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Nati-Trainer Petkovic: «Dann ist es heikel, die richtigen Worte zu finden»

Stürmische Zeiten? Nati-Trainer Vladimir Petkovic muss sich vor dem Start der EM-Qualifikation nur vor dem Wetter schützen.

Vier Monate nach dem fulminanten 5:2-Sieg gegen Belgien gilt es für die Schweizer Nationalmannschaft wieder ernst. Am Samstag startet die Schweiz auswärts gegen Georgien in die EM-Qualifikation – Trainer Petkovic warnt vor der Vergangenheit.

Ist die Ruhe trügerisch? Vladimir Petkovic blickt entspannt in die Runde. Es ist Montagnachmittag in einem Hotel in Zürich, für das Schweizer Nationalteam beginnt gerade das nächste Kapitel.

Am Samstag in Georgien steht das erste Spiel in der EM-Qualifikation an. Drei Tage später reist Dänemark in die Schweiz. Etwas mehr als eine halbe Stunde spricht Petkovic über die Lage der Fussballnation.

Bevor am Abend das erste Training ansteht. Es ist sein erster Auftritt in diesem Jahr. «Die Pause war lang – vielleicht etwas zu lang», sagt er. Genau vier Monate sind gestern vergangen, seit der Schweiz beim 5:2 gegen Belgien eine der besten Leistungen in der jüngeren Geschichte gelungen ist.

Qualifikation ist Pflichtaufgabe

Diese Partie hatte Auswirkungen. Nach Monaten der Unruhe und Hektik durften Petkovic und Co. endlich einmal durchatmen. Keine Attacken auf den Nationaltrainer mehr. Keine Polemiken um Rücktritte. Und auch keine unangenehmen Debatten um die Herkunft einzelner Spieler. Dafür die Überzeugung: Ja, wir sind auf dem richtigen Weg!

Dieser Weg führt als Nächstes an die EM 2020. Selten war die Ausgangslage für ein Schweizer Nationalteam vor einer Qualifikation derart klar wie jetzt. Die beiden Besten jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für die EM.

Ohne den Gegnern aus Dänemark, Irland, Georgien und Gibraltar zu nahe zu treten: Es ist eine Pflichtaufgabe für die Schweiz. Das merkt man auch daran, dass der Trainer nur über die einzelnen Spiele spricht, aber die Aufgabe im Grossen – die Qualifikation für die EM – gar nie erwähnt, ausser er wird explizit und mehrfach darauf angesprochen.

«Wir wollen es ohne den Umweg über die Barrage schaffen», sagt er dann. Dafür wäre die Schweiz wegen der Nations League bereits qualifiziert, egal, welchen Rang sie in der EM-Qualifikationsgruppe D belegt.

Es zählt nicht nur das Resultat

Aber im Fokus stehen andere Fragen. Beispielsweise: wie weiter mit Captain Stephan Lichtsteiner? «Er ist dabei, weil er zu den aktuell besten 23 Schweizer Spielern gehört», sagt Petkovic.

Am liebsten hätte er, das Thema gäbe es gar nicht. Aber weil es in der Vergangenheit um Rücktritte immer wieder missliche Töne gab, nicht nur bei Valon Behrami, sondern auch bei früheren Captains wie Gökhan Inler, Alex Frei oder Johann Vogel, sind entsprechende Fragen unvermeidbar. Lichtsteiner bleibt auch Captain dieses Teams. Und er hat intakte Einsatzchancen. Auch weil die Konkurrenz (Lang und Mbabu) nicht übermässig gut in Form ist.

Ein Fragezeichen ist derzeit auch Xherdan Shaqiri. Beim FC Liverpool kam er zuletzt kaum mehr zum Einsatz. «Durchhalten und beissen», lautete Petkovics Ratschlag. Am Montagabend kommt die Nachricht: Für den Moment geht das auch beim Nationalteam nicht. Shaqiri leidet an einer Leistenentzündung. Und fällt darum gegen Georgien und Dänemark aus. Wie Stürmer Haris Seferovic.

Ist die Ruhe trügerisch? Gut möglich. Denn eines ist klar: In den Spielen dieser EM-Qualifikation kann das Nationalteam kaum etwas gewinnen, aber einiges verlieren. Es wird vielfach in erster Linie um die Art und Weise des Auftretens gehen. Mehr jedenfalls als ums nackte Resultat.

«Start in eine Qualifikation ist wegweisend»

In welche Richtung sich das Nationalteam Jahrgang 2019 bewegt, lässt sich erstmals am kommenden Dienstag spätabends beantworten. Dann, wenn die Duelle mit Georgien und Dänemark absolviert sind. Eines ist sich Petkovic jedenfalls bewusst: «Der Start in eine Qualifikation ist wegweisend. Wir haben das im Sommer 2014 erlebt.»

Es war, als Petkovic das Schweizer Traineramt von Ottmar Hitzfeld übernahm. Und zu Beginn in der EM-Qualifikation sowohl gegen England wie auch gegen Slowenien verlor. Darum tönt es wie eine Warnung, wenn er sich an den Beginn seiner Amtszeit erinnert: «Nach zwei Niederlagen zu Beginn ist es schon heikel, die richtigen Worte und den richtigen Schwung zu finden.»

Das Rezept dagegen? Siege. Am liebsten einigermassen überzeugend. «Wir wollen möglichst an die letzte WM-Qualifikation anknüpfen. Denn positive Erlebnisse erzeugen weitere positive Erlebnisse.» Zur Erinnerung: In der Qualifikation für die WM 2018 gewann die Schweiz die ersten neun Spiele allesamt, nur die Partie in Portugal ganz am Ende ging verloren.

Und schliesslich ist im Vorfeld der kommenden Tage auch der eine oder andere Gedanke an den 18. November 2018 erlaubt. An den Abend, als die Schweiz gegen Belgien einen 0:2-Rückstand auf fast wundersame Art und Weise in ein 5:2 verwandelte.

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