FC Basel

Nach Streller-Auswechslung: Gibts Knatsch zwischen Trainer und Captain?

Dem einen hats nicht gefallen, der andere sah sich dazu gezwungen: Marco Streller und Murat Yakin nach der Auswechslung des Captains.

Dem einen hats nicht gefallen, der andere sah sich dazu gezwungen: Marco Streller und Murat Yakin nach der Auswechslung des Captains.

Die Auswechslung des Captains Marco Streller in der Schlussphase gegen Bukarest gibt auch Tage nach dem Spiel noch zu reden. Trainer Murat Yakin und Streller hatten da das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Der Vorfall ist nicht der erste seiner Art.

Hier Murat Yakin, dort Marco Streller - die zwei Alphatiere beim FC Basel. Trainer Yakin (39), nicht von allen geliebt, aber dank seiner Erfolge respektiert. Captain Streller (32), Publikumsliebling, Integrationsfigur und Idol einer ganzen Stadt. Ihre Meinung hat Gewicht, nach aussen und intern geben sie den Ton an.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Alphatiere nicht immer gleicher Meinung sind und es zwischen ihnen ab und zu kracht. So auch nach dem Champions-League-Spiel in Bukarest (1:1), als sich Trainer und Captain unterschiedlich über die Auswechslung des Captains in der 74. Minute äusserten. Nicht der erste unangenehme Zusammenprall in der laufenden Saison.

20 Minuten nach dem Schlusspfiff in der «Arena Nationala» zu Bukarest: Murat Yakin kommt, sichtbar gezeichnet vom Ausgleichstreffer kurz vor Schluss, an die Pressekonferenz. Bald einmal wird die Auswechslung von Streller zum Thema, und Yakin sagt: «Marco hat nach vier Minuten einen Schlag auf die Wade bekommen, seine Schmerzen wurden danach immer grösser. Die Auswechslung kam von seiner Person aus.» Zudem habe er mit der Herausnahme eines offensiven Spielers die Defensive stabilisieren wollen. Und: «Wir brauchen Marco am Sonntag gegen den FCZ.»

Kurz darauf spricht Streller in der Interviewzone zu den Journalisten. Natürlich habe die Wade geschmerzt, «aber mit dem Adrenalin spielt das keine Rolle. Ich hätte locker zu Ende spielen können und habe kein Zeichen gegeben.» Als er von Yakins Version erfährt, schüttelt er den Kopf und sagt: «Ich muss die Entscheidung des Trainers akzeptieren.»

Nach dem Wechsel der Bruch

Auch am Tag der Rückreise ist die 74. Minute das bestimmende Thema. Streller will nicht mehr gross darüber sprechen. Aber es ist anzunehmen, dass der 32-Jährige die Worte des Trainers nicht fair findet. Yakin erklärt seine taktischen Überlegungen: «Gegen Ende ging nach vorne nicht mehr viel, also habe ich die Abwehr verstärkt. In St. Petersburg und in Tel Aviv ist es aufgegangen, in Bukarest nicht. Aber sowieso finde ich, dass da etwas Banales aufgebauscht wird.»

So nachvollziehbar die Auswechslung in taktischer Hinsicht ist: Dass sie zum Bruch im bereits bröckelnden Basler Gefüge führte, ist nicht von der Hand zu weisen. Der für Streller eingewechselte Mohamed Elneny war nicht der geeignete Spieler, um während der Schlussoffensive von Bukarest offensiv für Entlastung zu sorgen. Matias Delgado oder Giovanni Sio hätten diesbezüglich dem FCB wohl besser getan.

Yakin pro Strellers Verbleib

Gut möglich, dass in Bukarest etwaige Handzeichen falsch gedeutet wurden und die Auswechslung auf einem simplen Missverständnis basierte. Trotzdem dürfte sowohl bei Yakin als auch bei Streller Unverständnis über die Aussagen des anderen hängen bleiben. Zumal der Vorfall nicht der erste seiner Art war. Nach der 0:1-Niederlage gegen Schalke 04 sagte Streller, er habe sich eine offensivere Ausrichtung der Mannschaft erhofft. Auch seine Worte nach dem 0:1 gegen den FCZ - «es stinkt mir langsam» - dürften Yakin wenig gefallen haben. Zudem gilt Streller als Freund der Degen-Zwillinge Philipp und David, die bei Yakin sportlich keine Rolle mehr spielen.

Yakin sagt gestern: «Marco ist nach Spielen jeweils sehr emotional. Wichtig ist, dass wir das nötige Vertrauen zueinander haben.» Dass eine gesunde Basis zwischen Trainer und Captain besteht, zeigt ein Blick auf den Frühling dieses Jahres: Damals setzte sich Yakin dafür ein, dass Strellers Vertrag um zwölf Monate bis 2015 verlängert wurde.
Beide sind erfahren und professionell genug, jetzt nicht den Stab über den anderen zu brechen. Denn auf dem Platz sind die Aussichten für den FCB weiterhin rosig: Ein Sieg im Rückspiel gegen Bukarest (6. November), und Rot-Blau ist wieder voll im Rennen um die Achtelfinals.

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