WM
Nach Glanzparaden gegen Brasilien: So feiert Mexiko seinen neuen Helden

Mit grandiosen Reflexen hielt Guillermo Ochoa Mexiko gegen Brasilien im Spiel und geniesst derweil in seinem Heimatland Heldenstatus. Gekannt haben ihn vorgestern aber noch die Wenigsten.

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Wie Neo im Film Matrix: Ochoa blockte jeden Schuss ab.

Wie Neo im Film Matrix: Ochoa blockte jeden Schuss ab.

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Francisco Guillermo Ochoa Magaña. Hand aufs Herz: Hätten Sie am Dienstag beim Mitagessen gewusst, wem dieser Name gehört? Kaum einer kannte den 28-jährigen Torwart vor seinem Gala-Auftritt gegen Neymar & Co. Mit starken Paraden rettete er seinen Mexikanern ein respektables 0:0 gegen WM-Gastgeber Brasilien. Ochoa wurde zurecht zum Man of the Match gewählt. «Es war die bisher beste Torwartleistung bei dieser WM», sagte sogar der Titan, Oliver Kahn.

Präsident gratulierte auf Twitter

Mit Sprechchören und Hupkonzerten haben tausende Menschen auf den Strassen von México City das 0:0 ihres Nationalteams im WM-Gruppenspiel gegen Brasilien gefeiert. Die grössten Feiern gab es auf Zocalo-Platz und am Denkmal für die Unabhängigkeit auf dem Paseo de La Reforma, wo die Fans zusammenkamen. "México, México", schrie die Menge. Viele trugen Masken mit dem Konterfei der Spieler oder des Trainers der "Tri". Als Helden feierten die Menschen Goalie Guillermo Ochoa, der mit seinen Paraden glänzte. "Er war der grosse Champion, er hat uns mehrmals gerettet. Wir können es mit grossen Gegnern aufnehmen und werden Weltmeister!", rief ein Fan überschwänglich. "Beeindruckend, einfach beeindruckend. Wir sind mehr als glücklich", sagte ein anderer. Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hatte unmittelbar nach der Partie im Estádio Castelão in Fortaleza der Mannschaft und vor allem Torwart Ochoa über Twitter gratuliert. "Was für ein grossartiges Spiel. Sehr gut gespielt. Heute hat Mexiko seine Grösse gezeigt. Bravo!"

Glück bei Elfmeter-Entscheid

Ob der omnipräsente Ochoa aber auch den Elfmeter gehalten hätte, den es nach einem leichten Griff an Linksverteidiger Marcelo kurz vor dem Schlusspfiff im Estadio Castelao hätte geben können, wird nie beantwortet werden. Schuld am ausbleibenden Pfiff des türkischen Schiedsrichters Cuneyt Cakir waren nach Meinung der Brasilianer die heftigen Diskussionen nach dem strittigen Elfmeter im Eröffnungsspiel gegen Kroatien.
«Wenn darüber nicht so viel gesprochen worden wäre, hätte es heute garantiert einen für uns gegeben», sagte Kapitän Thiago Silva angefressen.

Die Schiedsrichter-Entscheidung hatte auch Fußball-Idol Pelé erzürnt. Die erste Halbzeit hatte der 73-Jährige wegen eines Staus nur im Auto-Radio verfolgen können. «Ich habe sehr gelitten», sagte Pelé: «Es gibt eben keine leichten Spiele bei der WM. Aber wir müssen weiter ans Achtelfinale glauben.»

Im Sturm haperte es auch bei den Mexikanern, die den Brasilianern aber wie schon beim überraschenden Sieg im Olympia-Finale 2012 mit Herz und Leidenschaft den Zahn zogen. Vor allem dank der noch gegentorlosen Defensive hat El Tri vor dem Gruppenabschluss gegen Kroatien beste Chancen aufs Achtelfinale. Ochoa sei Dank! "Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Torwart bei einer WM schon mal dasselbe in einem Spiel geleistet hat wie Ochoa gegen Brasilien", schwärmte Coach Herrera.

Gerüchte über Sechsfinger-Hand

Für Guillermo Ochoa ist es bereits die dritte Weltmeisterschaft. Allerdings sass er 2006 in Deutschland wie auch 2010 in Südafrika nur auf der Bank. Nun scheint aber seine Zeit gekommen zu sein. Zum WM-Auftakt gegen Kamerun wurde Ochoa zwar nur wenig gefordert, Turnierfavorit Brasilien brachte er aber zum verzweifeln und hielt seinen Kasten auch im zweitem Spiel rein.

Somit hat Ochoa an der WM gleich viele Male zu Null gespielt wie in der Ligasaison mit Ajaccio. In Frankreichs Ligue 1 kassierte er in 37 Spielen sagenhafte 72 Gegentore. Nicht gerade gute Eigenwerbung vor einer Weltmeisterschaft. Trotzdem erhielt Ochoa das Vertrauen von Nationaltrainer Miguel Herrera und zahlt dieses mit herausragenden Leistungen zurück.

Seit Jahren kursieren skurile Gerüchte über Guillermo Ochoa: Der Keeper habe an einer Hand sechs Finger. Durch dieses Handicap soll er sogar einen Spezialhandschuh tragen. Weiter ist zu lesen, dass Premier-League-Club Fulham Ochoa im Jahre 2010 transferieren wollte, der Wechsel aber scheiterte, weil der englische Fussballverband FA die Sechs-Finger-Hand als Wettbewerbsvorteil eingestuft hatte.

Ochoa hütet das Mexiko-Tor mit der Rückennummer 13, seiner Lieblingszahl. Sein WM-Debüt gab er bekanntlich an einem 13. Wie viel Glück ihm diese Zahl noch bringen wird, bleibt abzuwarten. Seinen Geburtstag feiert Ochoa am 13. Juli. Es ist der Tag, an dem das WM-Finale in Rio de Janeiro ausgetragen wird.

Im Netz wird der Keeper gefeiert. Auf Twitter zum Beispiel wurden schon hunderte Tweets über ihn verfasst. Hier eine Auswahl: