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Nationalcoach Vladimir Petkovic zur WM-Qualifikation: «Eine Limite setzen wir uns nicht»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic (l.).

Nationaltrainer Vladimir Petkovic (l.).

Vladimir Petkovic ist ein zufriedener Schweizer Trainer, kritisiert aber die Pfiffe gegen seinen Stürmer Haris Seferovic.

Die sichtbaren Emotionen waren spät gekommen beim Nationalcoach. Lange Zeit war er fast stoisch in seiner Coachingzone gestanden, die Hände in den Taschen seines dunklen Regenmantels vergraben. Doch als es in der Schlussphase noch immer 0:0 stand und ein Tor der Nordiren die Verlängerung bedeutet hätte, da wurde Petkovic immer aktiver.

Und als er das Gefühl hatte, sein Team brauche mehr Unterstützung durch das Publikum, drehte er sich um und forderte die Fans mit energischen Gesten dazu auf, mehr Gas zu geben.
Als dann unmittelbar vor dem Ende Ricardo Rodriguez auf der Linie rettete, war es Vladimir Petkovic förmlich anzusehen, wie er litt.

Dann pfiff der Schiedsrichter ab, das 0:0 reichte für die WM-Qualifikation. Petkovic ballte die Fäuste, umarmte seinen Assistenten Antonio Manicone und dann die anderen Staffmitglieder, ehe er in einer Traube jubelnder Schweizer Spieler verschwand. Zwanzig Minuten später schilderte er den Medien, wie er den Abend erlebt hatte.

Wie kaputt sind Sie?

Vladimir Petkovic: Kaputt? Nein, kaputt bin ich nicht. Ich musste ja nicht so viel laufen auf diesem tiefen Terrain.

Aber viel leiden. Wie haben Sie den Moment erlebt, als Ricardo Rodriguez auf der Linie das 0:0 rettete?

Ricardo ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Er hat gegen Nordirland zwei gute Spiele gemacht. Aber er spielt ja nicht umsonst bei der AC Milan. Zuvor hatten wir im Spiel viele gute Chancen.

Weshalb liess sich die Schweiz in der zweiten Halbzeit so sehr zurückdrängen?

Nordirland hat begonnen, Druck zu machen und lange Bälle zu spielen. Vielleicht hat uns etwas die Kraft gefehlt, die mentale Kraft. Ich gratuliere aber den Nordiren für die Leistung in den beiden Spielen. Eine korrekte, professionelle Leistung. Viele haben nach dem 1:0 in Belfast gedacht, es werde einfach in Basel. Ich habe aber immer vor diesem Gegner gewarnt.

Was bedeutet Ihnen diese WM-Qualifikation?

Wir haben zehn von zwölf Spielen gewonnen und einmal Unentschieden gespielt. Das ist eine fantastische Bilanz. Es ist eine Bestätigung für unsere Entwicklung. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Jungs. Damit, was sie geleistet haben. Nicht nur jetzt, sondern in einem langen Prozess. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und die Spieler.

Nennen Sie zwei oder drei Eigenschaften dieser Equipe?

Sie hat einen angeborenen Kampfgeist und den Willen, bis ans Letzte zu gehen. Ich hoffe, sie kann dies beibehalten und bleibt so hungrig. Immer besser sein zu wollen, als der Gegner. Immer zu versuchen, den Gegner zu dominieren. Aber natürlich kann sie sich noch verbessern.

Wo vor allem?

Zum Beispiel, in verschiedenen Systemen zu spielen und konkreter zu werden; nicht nur vor dem Tor.

Beschreiben Sie Ihre Gefühle.

Es ist ein Highlight, wieder an eine Weltmeisterschaft zu reisen. Schon ab morgen werden wir intensiv beginnen, organisatorisch in Richtung Russland zu gucken.

Nach dem Spiel sahen wir einen traurigen Haris Seferovic auf dem Rasen mit Tränen in den Augen. Was sagen Sie dazu?

Da muss ich nicht viele Worte verlieren. Schade. Manche sollten von den nordirischen Fans lernen, die immer hinter ihrem Team standen. Auch, als es nicht so lief in Belfast. Auch wir hatten unsere Fans hinter uns, ich wünsche mir aber, dies wäre während 90 Minuten so.

Seferovic nach seiner verpassten Chance.

Seferovic nach seiner verpassten Chance.

Was wünschen Sie sich bei der WM-Gruppenauslosung am 1. Dezember?

Dass wir nicht gegen Europäer spielen müssen. Das haben wir jetzt genug getan. Aber klar, es sind alle Teams stark, die sich qualifiziert haben. Ich finde sowieso, man sollte nicht über eine Auslosung spekulieren, sondern einfach akzeptieren, was dabei herauskommt.

Die Schweiz ist zum vierten Mal in Folge bei einer WM.

Das ist nicht selbstverständlich. Wir wollen in Russland kompetitiv sein und so weit wie möglich kommen. Jetzt ist es vor allem wichtig, dass wir es geschafft und ein breites Kader haben. Wir haben nun sechs Monate Zeit, etwas aufbauen. Es wird ein sehr harter Konkurrenzkampf.

Was wollen Sie in Russland erreichen?

Etwas, was im Moment unmöglich erscheint. Das grösstmögliche Ziel. Einen Viertelfinal? Einen Halbfinal? Eine Limite setzen wir uns nicht.

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