Europa League

NK Osijek im Porträt: Warum die aufstrebenden Kroaten jetzt erst recht an die Sensation glauben

Osijeks neuer Trainer Nenad Bjelica gilt als Mastermind. Auf ihm Ruhen die Hoffnungen des Underdogs.

Osijeks neuer Trainer Nenad Bjelica gilt als Mastermind. Auf ihm Ruhen die Hoffnungen des Underdogs.

In vielerlei Hinsicht sind sich der FC Basel und Europa-League-Quali-Gegner NK Osijek ziemlich ähnlich. Die Hoffnungen der Kroaten ruhen auf dem Star-Trainer, der erst seit kurzem im Amt ist.

Am 4. September 2020 wurde Ivica Kulesevic nach knapp einem Jahr im Amt gefeuert. Der Trainer von NK Osijek holte aus den ersten drei Ligaspielen nur einen Punkt und musste gehen. Von seiner Entlassung soll er zuerst aus den Medien erfahren haben. Journalisten verkündeten ebenfalls, dass der Nachfolger Nenad Bjelica am Folgetag vorgestellt werden sollte.

Am 5. September präsentierte Osijek dann – in Basel würde man sagen, um den Erwartungen der Öffentlichkeit zu entsprechen – tatsächlich Nenad Bjelica. Der 49-Jährige stammt nicht nur ursprünglich aus Osijek. Er hat auch einen erfolgsversprechenderen Leistungsnachweis als Vorgänger Kulesevic. «Er ist der beste Trainer, den Kroatien aktuell zu bieten hat», sagt der kroatische Sportjournalist Izak Ante Sucic. Bjelica wurde zuletzt mit Dinamo Zagreb zweimal kroatischer Meister und Pokalsieger. 2018 scheiterte er in der Qualifikation zur Königsklasse an YB. In der vergangenen Saison machte er es besser. Dinamo schaffte den Sprung in die Gruppenphase und holte gegen Man City, Atalanta Bergamo und Donezk immerhin fünf Punkte. Beim 4:0-Sieg gegen Atalanta überraschte er alle mit der Umstellung auf Dreierkette. Nach dem Sieg wurde Bjelica als Taktikfuchs gefeiert.

Sportchef und Trainer in einer Person

Während der Coronapause wurden Bjelica und sein gesamtes Trainerteam dann trotz Riesenvorsprung in der Tabelle entlassen. Der Grund sollen Differenzen in Sachen Lohnverzicht – auch das kennen wir aus Basel – gewesen sein. Und so war Bjelica im Sommer auf dem Markt und Osijek schlug zu. Wie wichtig dieser Trainercoup für Osijek ist, ist daran zu sehen, dass Bjelica die komplette sportliche Hoheit geniesst. Wie in England üblich waltet er ab sofort als General Manager von Osijek. «Das ist für Kroatien völlig unüblich. Alle schauen gespannt darauf, wie er das macht», sagt Sucic.

Am 8. September muss Sportchef Alen Petrovic nach vier Jahren den Verein verlassen. Dafür steht Kulesevic plötzlich wieder auf der Payroll. Der Ex-Trainer soll Bjelica laut Mitteilung bei der Zusammenstellung des Kaders helfen. «Was er aber genau macht, ist uns allen ein Rätsel», sagt Journalist Sucic. Zusammengefasst: Ein neuer Trainer kommt, der Sportchef geht und der alte Trainer wird so etwas wie ein Sportchef-Assistent. Und das alles in der Woche vor dem richtungsweisenden Spiel in der Europa-League-Qualifikation.

Anders als dem FC Basel, der gegen Saarbrücken 1:5 verlor, gelang den Kroaten am vergangenen Wochenende in der Liga immerhin die Generalprobe. Osijek gewann mit 3:0 gegen Rijeka. Bjelica hat damit im Gegensatz zu FCB-Trainer Ciriaco Sforza schon ein Pflichtspiel und einen Sieg vorzuweisen.

Osijek hat mit der Schweiz gute Erfahrungen gemacht

Wie der FCB will auch Osijek in dieser Saison Meister werden. Der neue Trainer Nenad Bjelica soll dafür das entscheidende Puzzleteil sein. Denn bislang hat der Verein aus der ostkroatischen Stadt zwar viele gute Fussballer wie Davor Suker (u.a. Real Madrid), Jurica Vranjes (u.a. Werder Bremen) oder Danijel Pranjic (u.a. Bayern München) herausgebracht. Doch auf einen Titel wartet der Verein bislang noch. In dieser Hinsicht unterscheiden sich der FCB und NKO dann doch gewaltig. Auch europäisch hat Osijek bislang kaum Stricke zerrissen. 2017 standen die Kroaten nach Siegen gegen Luzern und Eindhoven in den Playoffs zur Europa League. Doch nach diesem Exploit schied man gegen Austria Wien wegen der Auswärtstorregel und einem verschossenen Elfmeter aus.

Gegen den FCB rechnet sich NK Osijek allerdings jetzt etwas aus. Der Verein will mittelfristig nationale Spitze sein und Serienmeister Zagreb fordern. Noch trägt der Verein seine Heimspiele im altehrwürdigen «Stadtgarten» aus. Doch schon 2022 soll ein neues Stadion, das aktuell gebaut wird, bezogen werden. Dank ungarischen Investoren ist das möglich. Doch Sucic weist darauf hin, dass die Abhängigkeit gross ist. «Osijek kann nur machen, was sie machen, solange die Ungarn zahlen. Denn nachhaltig ist das nicht.»

Obwohl der Verein im Sommer seine beiden treffsichersten Stürmer verkauft hat, sind die Osijek-Fans zuversichtlich. «Basel ist Favorit, aber in Osijek glaubt man an die Sensation. Jetzt, da Bjelica Trainer ist, herrscht eine positive Grundstimmung. Die Fans haben das Gefühl, alles sei möglich», sagt Sucic. Er warnt den FCB vor allem vor Peter Bockaj: «Wenn der Flügelstürmer einen guten Tag hat, ist er nicht zu stoppen.» Bockaj sei ein Verrückter, der auch mal betrunken eine Tankstelle kaputt fährt. Doch wenn er motiviert ist, geht von ihm – nach Nenad Bjelica – natürlich die meiste Gefahr aus.

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