Champions League
Noch ohne Tor und Punkt – YB will heute gegen Valencia das erste Erfolgserlebnis in der Champions League

Zwei Spiele, null Punkte, null Tore. Gegen Man United und Juventus gab es für die Berner nichts zu holen. Doch nun strebt YB in der Champions League gegen das formschwache Valencia das erste Erfolgserlebnis an.

Markus Brütsch
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Champions-League-Debüt mit 36 Jahren: Marco Wölfli (rechts, bei der Einwechslung gegen den FCZ) hütet bei YB für David von Ballmoos das Tor.

Champions-League-Debüt mit 36 Jahren: Marco Wölfli (rechts, bei der Einwechslung gegen den FCZ) hütet bei YB für David von Ballmoos das Tor.

Keystone

Spielen die Young Boys wie eine Altherrenmannschaft? Nein, natürlich nicht, wie am Samstag beim 3:3 gegen den FCZ ja bestens zu sehen war. Als sie in der zweiten Halbzeit ordentlich Dampf machten und hinterher niemand behaupten konnte, die Senioren Hoarau (34) und von Bergen (35) hätten wie Senioren gespielt. Und deshalb musste YB auch nicht zu einer Extra-Pressekonferenz einladen wie jüngst der FC Bayern, um unverschämte Medien und Kritiker in den Senkel zu stellen.

Dabei gäbe es doch auch für die Berner allen Grund, von den gigantischen sportlichen Problemen abzulenken. Gleich drei Mal in Folge sind sie jetzt sieglos geblieben und haben in Turin (0:3), gegen Luzern (2:3) und in Zürich jeweils drei Gegentore kassiert.
YB, die Schiessbude der Nation? Nein, natürlich nicht. Selbst wenn in diesen Spielen zu erkennen war, dass in der Innenverteidigung sowohl Mohamed Camara (ist gegen Valencia gesperrt) wie Sandro Lauper (noch) ziemlich fehleranfällig sind. «Gegen Luzern kassierten wir zwei Gegentore durch ruhende Bälle, was sonst keine Schwäche von uns ist», sagt Trainer Gerardo Seoane, «gegen den FCZ standen wir zwei Mal extrem hoch und wurden in der Phase des Umschaltens kalt erwischt.»

Torflaute bei Valencias Stürmern

Deshalb sich nun aber vor der Angriffswucht des FC Valencia mit den Topangreifern Rodrigo, Gameiro und Batshuayi zu fürchten, wäre übertrieben. Jeder dieser Nationalspieler (Spanien, Frankreich, Belgien) hat es in dieser Saison nur auf ein einziges Törchen gebracht. «Wir sollten uns nicht auf diese Statistik verlassen. Die drei sind hochkarätig», sagt Seoane.

Dass Stammgoalie David von Ballmoos mit einer Kopfverletzung ausfällt und somit Marco Wölfli im Alter von 36 Jahren zum Champions-League-Debüt kommt, wird bei YB nicht als Handicap betrachtet. «Für von Ballmoos tut es mir leid. Andererseits freue ich mich aber, dass Wölfli in diesem Alter noch die Königsklasse erleben darf. Er wird seine positive Energie auf die Mannschaft übertragen und Ruhe ausstrahlen», sagt Seoane.

3.1 Millionen für den Sieg

Dazu kommt der Kunstrasenvorteil, zumal der FC Valencia in der Heimat kein einziges Mal auf Plastik trainiert hat. Gelingt es YB, das Tor reinzuhalten, dann hat es den ersten Champions-League-Punkt, und damit eine Prämie von einer Million Franken, schon mal auf sicher.

Aber Gelb-Schwarz liebäugelt mit einem Sieg (Prämie: 3,1 Millionen Franken) gegen den formschwachen Gegner, der in elf Pflichtspielen lausige sieben Tore erzielt hat. Dafür aber muss bei YB die imposante Torproduktion aus der Super League auch in der Champions League anlaufen. Wie Valencia wartet YB noch auf den ersten Torjubel.

Angesichts der zwei bisherigen Gegner Manchester United (0:3) und Juventus (0:3) ist dies zwar keine Blamage, auf der anderen Seite aber hatte die «Berner Zeitung» vor zwei Wochen recherchiert, dass YB mit 34 Toren in 10 Spielen weltweit das torgefährlichste Team aus allen ersten Ligen sei.

Zwar ist es am Wochenende von Paris Saint-Germain (5:0 gegen Amiens) abgelöst worden, doch eine Equipe wie YB, die in der Meisterschaft in den letzten 42 Partien immer mindestens ein Tor geschossen hat, kann auch in der Champions League Tore schiessen. Erst drei Teilnehmer (Deportiva La Coruña (2004/05), Maccabi Haifa (2009/10), Dinamo Zagreb (2016/17), haben bisher in der Gruppenphase in sechs Spielen den Ball nie im Netz untergebracht.

YB spürt keinen Druck

Verlieren die Young Boys gegen Valencia, sind die Chancen indes gross, dass sie nicht europäisch überwintern. «Deswegen machen wir uns aber überhaupt keinen Druck», sagt Seoane, dessen Wurzeln in Spanien liegen und der als Profi einmal bei La Coruña unter Vertrag stand. «Wir freuen uns auf das Spiel und wollen mit einem perfekten Abend das Bestmögliche herausholen.»