Schweiz-England
Nati-Einzelkritik: Note 2 für Mehmedi, Seferovic der Beste, Captain ungenügend

Ein ärgerlicher Start in die EM-Qualifikation. Bei der 0:2-Heimniederlage gegen England überzeugten nur drei Spieler wirklich. Für vier Nati-Kicker gibt es ungenügende Noten. Lesen Sie die Einzelkritik unseres Sportchefs in der Bildergalerie.

Von François Schmid-Bechtel
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Xherdan Shaqiri gegen Englands Fabian Delph.

Xherdan Shaqiri gegen Englands Fabian Delph.

Keystone
Yann Sommer: Note 5 Eine abgeklärte, stilsichere Vorstellung der neuen Nummer 1. Und eine Wahnsinns-Parade gegen Jones’ Kopfball (43.) .
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Stephan Lichtsteiner: Note 4 Grosse Schwierigkeiten in den ersten 20 Minuten. Danach gewann sein Spiel an Präzision. Hätte in der 49. Minute das 1:0 erzielen können.
Johan Djourou: Note 3 Eine Partie mit vielen Abspielfehlern und wenig gewonnen Zweikämpfen. Der Innenverteidiger vom Hamburger SV war ein Sicherheitsrisiko.
Steve von Bergen: Note 3 Auch ihm fehlte die Ausstrahlung des Unüberwindbaren. Hatte zu viel mit sich selbst zu tun, um auch noch den Abwehrchef zu markieren.
Ricardo Rodriguez: Note 4,5 Unaufgeregt und souverän wie gewohnt. Defensiv fehlerlos. Fiel offensiv einzig mit seiner Flanke auf Lichtsteiner (49.) auf.
Gökhan Inler: Note 3 Der Captain auf der Achterbahn. Machte einen grösstenteils souveränen Auftritt mit dem übermütigen Ballverlust vor dem 0:1 kaputt.
Valon Behrami: Note 4,5 Der Duracell-Hase läuft und grätscht und läuft und grätscht und läuft und grätscht. Doch wenn Konstruktives gefordert wird, stösst er an Grenzen.
Granit Xhaka: Note 5 In einer defensiveren Rolle als unter Hitzfeld. Frische Beine, grosse Ballsicherheit, gute Übersicht selbst in hektischen Phasen – es geht aufwärts.
Xherdan Shaqiri: Note 4,5 Defensiv hat er so viel gearbeitet wie sonst bei Bayern München. Aber den Geniestreich ist er uns schuldig geblieben.
Admir Mehmedi: Note 2 Ein schwacher Auftritt. Abgesehen von einem Pass auf Seferovic misslang ihm ziemlich alles. Blieb bis zu einer Auswechslung ein Fremdkörper.
Josip Drmic: Note 4,5 Kam in der 64. Minute für Mehmedi und kurbelte die Offenisve an. War in der 70. Minute schon an Goalie Hart vorbei, scheiterte aber an Cahill.
Haris Seferovic: Note 5 Lange wurde er nur mit hohen, uninspirierten Bällen bedient. Doch Seferovic haderte nicht. Sondern er blieb der bissige Stossstürmer, der den Engländern weh tat und sich stets sehr gut bewegte. Was fehlte, war einzig der Torerfolg. Dass er aber zu drei Chancen kam und zweimal am überragenden Hart scheiterte, spricht für die Leistung des Frankfurt-Stürmers..
Blerim Dzemaili: keine Note Wurde in der 74. Minute für Xhaka eingewechselt. Zu kurz im Einsatz für eine Benotung.

Yann Sommer: Note 5 Eine abgeklärte, stilsichere Vorstellung der neuen Nummer 1. Und eine Wahnsinns-Parade gegen Jones’ Kopfball (43.) .

Keystone

Alles eine Frage des Kopfs

Kommentar von François Schmid-Bechtel

Der erste Auftritt von Vladimir Petkovic als Schweizer Nationaltrainer wird sich nicht in unser Gedächtnis brennen. Was nicht bedeutet, dass die Schweiz beim 0:2 gegen England auf der ganzen Linie enttäuscht hat.

Es war bisweilen eine unterhaltsame Vorstellung der Schweizer. Doch sie offenbarte dieselben Mängel wie schon unter Ottmar Hitzfeld. Diese Mängel sind weniger in den Füssen, als in den Köpfen auszumachen. Denn just, als die Schweizer die Engländer dominierten und zu Chancen kamen, wurden sie ungeduldig und übermütig. Und weil England trotz des Ausscheidens in der WM-Vorrunde kein Fussball-Schwellenland ist, verlor die Schweiz ein Spiel, das sie eigentlich hätte gewinnen sollen.

Ironie der Geschichte: Unter Hitzfeld machte sich das Nationalteam bisweilen kleiner als es tatsächlich ist. Gestern nun stolperte es über seinen Hochmut. Kurz: Es offenbarte einmal mehr seine Unreife. Und das gegen ein Team, das im Durchschnitt eineinhalb Jahre jünger war.

Trotz der Startniederlage in die EM-Qualifikation hat Petkovic und sein Team natürlich weiter Kredit verdient. Selbst wenn es das nächste Spiel in Slowenien nicht gewinnen sollte. Einerseits, weil der frühere YB-Trainer erst wenig Zeit hatte, seine Ideen einzupflanzen. Andererseits, weil der Auftritt der Schweizer in der zweiten Halbzeit phasenweise mutig, spektakulär und begeisternd war. Es ist dem früheren Sozialarbeiter Petkovic durchaus zuzutrauen, den Reifeprozess seiner Mannschaft erfolgreich zu bestreiten.