Super League
Nassim Ben Khalifa galt als riesiges Talent. Nach schwierigen Jahren ist er nun in St. Gallen durchgestartet

Die Odyssee eines Suchenden: Eine bewegte Karriere, bewegte Tage in St. Gallen, ein bewegter Mensch. Nassim Ben Khalifa strebt noch immer nach Höherem. Auch wenn er sich in St. Gallen einen Stammplatz im Sturm erkämpft hat.

Sébastian Lavoyer
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Nassim Ben Khalifa

Nassim Ben Khalifa

Keystone

Mühsam findet er diese Fragen, die Fragen nach seiner Vergangenheit. Zu oft habe er, Nassim Ben Khalifa, unterdessen 26-jährig, sich schon erklären müssen. Das Hin und Her, das Auf und Ab, die vielen Wechsel, die Zeit ohne Klub. Aber man muss sie einem stellen, der für Grösseres gemacht schien, den man in einem Satz nannte mit einem Cesc Fabregas.

Jetzt spielt Ben Khalifa in St. Gallen. Nach einer Odyssee durch die Schweiz und Europa. GC, Wolfsburg, Nürnberg, YB, wieder GC, Eskisehirspor in der Türkei, vereinslos, Lausanne, St. Gallen – Stationen eines Suchenden.

Mühsame Fragen

Mühsam findet er die Fragen zu seiner Vergangenheit, doch im Verlauf des Gespräches taut er auf, irgendwann meint er: «Manchmal ist Fussball mehr Business als etwas anderes. Du hast vielleicht einen Drei-Jahres-Vertrag, spielst anständig und trainierst gut. Aber du verdienst zu viel für den Verein. Dann will man dich loswerden.»

Das war während seiner Zeit bei GC. Trainer Pierluigi Tami und CEO Manuel Huber haben ihm mitgeteilt, dass sie keinen Platz mehr für ihn haben. Ben Khalifa spricht auch über die Gründe für die vielen Wechsel. Er sei oft ausgeliehen gewesen und deswegen viel unterwegs, habe sich in ungünstigen Momenten verletzt und dann zurückbuchstabieren müssen.

Aufschwung durch Trainer Celestini

Seine Karriere hat wieder Schwung aufgenommen. Grossen Anteil daran trägt Fabio Celestini. Er hat ihn im Herbst 2016 zu Lausanne geholt, nachdem Ben Khalifa, dieses ewige Versprechen, von der Fifa die Freigabe erhielt, den Klub zu wechseln.

Irgendwann nach einem Spiel sagte Celestini zu Ben Khalifa: «Du verteidigst krass, richtig gut. Aber dafür habe ich dich nicht geholt, ich will, dass du Tore schiesst, dein Feuer ins Spiel bringst.»

Der ehemalige Lausanne-Trainer Fabio Celestini forderte von seinem Schützling Nassim Ben Khalifa Tore.

Der ehemalige Lausanne-Trainer Fabio Celestini forderte von seinem Schützling Nassim Ben Khalifa Tore.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Volles Risiko. Wie in Spanien, meint Ben Khalifa. Dort glaube man an sich, wolle den Ball, wolle spielen. Das muss wissen, wer die jüngsten Querelen rund um diesen Ausnahme-Fussballer verstehen will. Für den vor kurzem entlassenen ehemaligen St.-Gallen-Trainer Giorgio Contini arbeitete Ben Khalifa zu wenig defensiv.

«Ich fühle mich bereit»

Als er zu den Ostschweizern stiess, rechnete er mit einem Stammplatz. Contini gab Roman Buess den Vorzug. Jenem Buess, der 2009 beim U17-WM-Titel der Schweiz, als Ben Khalifa den Kommentatoren Lobeshymnen entlockte, Ergänzungsspieler war.

Dann verletzte sich Ben Khalifa, Anriss am Syndesmoseband, zweieinhalb Monate Pause, Vorrundenende, Trainingslager. Der sensible Filigrantechniker spürte plötzlich, dass nichts mehr stimmt. Er stand nicht im Kader im ersten Freundschaftsspiel, spielte knappe zehn Minuten im zweiten. Manchmal wurde er von den taktischen Besprechungen ausgeschlossen.

Die zweite Chance gepackt

«Für mich war klar, dass ich St. Gallen verlasse», sagt er heute .
Er ist geblieben. Auch weil Alain Sutter und Matthias Hüppi übernahmen. «Da wurden die Karten neu gemischt. Contini gab mir eine zweite Chance und die packte ich», sagt Ben Khalifa.

Gegen den FC Basel darf er erstmals von Beginn weg ran, bereitet ein Tor vor und ist seither gesetzt. Sein Vertrag in der Ostschweiz läuft noch bis 2020. Dass er so lange bleibt, scheint zweifelhaft. Denn er hat ein grosses Ziel: Er will dereinst wieder in eine grosse Liga, sagt: «Ich fühle mich bereit, aber es muss immer sehr viel zusammenstimmen, dass es klappt.»