Unerfüllter Wunsch

Nach acht Champions-League-Spielen zieht FCB-Trainer Raphael Wicky eine beinahe makellose Bilanz

«Ich habe nicht alles verstanden, was er gesagt hat», gibt Raphael Wicky, angesprochen auf den Wortwechsel mit Pep Guardiola, zu.

«Ich habe nicht alles verstanden, was er gesagt hat», gibt Raphael Wicky, angesprochen auf den Wortwechsel mit Pep Guardiola, zu.

Es ist kaum zu glauben. Obwohl der FC Basel am Mittwochabend Manchester City mit 2:1 geschlagen hat, ist Raphael Wicky am Tag danach etwas wehmütig. Denn ein Wunsch, der wurde ihm trotz des brillanten Spiels seiner Mannschaft nicht erfüllt.

«Ich hatte eigentlich gehofft, dass Pep Guardiola und ich uns nach dem Spiel in etwas ruhigerer Atmosphäre noch einmal sehen und uns unterhalten können. Das haben wir schon nach dem Hinspiel in Basel versucht, aber auch dort hat es nicht geklappt», erzählt Wicky.

Die Absicht war da, und mit Citys Fitnesstrainer Lorenzo Buenaventura – während Wickys Zeit bei Atlético Madrid auch sein Fitnesscoach – auch eine Person, die die beiden hätte zusammenführen können. Doch es sollte nicht klappen. So kann Raphael Wicky seine Unterhaltung mit Guardiola nur so zusammenfassen: «Ich habe nicht alles verstanden, was er gleich nach dem Spiel gesagt hat. Ich glaube, es war ‹Alles Gute in der Zukunft› oder etwas Ähnliches.» Wicky schmunzelt, wenn er das erzählt. Denn diese Episode ist die einzige in einer acht Spiele umfassenden Champions-League-Kampagne, die Wünsche offengelassen hat.

Unerklärbar faszinierend

Noch nie zuvor hat der FCB so viele Spiele in einer Champions-League-Gruppenphase gewinnen können (vier), noch nie zuvor hat er so viele Punkte holen können (zwölf) und noch nie zuvor hat er in einem Achtelfinal-Rückspiel auswärts Tore erzielen geschweige denn gewinnen können. Dass dies in diesem schwierigen Jahr, in welchem der Klub im Zeichen des Umbruchs steht, hat gelingen können, liege an verschiedenen Faktoren, wie Wicky erklärt: «Wir sind als Mannschaft gereift. Wir sind als Mannschaft aufgetreten. Und vor allem war es wichtig, dass wir dies auch im ersten dieser acht Spiele, beim 0:3 gegen Manchester United, getan haben. Auch deshalb sind wir damals nicht mit einem katastrophalen Gefühl aus dem Old Trafford abgereist. Und was danach passierte, kann man nicht so einfach erklären. Es hat alles eine unglaubliche Dynamik angenommen.»

Trainer-Neuling: Raphael Wicky.

Trainer-Neuling: Raphael Wicky.

Über alle acht Spiele hinweg konnte Basel seinen Umschalt-Fussball praktizieren und das absolute Maximum aus seinen Möglichkeiten herausholen. Das gilt sowohl für das Kollektiv – das gerade am Mittwoch gegen Manchester City einmal mehr der grosse Trumpf war – als auch für die individuellen Spieler. Einen dabei herauszuheben sei «schwierig und unfair», sagt Wicky, und lässt sich nicht auf eine Lobeshymne auf einen einzelnen seiner Jungs ein.

Doch gerade gegen City wieder gab es eben doch ein paar Akteure, die über sich hinaus gewachsen sind. Zum Beispiel Mohamed Elyounoussi, Torschütze, Assistgeber und bester Basler. Oder Michael Lang, der sich nach seinem Treffer zum 2:1 nun auf die Fahne schreiben kann, beide Manchester-Klubs abgeschossen zu haben. Oder auch Fabian Frei, der beide FCB-Tore eingeleitet hat und der absolute Chef in der Abwehr war. Dass gerade diese drei, allesamt Gesichter der jüngsten FCB-Krise, gegen City überragen, passt in diese Kampagne, in der alles so unerklärbar wie faszinierend ist.

Bester Basler: Mohamed Elyounoussi

Bester Basler: Mohamed Elyounoussi

Erste Krisen-Reflexion

Diese Reise ist mit dem Sensations-Sieg gegen City zu Ende gegangen und damit auch dieses Entkommen aus dem Alltag, wie Michael Lang es vor dem Rückspiel in Manchester bezeichnet hatte. Als Haupterkenntnis streicht Wicky heraus, «dass wir wieder gelernt haben, dass im Fussball vieles möglich ist, wenn man eine intakte Mannschaft hat und als Team auftritt.» Vor allem an Ersterem durfte zuletzt etwas gezweifelt werden, nachdem im Winter erneut umgebaut wurde.

Manchester-Schreck: Michael Lang.

Manchester-Schreck: Michael Lang.

So, dass auch Wicky sagt: «Es war kein kompletter Neuanfang, aber es waren doch relativ viele Wechsel. Nicht nur mit denen die gekommen sind, sondern auch mit denen die weggegangen sind.» Denn auch Spieler, die weniger gespielt haben – wie Dominik Schmid oder Omar Gaber –, hätten alle ihre Rollen gehabt, die jetzt nun einmal neu bekleidet werden müssen. Es sei die Reflexion der letzten Wochen, in denen die Leichtigkeit abhandengekommen war.

Ein Saison-Fazit aber will Wicky vor Ende Mai nicht ziehen. Das tut er nur zur Königsklasse. Es sei eine «unglaublich schöne Erfahrung» gewesen, diese Spiele bestreiten zu können. Und vor allem auch eine, die, so hofft Wicky, ihn als Trainer verändert habe. «In fünf Jahren werde ich wohl noch mal ein anderer sein als jetzt», blickt der 40-Jährige voraus. «Aber nur als Trainer, nicht als Mensch. Diesbezüglich habe ich mich nicht verändert», sagt er und lächelt. Bescheiden und zurückhaltend wie immer, auch nach einer solchen, erneuten Basler Sternstunde auf der ganz grossen europäischen Bühne und einem Abend, der einzig einen kleinen Schönheitsfehler hat.

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