WM-Vorbereitung

Nati-Camp: Wie vertragen sich Inler und Behrami nach ihrem Streit?

Inler und Behrami: schwierige Zeiten bei Napoli - und in der Nati?

Inler und Behrami: schwierige Zeiten bei Napoli - und in der Nati?

Die «Mission WM» läuft. Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat ihr Trainingscamp in Weggis bezogen. Es sind Tage der Herausforderungen. Zum Beispiel das schwierige Verhältnis zwischen Captain Inler und seinem Teamkollegen bei Napoli Behrami.

Im Kreisel in der Ortsmitte von Weggis prangt bereits gross «Brasilien». Die Trainingsarena steht bereit. Noch sind die aufgebauten Tribünen leer. Ab heute ändert sich das. Ein bisschen weiter unten, direkt am See, liegt das Hotel des Schweizer Trosses. Nach den medizinischen Tests in Magglingen treffen die Spieler ein. Sie schreiben Autogramme und posieren für Fotos. Nur die Sonne ist noch nicht in Hochform. Der Blick auf den Vierwaldstättersee ist etwas diffus.

Hier kommt Shaqiri im Trainingscamp in Weggis an

Hier kommt Shaqiri im Trainingscamp in Weggis an

An diesem idyllischen Ort also schwört sich die Schweizer Nationalmannschaft auf ihre WM-Mission ein. In knapp drei Wochen beginnt sie. Der Achtelfinal soll das erste Ziel sein. «Danach setzen wir uns keine Grenzen mehr», sagt Trainer Ottmar Hitzfeld. Es ist die richtige Einstellung. Und gleichwohl ist in dieser Schweizer Vorrunden-Gruppe mit Frankreich, Ecuador und Honduras alles möglich. Der Optimismus in den Ländern der Konkurrenz ist genauso gross. Mindestens.

Wer zu früh an einen möglichen Achtelfinal gegen Argentinien, oder gar einen möglichen Viertelfinal gegen Deutschland, denkt, begeht einen Fehler. In der letzten Woche verglich Xherdan Shaqiri die Schweiz mit dem aufstrebenden Belgien. Das ist mehr als gewagt. Ein vergleichender Blick auf die beiden Kader genügt für diese Erkenntnis.
Für Trainer Ottmar Hitzfeld ist die WM in Brasilien ein besonderes Turnier. Die zweite WM mit der Schweiz ist der Abschied für den überaus erfolgreichen 65-Jährigen. «Auch ich muss Leistung bringen», sagt er, «danach kann ich nichts mehr korrigieren.» Die Herausforderungen sind tatsächlich gross.

Die Nati-Stars treffen im Trainingscamp in Weggis ein.

Die Nati-Stars treffen im Trainingscamp in Weggis ein.

Unter normalen Umständen stellt sich die Schweiz von selbst auf. Benaglio im Tor. Davor verteidigen Lichtsteiner, Schär, von Bergen und Rodriguez. Captain Inler und Behrami sichern ab. Das Glück in der Offensive liegt in den Füssen von Shaqiri, Stocker und Drmic. Offen ist allenfalls die Position des Spielmachers. Denkbar ist, dass Mehmedi nach seiner guten Saison in Freiburg eine Chance erhält. Dann müsste Xhaka weichen. Nur, wann sind die Umstände schon normal?

Hitzfeld und die Spieler mögen den super Teamgeist noch so loben, die Schweiz ist eine äusserst heterogene Mannschaft. Verschiedene Kulturen und Herkünfte prallen aufeinander. Verschiedene Stärkeklassen und Erfahrungen genauso. Der Trainer muss die verschiedenen Charaktere zu einer Einheit formen. Eine entscheidende Frage ist: Akzeptieren die Ersatzspieler ihre Rolle? Oder reagieren sie beleidigt? Es sind solche Dinge, die für das Gelingen einer WM absolute Voraussetzungen sind.

Das ärgste Problem könnte der Streit zwischen den Neapel-Söldnern werden. Seit Beginn dieser Rückrunde sind Captain Inler und Behrami zerstritten. Grund dafür ist ein Interview von Inlers Berater in einem italienischen Radio. Er sagte, Inler fühle sich an der Seite des neuen Brasilianers Jorginho viel wohler als mit Behrami. Seither sprechen Inler und Behrami kaum mehr miteinander. Die Stimmung soll aber noch viel bedenklicher sein als bisher angenommen. In Italien hört man, dass Inler kurz vor Saisonende Behrami eine Aussprache anbot. Dieser aber ablehnte, weil er das Gefühl hatte, Inler hätte sich viel früher entschuldigen können, nicht erst wenn die Nationalmannschaft naht.

Die Schweiz bestreitet nach dem grossen Umbruch im Juni 2012 ihr erstes grosses Turnier. Im Team herrscht eine flache Hierarchie, mit Benaglio, Lichtsteiner, Inler und Barnetta an der Spitze. Behrami ist der Chef der jungen Kosovaren. Die Leader achten darauf, dass auch das Wort der Jungen Gewicht hat. Sie sollen sich genauso einbezogen fühlen. Aber: Seit dem Umbruch 2012 durchlief die Schweiz noch keine richtige Krise. Wer aber ausser Hitzfeld steht mit Erklärungen bereit, falls der WM-Start nicht nach Wunsch verläuft?

Ein aktuelles Problem sind die vielen Verletzungen zum Saisonende. Natürlich, darüber kann jedes Team klagen. Aber die Häufung bei der Schweiz ist aussergewöhnlich und besorgniserregend. Von den Innenverteidigern hat nur von Bergen verletzungsfrei durchgespielt. Schär, Djourou und Senderos haben gar eine Odyssee von einem Arzt zum anderen hinter sich. Die Frage nach Shaqiri belastet das Nati-Herz so lange, bis wirklich klar ist, dass er bei vollen Kräften ist. Nach drei Muskelverletzungen im selben Bein sind zumindest leichte Zweifel angebracht. Auch Drmic (Sprunggelenk) und Behrami (Zehenverletzung) sind angeschlagen.

In den kommenden zehn Tagen in Weggis, aber vor allem auch danach in Porto Seguro vor Turnierbeginn, müssen sich Spieler und Betreuer auch an die klimatischen Verhältnisse von Brasilien gewöhnen. Trainer Hitzfeld hat beispielsweise am Confed-Cup bei Italien und Spanien ungewöhnlich viele Wadenkrämpfe beobachtet. Den Flüssigkeitsverlust in Manaus bezeichnet er als fünfmal grösser als normal. Sich mit den veränderten Bedingungen beschäftigen, ist wichtig. Aber Jammern zum Voraus wäre fatal. Wer sich den klimatischen Herausforderungen nicht selbstbewusst stellt, wird garantiert scheitern.

2010 in Südafrika konzentrierte sich zu viel auf das Auftakt-Spiel gegen Spanien. Nach dem sehr glücklichen Sieg gegen den späteren Weltmeister schien die Luft draussen. Das Aus überraschte nicht. Nun beginnt die Schweiz gegen Ecuador, den mutmasslich härtesten Widersacher im Kampf um den Achtelfinaleinzug. Das kann ein Vorteil sein. Das kann aber auch Last sein. Denn verlieren darf die Schweiz in ihrem ersten WM-Spiel nicht. Sonst grenzt bereits die «Mission Achtelfinal» an eine «Mission Impossible».

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