FC Basel

«Nie eine vo uns!!!» – Urs Fischer muss gehen: Der Zürcher bedauert und versteht den Entscheid

Der Trainer des FC Basel, Urs Fischer, beim Trainingsauftakt auf dem Nachwuchs-Campus der Sportanlagen St. Jakob in Basel, am Mittwoch, 4. Januar 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Urs Fischer muss den FC Basel im Sommer verlassen.

Der Trainer des FC Basel, Urs Fischer, beim Trainingsauftakt auf dem Nachwuchs-Campus der Sportanlagen St. Jakob in Basel, am Mittwoch, 4. Januar 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Urs Fischer muss den FC Basel im Sommer verlassen. Der Trainer hatte es in Basel trotz vielen Siegen nicht leicht.

Irgendetwas war anders. Aber was? Als Urs Fischer am Sonntagabend seinen Kommentar zur Leistung seiner Mannschaft abgab, ging er mit dieser ungewohnt hart ins Gericht. So hart, wie noch nie.

War da vielleicht etwas im Busch?

Als der FCB tags darauf das Communiqué mit der Mitteilung verschickte, dass Fischer in der kommenden Saison nicht mehr Trainer von Rotblau sei, wirkte dessen von Frustration geprägter Auftritt am Vorabend plötzlich plausibel. Fischer hatte zu jenem Zeitpunkt längst gewusst, dass seine Zeit im St. Jakob-Park am Ende der Saison abläuft. In der Medienmitteilung liess er sich so zitieren: «Ich war seit Januar über den möglichen Führungswechsel informiert. Ich finde es schade, dass es für uns beim FCB zu Ende geht. Wir durften hier zwei sehr gute Jahre verbringen − damit meine ich nicht nur, dass wir auf dem Platz Titel gewinnen konnten, sondern auch, wie wir neben dem Platz als Team der 1. Mannschaft funktioniert haben. Aber ich kann den Entscheid der designierten neuen sportlichen Führung nachvollziehen, sie will einen Neuanfang.»

«Fischer, nie eine vo uns!!!»

Ob die FCB-Fans dann den neuen Trainer, falls er kein Basler ist, mit demselben Transparent empfangen, wie sie dies im Juni 2015 bei Fischers Ankunft getan hatten? «Fischer, nie eine vo uns!!!» hing am St. Jakob-Park. Auch wenn es das Werk einer Minderheit war und sich die allermeisten Basler offen und ohne Vorurteile gegenüber dem Zürcher zeigten, so muss nach bald zwei Jahren gesagt werden: Fischer ist in Basel nie so richtig warm geworden.

Warum muss Urs Fischer gehen und wer wird sein Nachfolger?

Warum muss Urs Fischer gehen und wer wird sein Nachfolger?

Einschätzungen von Sportchef Etienne Wuillemin.

Obwohl er nicht so elegant wie Vorgänger Paulo Sousa daherkam und an den Pressekonferenzen nicht englisch, sondern «Züritüütsch» sprach. In einem Interview mit der Nordwestschweiz beklagte er sich einmal darüber, dass ihm bisweilen vorgeworfen werde, er sei zu bodenständig. Überhaupt befand sich Fischer zunehmend in einer Abwehrhaltung, er wurde dünnhäutiger und es schien, als wittere er hinter jeder kritischen Frage eine Verschwörung. Dieses Problem hatte er auch schon beim FC Zürich in einer Phase gehabt, als es nicht wunschgemäss gelaufen war. Es ist ihm zu wünschen, dass er sich beim nächsten Job ein dickeres Fell zulegt.

International wenig überzeugend

Denn der 51-Jährige wird gewiss wieder einen solchen finden. Wenn er den Cupfinal gegen Sion gewinnt, werden drei Titel auf seiner Visitenkarte stehen. Und vielleicht gibt es ja sogar noch einen Punkterekord. Das zeigt, dass er nicht alles falsch gemacht hat.

Ins Gewicht fiel, dass er im ersten Jahr die Qualifikation zur Champions League verpasste. Mit einigem Pech bei Schiedsrichterentscheiden. Und nicht so gut war auch, dass der FCB in dieser Saison gegen Rasgrad den Sprung in die Europa League verpasste.

Trainerwechsel beim FC Basel: Die Medienorientierung vom 10. April 2017 in voller Länge.

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Wenn Fischer vorgeworfen wird, die Basler hätten in der Liga zu wenig Spektakel geboten, so ist dies nicht von der Hand zu weisen. Er liess zu oft spielen, wie er es mit dem FC Thun hatte tun müssen: pragmatisch, ganz aufs Resultat bezogen. Was ihm dagegen beeindruckend gut gelungen ist: Obwohl in der Tabelle weit voraus, kehrte nie der Schlendrian ein, gab es kaum einen Ausrutscher gegen einen Kleinen. Diese Qualität, den Erfolgshunger immer hochzuhalten, muss man auch erst haben. Fischer ist kein schlechter Trainer.

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