Viel haben wir im Fussball schon gesehen, doch was Schiedsrichter Tony Chapron in der Partie zwischen PSG und Nantes bot, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Doch der Reihe nach.

Alles sieht in der ersten Halbzeit in Nantes nach einem weiteren lockeren PSG-Sieg aus. Nach dem Seitenwechsel tritt Nantes allerdings wie verwandelt auf. Doch das vermeintliche 1:1 gibt Schiri Chapron fälschlicherweise wegen eines Abseits nicht. Die Partie bleibt offen. 

Als kurz vor Schluss Mbappé aufs Nantes-Tor rennt, kommt es beim Mittelkreis zu einem unabsichtlichen Zusammenstoss zwischen Diego Carlos und dem Unparteiischen. Beide fallen zu Boden, doch Schiedsrichter Tony Chapron gibt dem Brasilianer noch einen Tritt mit auf den Weg, zeigt ihm anschliessend die zweite gelbe Karte der Partie und verweist ihn des Feldes. Die Partie geht für Nantes 0:1 verloren, der grösste Verlierer des Spiels ist aber der Schiedsrichter.

Die bizarre Aktion hat für ihn nun ein Nachspiel: Der französische Fussballverband meldet am Montag, Chapron werde bis auf Weiteres suspendiert. Das Spiel zwischen Angers und Troyes, das er am Mittwoch hätte pfeifen sollen, wird ein anderer Schiedsrichter leiten. Ausserdem muss er vor der Disziplinarkommission der Liga antraben.

Chapron anerkannte nach Sichtung der TV-Bilder auch, dass ihn Diego Carlos nicht absichtlich zu Fall gebracht hatte.

«Bin auf dem Rasen ausgeglitten»

Zur Attacke auf den Brasilianer hatte Chapron nach dem Match gesagt, er sei auf dem Rasen ausgeglitten. Und das, obwohl die Absicht, den Spieler zu treffen und wahrscheinlich zu Fall zu bringen, in den TV-Bildern eindeutig und unmissverständlich zu erkennen war.

Nach seinem unverzeihlichen Blackout machte er sich mit dieser Behauptung auch noch in aller Öffentlichkeit lächerlich. Zu einer Entschuldigung gegenüber dem Spieler und gegenüber der Öffentlichkeit konnte sich Chapron, von Beruf Polizist, nicht durchringen. 

Schiri Tony Chapron. (Archiv)

   

Die Reaktionen 

Das für einen Schiedsrichter wohl einmalige Verhalten löste in den französischen Medien und den Social Media einen Wirbel aus, in den sich der englische Star-Experte Gary Lineker alsbald mit einem Kommentar und Smileys einschaltete. Getwittert wurde augenblicklich – in Anlehnung an Chapron – unter dem Hashtag #ChaperonRouge. Chaperon Rouge ist der französische Name für das Rotkäppchen. 

(zap/sda/mwa)