Eine Notlüge hier, ein diplomatisches «kein Kommentar dort: Es ist im Milliardenbusiness Fussball gang und gäbe, nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Doch was Niko Kovac in dieser Woche veranstaltete, hat selbst im Fussball Seltenheitswert. Am Freitag bestätigte Bayern München, dass der Trainer von Eintracht Frankfurt zur neuen Saison beim Deutschen Rekordmeister für Jupp Heynckes übernimmt. Kovac unterzeichnete einen Vertrag bis 2021.

«Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr hier in Frankfurt Trainer sein werde», reagierte er unter der Woche noch enerviert auf die Fragen nach einem möglichen Wechsel zum Deutschen Rekordmeister. Auch sein Vorgesetzter, Sportdirektor Fredi Bobic, dementierte heftig. «Ich komme gerade aus dem Flieger aus Dänemark, ich habe keinen Anruf bekommen. Niko redet immer mit mir, aber es sind keine Infos zu mir geflossen.»

Niko Kovac dementiert Abgang zu Bayern München

2,2 Millionen Euro Ablösesumme

Während Bobic in Dänemark die Verpflichtung eines neuen Torhüters abschloss, einigte sich Kovac mit dem Verein, bei dem er von 2001 bis 2003 als Spieler unter Vertrag gestanden war. Zwar hat der Kroate noch einen Vertrag bis 2019, soll aber eine Ausstiegsklausel besitzen. Demnach übwerweisen die Münchner 2,2 Millionen Euro Ablöse für Kovac. Als Drahtzieher gilt Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic, ein Ex-Teamkollege Kovacs.

Der 46-jährige Kovac steht seit März 2016 bei Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie. Sein Team steht fünf Runden vor Schluss überraschend auf Platz 5 der Bundesliga-Tabelle. Zuvor hatte sich Kovac als Trainer der kroatischen Nationalmannschaft erste Sporen als Trainer abverdient. Nach der Absage von Wunschkandidat Thomas Tuchel war er in den letzten Wochen zum Favoriten auf die Nachfolge von Interimstrainer Jupp Heynckes aufgestiegen.

Der eine geht, der andere bleibt: Jupp Heynckes (r.) und Assistent Peter Hermann.

Der eine geht, der andere bleibt: Jupp Heynckes (r.) und Assistent Peter Hermann.

Was passiert mit Lucien Favre?

Gemäss deutschen Medien wird in München bereits am nächsten Umfeld Kovacs gearbeitet. Demzufolge soll dessen jüngerer Bruder Robert (44), der von 2001 bis 2005 ebenfalls bei Bayern spielte und nun in Frankfurt als Assistent arbeitet, ebenfalls nach München wechseln. Den Kovac-Brüdern soll mit Peter Hermann (66) ein erfahrener Co-Trainer zur Seite gestellt werden. Hermann ist derzeit Assistent von Jupp Heynckes und seit 30 Jahren im Geschäft.

Aus dem Rennen ist damit der Schweizer Trainer Lucien Favre, der derzeit noch bei Nizza unter Vertrag steht. Er wird auch bei Borussia Dortmund, seinem Ex-Verein Borussia Mönchengladbach und Arsenal London als Trainer gehandelt. Es gilt als ausgemacht, dass der 60-jährige Romand die Südfranzosen Ende Saison nach zwei Jahren verlässt. Sein Vertrag läuft allerdings noch bis 2019. Doch das ist nur Makulatur. Niko Kovac ist der beste Beweis.

Lucien Favres Zukunft ist weiterhin ungeklärt.

Lucien Favres Zukunft ist weiterhin ungeklärt.