch im Hintergrund war Frei die treibende Kraft für das Engagement des Argentinien-Schweizers gewesen, dessen Arbeit mit dem FCB-Nachwuchs ihm imponiert hatte.

Viele neue Ideen

Gehandelt hatte Frei, weil er, ohne selber für den FCB auf dem Platz gestanden zu sein, am 1. April nach einem 0:4 gegen Basel zum Schluss gekommen war, Komornicki schaffe die Wende zum Guten nicht mehr. Fast zeitgleich holte Frei den früheren FCB-Nachwuchstrainer Remo Gaugler als Chefscout; später als Konditionstrainer den Franzosen Christian Schmidt, den Frei in Rennes kennen gelernt hatte, sowie den Einheimischen Thomas Wyss als Assistenztrainer. Auch die Berufung Andy Eglis zum Nachwuchschef war die Idee des neuen Sportdirektors.

Parallel dazu arbeitete Frei an einem Kader, welches die Qualität haben musste, an die erfolgreichen letzten Wochen der Vorsaison unter Bernegger anzuknüpfen und das Publikum mitzureissen. Es kamen Oliver Bozanic aus Australien, die jungen Ferid Matri aus Auxerre und Kevin Holz aus Dortmund; Ersatzgoalie Lorenzo Bucchi aus Fribourg, Yassin Mikari aus Sochaux und zuletzt aus Ägypten der 19-jährige Kahraba, der gegen Basel sein Debüt geben könnte. Zweifellos hatten viele Fans gehofft, Frei würde dank seinem grossen Netzwerk im europäischen Fussball ein paar Transferbomben zünden. Und wurden schwer enttäuscht. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte Frei aber unmissverständlich: «Wir holen keine grossen Namen, wir wollen grosse Namen machen.» Mit Bozanic scheinen die Luzerner auf gutem Weg dazu. Mit fünf Toren führt der Aufbauer die Torschützenliste an.

27 Zähler in 14 Partien

Auch sonst lässt sich Freis Zwischenbilanz sehen. In den 14 Partien in der Super League seit seiner Ankunft holten die Zentralschweizer 27 Zähler. Der Punkteschnitt von 1,93 entspricht zwar noch nicht ganz jenem eines Meisters, alleweil jedoch der Ausbeute eines absoluten Spitzenklubs. Wie auch die Heimbilanz mit acht Spielen ohne Niederlage. Und dass von Bernhard Alpstaeg, dem polternden Investor, nichts mehr zu hören ist, kann getrost als letzter Hinweis verwertet werden, wie geschmiert es dem aktuellen Tabellenzweiten FC Luzern derzeit läuft. Zwar hat der FCL unter Sportdirektor Frei bereits dessen ersten Vergleich mit seinem alten Klub am 28. April im St. Jakob-Park souverän 3:0 gewonnen, doch ein nächster Sieg heute Abend wäre für Frei die noch grössere Genugtuung. Zum einen, weil der FCL nun schon mehr «seine» Mannschaft ist, zum andern, weil der Meister in der Tabelle bereits fünf Punkte distanziert wäre.

So verwundert es nicht, sind sie beim FCL begeistert von Frei. Trainer Bernegger sagt: «Ich pflege mit Alex eine ehrliche Beziehung. Wenn dem einen etwas nicht passt, sagt er es dem anderen.» Und wer macht die Mannschaftsaufstellung? «Ich weiss», lacht Bernegger, «viele Leute denken, Frei sei genau der Typ, der dem Trainer in die Aufstellung rede. Aber er ist klug genug zu wissen, wie das bei mir ankäme.»

«Unglaublich ehrgeizig»

FCL-Präsident Mike Hauser sagt: «Die Zusammenarbeit mit Frei hat sich genauso entwickelt, wie wir es erhofft hatten. Er ist unglaublich ehrgeizig, hat klare Ideen und einen frischen Wind in den Klub gebracht.» Spieler Alain Wiss sagt: «Frei ist durchaus präsent beim Team. Zwei Mal in der Woche kommt er auf dem Trainingsplatz vorbei. Vor dem Spiel wünscht er in der Kabine viel Glück, ohne aber Anweisungen zu geben.»

Auch ausserhalb Luzerns wird aufmerksam zur Kenntnis genommen, wie gut sich Frei bisher im neuen Job schlägt. «Er wirkt sehr fokussiert und ist fleissig. Er muss sich aber bewusst sein, dass die Stimmung schnell kippen kann, wenn es einmal nicht so läuft wie jetzt», sagt Sportdirektor Georg Heitz vom FCB. «Alex ist ein toller neuer Kollege», sagt YB-Sportchef Fredy Bickel, «er hat von Anfang an den Kontakt gesucht.» Doyen Erich Vogel erteilt Frei gar den verbalen Ritterschlag: «Alex wird als Sportchef eine grosse Karriere machen.»