Super League
Nach dem Sieg über den FCZ verspricht FCB-Präsident Burgener einen Transfer

Den schlechten Saisonstart sah FCB-Präsident Bernhard Burgener nicht als Krise. Nur eine Frage bereitet ihm leichte Sorgen: Wer kann Matías Delgado ersetzen und die Captainrolle übernehmen?

Céline Feller
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Dimitri Oberlin sorgte mit seinem Tor für den Sieg gegen den FC Zürich und dafür, dass sein Präsident «überglücklich» ist.

Dimitri Oberlin sorgte mit seinem Tor für den Sieg gegen den FC Zürich und dafür, dass sein Präsident «überglücklich» ist.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Er musste in den vergangenen Tagen viel Kritik einstecken. Weil er Seydou Doumbia und Marc Janko hat ziehen lassen. Weil er Matías Delgado nicht ersetzt hat. Und, weil weder er noch CEO Jean-Paul Brigger sich der Öffentlichkeit stellten, ihren Jung-Trainer und -Sportchef nicht schützten. Auch nicht nach der Pleite in St. Gallen.

Aber all dies prallte an Bernhard Burgener ab. Weil er, wie er nach dem Sieg gegen den FC Zürich erklärt hat, nicht beunruhigt gewesen sei. «Wir hatten einen grossen Umbruch im Sommer. In unserem Geschäft gehört ein grosser Druck vonseiten der Medien auch dazu. Von Fanseite habe ich diesen weniger gespürt. Aber die Fragen, die gestellt wurden, die waren nach der ersten Halbzeit in St. Gallen berechtigt.»

Für ihn habe es fast so gewirkt, als habe die Mannschaft sich zu sehr darauf verlassen, Meister und Ligakrösus zu sein, und sei in der Folge vom Gegner etwas überrascht worden. «Aber Zweifel hatte ich keine. Ich habe gesagt, es braucht auch Zweikampf und Leidenschaft, und das habe ich vor allem jetzt gegen Zürich gesehen.» Die Mannschaft habe alles gegeben und sich eingesetzt. Das mache ihn «überglücklich» und liess ihn bilanzieren: «Der Sieg ist verdient. Das freut mich für Raphi (Wicky, Anm. d. Red.) und alle Spieler.»

Vollstes Vertrauen

Der schlechte Saisonstart sei für ihn keine Krise gewesen. Lausanne und St. Gallen hätten schon zuvor bewiesen, dass sie harte Gegner sind. Daher sei der Begriff Krise zu hoch gegriffen. Vielmehr vergleicht Burgener, der aus dem Film-Business kommt, die Entwicklung mit einer Heldengeschichte: «Rückschläge gehören zu solchen Geschichten dazu. In der Not wächst man zusammen, da kann sich eine Mannschaft formen und Charakter zeigen.»

Ohnehin ist er überzeugt von seinem Trainer – «der nie zur Debatte stand» – und von dem, was in der Mannschaft drin steckt. So lässt er Argumente wie den Verlust von 43 Toren durch den Wegfall Jankos, Doumbias und Delgados nicht gelten, preist im Gegenzug Ricky van Wolfswinkel und Dimitri Oberlin.

All des Lobes zum Trotz weiss Burgener aber auch, dass an einer Stelle Handlungsbedarf besteht: beim Ersatz von Matías Delgado. Sein Rücktritt Ende Juli habe alle überrascht. «Natürlich haben wir gesagt, dass wir das Kader reduzieren wollen, aber ihn wollten wir halten.»

Dass der Captain nicht noch in den verbleibenden drei Wochen bis zur Schliessung des Transferfensters ersetzt worden ist, habe keine finanziellen, sondern andere Gründe gehabt: «Das ist nicht irgend eine Position. Er war Captain und hatte eine Vorbildfunktion. Da kann man nicht einfach irgendjemanden aus dem Hut zaubern. Das muss wohlüberlegt sein.»

Ausserdem wollte er vom Delgado-Ersatz spüren, dass dieser unbedingt nach Basel wolle, so wie dies bei Oberlin und van Wolfswinkel der Fall gewesen sei. «Es muss charakterlich und spielerisch alles passen. Das haben wir in so kurzer Zeit nicht gefunden.»

Der Auftrag sei aber klar da, und er habe vollstes Vertrauen, dass die sportliche Führung um Marco Streller die perfekte Lösung findet. Auch wenn es eine grosse Herausforderung sei, verspricht Burgener: «Im Frühjahr bringen wir einen für Delgado.»

Bis es so weit ist, will er die Entwicklung bis Anfang Dezember beobachten. «Dann wissen wir, wo wir stehen.» Bis dann gelte, dass die Führung Rückgrat beweise, zu ihren Entscheiden im Verwaltungsrat und auf der Trainerposition stehe.

Den drei Niederlagen zum Trotz. «Es sind 36 Spiele, und es wäre nicht gut, wenn ich bei Siegen jeweils in Euphorie verfallen würde und umgekehrt. Man muss sie in Ruhe arbeiten lassen. Das ist wie im Filmgeschäft: Wenn vier Filme nicht gut laufen, dann vielleicht der fünfte.»