Fussball
Natispieler Fernandes und Mehmedi total überzeugt vom SC Freiburg

Gelson Fernandes und Admir Mehmedi weilen derzeit im Trainingslager mit dem Bundesligisten SC Freiburg. «Der Konkurrenzkampf ist hart, jeder will spielen», sagt Mehmedi. Beide sind vom neuen Klub total überzeugt.

Markus Brütsch, Schruns
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Freuen sich darüber, gemeinsam für den SC Freiburg spielen zu dürfen: Die Nati-Kumpel Gelson Fernandes und Admir Mehmedi.Meinrad schön

Freuen sich darüber, gemeinsam für den SC Freiburg spielen zu dürfen: Die Nati-Kumpel Gelson Fernandes und Admir Mehmedi.Meinrad schön

Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Die Berge erheben sich majestätisch, die Alpweiden sind saftig grün, der Himmel makellos blau und von oben brennt die Sonne gnadenlos auf den Talboden hernieder. Kein Wunder, ist der Run aufs Alpenschwimmbad mit dem Naturbadeteich gross.

Auf der anderen Seite der Strasse wünscht sich so mancher, auch er könnte sich abkühlen. Der Schweiss fliesst bei den Spielern des SC Freiburg in Strömen. Seit vielen Jahren bereiten sich die Breisgauer im Sommer hier im Montafon auf den perfekten Rasenplätzen des FC Schruns auf die Bundesligasaison vor.

Trainer Christian Streich kennt kein Pardon und verlangt den Profis in harten Steigerungsläufen alles ab. Diese beissen auf die Zähne im Wissen, dass heute Mittwoch das Gröbste überstanden ist.

Noch ein letztes Training auf österreichischem Boden, dann die Verschiebung nach Radolfzell zum Testspiel gegen den Verbandsligisten am frühen Abend und schliesslich die Heimfahrt nach Freiburg. Endlich wieder in den eigenen Betten schlafen...

Leben im Hotel

«Leider nicht», sagt Gelson Fernandes, «noch lebe ich im Hotel. Aber in einer Woche kommt meine Familie nach Deutschland und dann ziehen wir in eine Wohnung.» Dasselbe gilt für Admir Mehmedi, der zwei Wochen nach Gelson zum Sportclub gestossen ist.

SC Freiburg: Viele Ab- und Zugänge

Auch wenn der SC Freiburg zuletzt mit dem vom FC Basel geholten Beg Ferati nicht die besten Erfahrungen gemacht hat, setzt er in der am 10. August mit dem Auswärtsspiel in Leverkusen beginnenden Saison mit Admir Mehmedi und Gelson Fernandes auf zwei Schweizer Nationalspieler. Und mit dem Basler Goalietrainer Andreas Kronenberg figuriert gar ein Dritter aus dem Nachbarland im Bundesligateam der Breisgauer. Diese haben unter ihrem Trainer Christian Streich 2012/2013 eine vorzügliche Saison gespielt. Beinahe hätte es ihnen gar noch zu den Qualifikationsspielen zur Champions League gereicht, doch auch mit dem fünften Platz und der Teilnahme an der Europa League haben die Freiburger für Furore gesorgt. Und bei anderen Klubs für Begehrlichkeiten gesorgt. So haben mit Cédric Makiadi (Bremen), Max Kruse (Mönchengladbach), Daniel Caligiuri (Wolfsburg), Johannes Flum und Jan Rosenthal (beide Eintracht Frankfurt) wichtige Spieler den Klub verlassen. Doch die Freiburger haben reagiert und neben Mehmedi und Gelson mit Francis Coquelin (Arsenal), Felix Klaus (Fürth), Vaclav Pilar (Wolfsburg), Mike Hanke (Mönchengladbach) und Abwehrtalent Christopher Jullien (Auxerre) vielversprechende Transfers getätigt.(Br)

Auch wenn das neuntägige Trainingslager hart gewesen ist und die Beine müde, sind die beiden Schweizer happy. Sie haben harte Zeiten hinter sich bei ihren letzten Klubs und freuen sich auf die Bundesliga.

Gelson ist im vergangenen Winter von Sporting Lissabon zu seinem Stammklub FC Sion zurückgekommen, um diesen schon nach ein paar Monaten desillusioniert wieder zu verlassen.

Die seltsamen Vorgänge unter Präsident Christian Constantin, der sportliche Misserfolg und nicht zuletzt die diktatorische Art von «Starspieler» Gennaro Gattuso haben ihn bewogen, das Weite zu suchen.

Dass er nach Stationen in England, Italien, Frankreich und Portugal nun den Weg in die deutsche Bundesliga gefunden hat, ist für den Romand mit kapverdischen Wurzeln ein Traum. «Ich habe mit Djourou gesprochen.

«Er hat gesagt, die Bundesliga sei besser als die Premier League», sagt Gelson. Und lobt die Freiburger dafür, wie sie alles unternommen hätten, damit den neuen Spielern die Integration leichtfällt.»

Mehmedi seinerseits hat sich während anderthalb Jahren beim grossen Dynamo Kiew durchgeschlagen und in dieser Zeit 25 Spiele in der ukrainischen Liga sowie zwei Partien in der Champions League bestritten.

«Das ist gar nicht einmal so schlecht», sagt Mehmedi, «es ist aber für einen jungen Spieler extrem schwer, so weit von seiner Heimat weg sich durchzubeissen.»

Von Dynamo Kiew ausgeliehen

Obwohl sein Vertrag mit Dynamo noch bis 2016 läuft, hat er es mit Überzeugungsarbeit geschafft, dass ihn die Ukrainer für ein Jahr an den SC Freiburg ausleihen.

«Wer in der Deutschschweiz spielt, schaut automatisch viel Bundesliga-Fussball am Fernsehen», sagt Mehmedi, «die Liga hat sich enorm entwickelt, und dass Bayern und Dortmund den Final in der Champions League bestritten haben, ist kein Zufall. Ich freue mich auf die ausverkauften Stadien und eine tolle Saison», sagt Mehmedi.

In Schruns teilt er sich das Zimmer mit dem von Mönchengladbach gekommenen Mike Hanke – ein Indiz vielleicht, dass Trainer Streich vorsieht, die beiden gemeinsam im Angriff des SC auflaufen zu lassen.

«Der Konkurrenzkampf ist hart, jeder will spielen», sagt Mehmedi. «Weil wir in der Europa League dabei sind, haben wir viele Spiele und jeder wird zu seinen Einsatzzeiten kommen.»

Der 22-Jährige schätzt es, dass er bei Freiburg mit Gelson einen Kollegen aus dem Schweizer Nationalteam angetroffen hat. «Das ist ein super Typ», sagt Mehmedi, «ich habe mich mit ihm schon immer gut verstanden.» Der 26-jährige Mittelfeldspieler sagt über Mehmedi: «Er ist ganz einfach ein Klassespieler.»

Nun versuchen die beiden, in der Bundesliga ihrer Karriere neuen Schub zu verleihen. Sie vertrauen dabei auch Trainer Streich, der für beide ein wichtiger Grund gewesen ist, nach Freiburg zu kommen. «Klar ist auch die WM in Brasilien ein Ziel, aber das erreichen wir nur über gute Leistungen im Klub», so Mehmedi.

Und es scheint, als habe der frühere FCZler bereits die Diktion von Streich übernommen, wenn er sagt: «Zuerst müssen wir hier in Freiburg jetzt einmal den Klassenerhalt schaffen, dann sehen wir weiter.»