Es ist nichts als erstaunlich, was beim FC Zürich immer wieder vom Amboss der Talentschmiede im Kader der ersten Mannschaft landet. Nicht weniger als sieben Spieler von jener Elf, die vor vier Wochen in der Europa League gegen Villarreal 3:2 gewonnen hat, sind FCZ-Eigengewächse. Der Jüngste von ihnen: Nico Elvedi, Innenverteidiger und am 30. September gerade mal
18 Jahre alt geworden.

«Gegen einen solchen Gegner spielt man nicht jeden Tag. Ich bin Urs Meier und dem FCZ dankbar, dass sie so stark auf die Jungen setzen», sagt Elvedi. Zum ersten Mal im Europacup für die Startformation nominiert, verbuchte er gleich seinen ersten Assist, als er Yassine Chikhaoui den Ball pfannenfertig zum Siegtor hinlegte. Weil ihm nur drei Tage später in Aarau dann der 1:0-Siegtreffer gelang, sagt er: «Das war schon eine ganz verrückte Woche.» Gut möglich, dass es davon noch einige mehr geben wird. Vielleicht demnächst in Mönchengladbach, wenn Elvedi gegen Raffael spielt. Der frühere FCZ-Stürmer war einst einer seiner absoluten Lieblingsspieler. «Schon als Kind bin ich ein grosser FCZ-Fan gewesen.»

Zwillingsbruder bei Winterthur

In Greifensee aufgewachsen, hat er hier auch mit dem Kicken begonnen, ist dann aber schon bald zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jan von den LetziKids aufgenommen und in den folgenden Jahren vom FCZ kompetent ausgebildet worden. Während sich Jan mit 16 Jahren dem FC Winterthur anschloss, dort aber noch nicht ganz den Sprung in die erste Mannschaft geschafft hat, ist Nico in seiner Entwicklung weiter. «Das hat vor allem damit zu tun, dass ich Jan körperlich immer etwas voraus war», sagt Nico, 1,88 Meter gross. «Aber er holt auf. Ich bin nur noch zwei Zentimeter grösser als er; es sind auch schon mal sechs gewesen.»

Im Januar ist KV-Stift Elvedi ins Kader der ersten Mannschaft des FCZ aufgerückt. Er hat im März seinen ersten Profivertrag unterschrieben und am 15. Mai als zentraler Mittelfeldspieler beim 1:0-Sieg in Lausanne in der Super League debütiert. «Bis zur U18 habe ich meistens auf dieser Position gespielt, dann bin ich nach hinten gerückt und fühle mich da mittlerweile wohler», sagt Elvedi, dessen grosses Vorbild Sergio Ramos von Real Madrid ist. «Sein Spiel nach vorne gefällt mir, auch seine Aggressivität. In dieser Beziehung muss ich noch zulegen.» Aber Elvedi spürt das Vertrauen Meiers und bekommt immer mehr Einsatzzeit. Sein Trainer sagt: «Nico bringt alles mit, was es für eine grosse Zukunft braucht. Nichts bringt ihn aus der Ruhe.» Erinnert er Meier deshalb vielleicht sogar an Ricardo Rodriguez, der vom FC Zürich auszog, um beim VfL Wolfsburg zum Weltklasseverteidiger zu reifen? «Dieser Vergleich ist absolut statthaft», sagt Meier. «Als Ricci so alt war wie jetzt Nico, befand er sich ziemlich genau auf demselben Niveau.»

Das Lob Meiers kommt einem Ritterschlag gleich. Doch der Trainer weiss, dass sein Schützling geerdet genug ist, um damit umzugehen. Dafür sorgt auch Nicos Papa Adrian, der vollamtlich in der FCZ-Academy als Leiter Préformation arbeitet und damit als Fussballprofi weiss, welche Gefahren auf seine Jungs lauern. Dass Nico beim FCZ eine solch tolle Entwicklung nehme, überrasche ihn nicht, sagt der Vater. «Ich konnte sie ja über Jahre hinweg verfolgen. Sein Wandel vom Mittelfeld- zum Abwehrspieler hat dann wohl den entscheidenden Schub ausgelöst», sagt Adrian Elvedi und betrachtet es schon auch als einen kleinen Vorteil für seine Söhne, dass diese mit ihm einen Fussballexperten als Vater haben. «Ich sage ihnen meine Meinung, bin aber nicht verbissen und pushe sie auch nicht ständig.»

Bündner Herkunft

Nico Elvedi – wer denkt, der Name deute auf eine Herkunft vom Balkan hin und Nico werde dereinst wie Ivan Rakitic für Kroatien spielen, der täuscht sich. «Sogar Präsident Ancillo Canepa hat mich mal gefragt, ob wir aus Serbien kämen», sagt Adrian Elvedi. «Dabei kommen wir aus dem Val Lumnezia in Graubünden.» Waschechte Schweizer also sind die Elvedis, und Nico ist sogar Captain der Schweizer U19-Nati. «Das ist eine grosse Ehre für mich», sagt Nico. «Ich habe ihn nicht zum Captain gemacht, weil er ein Lautsprecher ist, sondern sozialkompetent und mit seiner Leistung die Akzeptanz der anderen besitzt», sagt Coach Heinz Moser. Auch er führt Elvedis Ruhe als grossen Pluspunkt auf. «Seine ganz grosse Stärke ist aber das Umschaltspiel von der Defensive in die Offensive.» FCZ-Verteidigerkollege Alain Nef sagt: «Nico ist sehr weit für sein Alter. Er gehört zu jener Sorte von Jungen, die noch zuhören können. Und ist eine ganz positive Erscheinung.