Zuerst die U20-WM in Neuseeland, dann die Frauen-WM in Kanada und schliesslich auch noch die U21-EM in Tschechien: Die Fernsehsender Europas haben in diesen Wochen einiges zu tun, um alle Fussballturniere mit eigener Beteiligung abzudecken. Schade nur, dass deswegen die Liebhaber des lateinamerikanischen Fussballs auf der Strecke bleiben und sich nur mithilfe von Livestreams die Copa America ansehen können.

Allerdings haben diese Bilder noch keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Mannschaften und Spieler liefern vielmehr unrühmliche Geschichten. So, als wollten sie dem skandalösen Inhalt einer Nachricht folgen, die schon vor Turnierbeginn für Aufsehen gesorgt hatte. Erstmals seit 16 Jahren war die Luftverschmutzung in Chile wieder so stark geworden, dass der Anpfiff der Copa infrage gestellt wurde. In einem Land, in dem jedes Jahr 4000 Menschen wegen verdreckter Luft an Herz-Lungen-Erkrankungen sterben.

Top-Stars mit Aussetzern

Vor allem einige hochkarätige Stars produzierten Negativschlagzeilen. Der Chilene Arturo Vidal von Juventus Turin brachte es fertig, zwischen zwei Vorrundenspielen in betrunkenem Zustand einen Autounfall zu bauen, wurde von Trainer Jorge Sampaoli aber wieder aufgestellt, als wäre nichts gewesen. Brasiliens Neymar verlor im Spiel gegen Kolumbien die Nerven, schoss mit dem Ball einen Gegner ab und versuchte dann mit dem Kopf Jeison Murillo zu treffen. Um nach der roten Karte auch noch den Schiedsrichter übel zu beleidigen. Dass Brasilien die Sperre von vier Spielen akzeptierte, ist als Schuldeingeständnis zu verstehen.

Dann war Edinson Cavani an der Reihe. Der Stürmer von Uruguay, dessen Vater vor ein paar Tagen in der Heimat einen Autounfall verursacht hatte und in Haft sitzt, rächte sich im Spiel gegen Chile nach einer Provokation von Gonzalo Jara mit einer Tätlichkeit und flog vom Platz. Nach einem zweiten Feldverweis gegen einen «Uru» kam es zu Rudelbildungen und Jagdszenen. Trainer Oscar Tabarez musste auf die Tribüne. Dass Chiles Goalie Claudio Bravo seinen früheren Klub San Sebastian verklagt, weil dieser ihm noch Geld aus dem Transfer zum FC Barcelona schuldet, ist da nur eine Randnotiz.

Mehr als das ist aber die Meldung des südamerikanischen Verbandes Conmebol, in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Im Zuge der Untersuchungen der US-Justiz von Schmiergeldzahlungen wurden die Konti verschiedener Vermarkungsagenturen blockiert, sodass es derzeit nicht danach aussieht, als könnte der Verband die insgesamt zehn Millionen Dollar für Siegprämien, Unterbringung und Reisen aufbringen.

Die Erlösung für den Sport

So kam es dann in der Nacht zum Freitag fast schon einer Erlösung gleich, als es endlich einmal positive Headlines gab. Mit drei Toren erledigte der Peruaner Paolo Guerrero in Temuco Bolivien im Alleingang. Nach einem Doppelschlag (21./23.) erhöhte der 31-Jährige auf 3:0 (74.), und am Ende reichte den «Inkas» der 3:1-Sieg wie 2011 in Argentinien zum Einzug in den Halbfinal gegen Chile. «Wir haben bewiesen, dass wir es noch weit schaffen können», sagte der Stürmer danach. Mit seinen 24 Toren für Peru fehlen ihm noch zwei, um zu Legende Téofilo Cubillas aufzuschliessen. Der heute 66-Jährige, der 1973 zwölf Partien für den FC Basel absolvierte, hatte die Peruaner 1975 zum bisher letzten Sieg in der Copa geführt.

«Nur wenige haben auf uns gesetzt», triumphierte Guerrero, der mit den Bundesligastürmern Jefferson Farfan und Claudio Pizarro einen respektablen Angriff im Team von Trainer Ricardo Gareca bildet. Auch Guerrero, der in Brasilien für Flamengo spielt, war jahrelang in der Bundesliga unter Vertrag gewesen. In Erinnerung geblieben ist er aber vor allem durch seinen Flaschenwurf gegen einen Zuschauer des HSV und eines der brutalsten Fouls der Bundesligageschichte an der Eckfahne gegen Stuttgarts Goalie Sven Ulreich.

Womit eigentlich der Kreis zur bisherigen Copa 2015 geschlossen wäre.