Nach der Doppeladler-Affäre fliegt dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) jetzt auch der Doppelbürger-Streit um die Ohren. Die Idee, in der Nationalmannschaft keine Profis mehr auflaufen zu lassen, die über zwei Pässe verfügen, stösst selbst bei der SVP auf Kritik.

Tatsächlich versuchen die Schweizer Fussballfunktionäre schon seit Jahren, Doppelbürger unter Druck zu setzen – mit einer Strafklausel, die sämtliche Talente unterschreiben müssen, die in Auswahlteams speziell gefördert werden und künftig einmal in der Nationalmannschaft spielen könnten.  Darin verpflichten sie sich, später einmal für die Schweiz zu spielen. Wenn sie diese Klausel verletzen, also irgendwann doch lieber für ein anderes Land spielen, wird eine Strafe fällig. Der Spieler oder der neue Nationalverband müssen dann die gesamten Ausbildungskosten zahlen, die ungefähr 25’000 Franken pro Jahr betragen.

Aus rechtlicher Sicht fragwürdig

Juristisch ist die Klausel mindestens fragwürdig. Bislang kam es allerdings noch nie zum Ernstfall – die Klausel liesse sich vor Gericht wohl auch nicht durchsetzen, weil das Obligationenrecht keine solchen Verträge erlaubt. Beim Verband heisst es denn auch, dass es sich dabei vielmehr um ein «Gentlemen’s Agreement» handle.

Es gehe darum, die Spieler moralisch zu binden. Die Debatte um die Doppelbürger ist beim Fussballverband nicht erst seit der WM präsent. Wie eine neue Vereinsbefragung des SFV zeigt, die der SonntagsZeitung in Auszügen vorliegt und in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, haben mittlerweile nur noch 64 von den insgesamt 1440 Schweizer Fussballvereinen keine Mitglieder mit Migrationshintergrund.

Von den 283’000 Aktivmitgliedern haben knapp die Hälfte einen Migrationshintergrund. Laut der Befragung gibt es viele Kleinvereine, die einen Migrantenanteil von mehr als 75 Prozent haben. Jeder fünfte Verein gibt in der Befragung an, dass er sich bei der Integration vom SFV mehr Unterstützung wünscht.