Super League
Nach Aaraus Sieg gegen YB: Der Lausbub Andrist macht grosses Kino

In der ersten halben Stunde fallen im Brügglifeld drei Tore. Für das Highlight sorgt der Ex-Aarauer Steffen mit dem 2:1 für YB (30. Minute). Danach dreht Aaraus Stephan Andrist auf, erzielt zwei Treffer und dreht die Partie zugunsten des Heimteams.

Patrick Haller
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Spektakulär: Steffen trifft zum 2:1 für YB.
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Renato Steffen von YB schiesst das 2:1, neben Kim Jaggy von Aarau.
Fans und Mannschaft feiern im Brügglifeld das 3:2 über YB.
Dante Senger von Aarau prallt in YB Goalie Yvon Mvogo.
Erleichterung nach der späten Wende: Aaraus-Trainer Sven Christ freut sich über das 3:2.
Aarau Trainer Sven Christ jubelt mit seinen Spielern nach dem Sieg.
Bilder vom Spiel FC Aarau - YB
Renato Steffen von YB schiesst das 2:1, und jubelt mit den Fans.
Adrian Nikci von YB bereitet das 1:0 vor gegen Aarau Goalie Joel Mall.
Skeptisch: YB-Trainer Uli Forte.
Freundlich: Aarau-Trainer Sven Christ.

Spektakulär: Steffen trifft zum 2:1 für YB.

Keystone

«Stephan Andrist ist ein positiver Lausbub», sagt Aaraus Trainer Sven Christ. Aber Andrist ist auch das, was man einen Strassenfussballer nennt. Strassenfussballer sind meist wild, unberechenbar und häufig auch inkonstant. Strassenfussballer sind Freestyler. Schwierig, in ein Schema zu pressen und deshalb für die Trainer eine spezielle Herausforderung. «Ich bin froh, dass ich nur einen Spieler dieser Art in der Mannschaft habe. Denn Andrist bedeutet viel Arbeit», sagt Christ.

Widerspruch zum Potenzial
Aber Strassenfussballer haben meist etwas Geniales. Nur ist das nicht immer sichtbar. Wie bei Stephan Andrist. Dass er in 22 Meisterschaftsspielen für Aarau erst zwei Tore erzielt hat, ist ein Widerspruch zu seinem Potenzial. Aber so ist das bei Strassenfussballern. Und deshalb sagt Christ auch: «Andrist muss man immer antreiben.» Aber lange ohne sichtbaren Erfolg. Zwar kam Andrist in jedem Saisonspiel zu mindestens einer hochkarätigen Chance. Doch der Lausbub reüssierte nicht.
Zweifel beschlichen ihn. Immerhin ist Aarau nach dem erfolglosen Engagement in Basel für Andrist so etwas wie die letzte Möglichkeit, die Karriere neu zu lancieren. Aber nach dem Spiel gegen YB war Andrist kein Desperado mehr. Ausgerechnet im Luftduell gegen Nati-Verteidiger Steve von Bergen platzte der Knoten. Der nur 1,76 m grosse Offensivspieler erzielte in der 59. Minute per Kopf das 2:2.

Der Berner Oberländer trifft gegen YB
Und plötzlich war Andrist nicht mehr der zaudernde Irrwisch, sondern der unbekümmerte, geniale Strassenfussballer, der in der 84. Minute mit einer fulminanten Direktabnahme sogar noch den 3:2-Siegtreffer erzielte. «Als Berner Oberländer gegen YB zu treffen, ist schon speziell», sagte der Matchwinner.
Das Problem bei Lausbuben und Strassenfussballern ist: Sie neigen im Erfolg dazu, die Bodenhaftung zu verlieren. Christ meint dazu: «Was auf Aaraus Gassen passiert, kriege ich garantiert mit, auch wenn ich nicht selbst auf die Gasse gehe. Aber eigentlich bin ich zuversichtlich, dass Andrist nun weiter intensiv an sich arbeitet.»
Leistungssteigerung nach der Pause
In der ersten Halbzeit deutete wenig auf grosses Kino irgendeines Aarauers hin. Bedingt durch eine frühe Verwarnung gegen den zentralen Aufbauer Frano Mlinar fehlte den Aarauern die Aggressivität im Mittelfeld. Dazu kamen Stellungsfehler wie jener von Igor Nganga vor dem 0:1 durch Bertone. Oder passive Verteidigungsarbeit von Olivier Jäckle vor dem 1:2 durch Steffen. Dazwischen traf Nganga nach einer perfekten Freistossflanke von Sven Lüscher zum 1:1.

Christ mit Gespür
Doch Christ bewies einmal mehr sein gutes Gespür und wechselte für den gehemmten Mlinar Sandro Wieser ein. Plötzlich war Aarau die Mannschaft mit der grösseren Wasserverdrängung.
Bei YB indes schlich sich einmal mehr der Schlendrian ein. Während die Berner sich in der ersten Halbzeit fünf Chancen erarbeitet haben, kamen sie in der zweiten Halbzeit zu keiner Möglichkeit mehr.

Trainer Uli Forte bedauerte, dass sein Team in der ersten Halbzeit den «Sack nicht zugemacht» hat. Doch von Schlendrian wollte er nichts wissen. Viel eher verwies er darauf, dass seine Mannschaft am Donnerstag ein hartes Spiel (1:3 gegen Sparta Prag) absolviert hatte und mutmasste, die Aarauer hätten am Donnerstag bei einem kühlen Bier die Beine hochgelagert. Der Konter von Christ: «Wir hatten am Donnerstag müde Beine vom Mittwochs-Training. Nein, die Kraft war nicht ausschlaggebend in diesem Spiel. Ich sagte meiner Mannschaft zur Pause: Wer weniger Fehler macht, gewinnt dieses Spiel.» Und YB machte den Fehler, mindestens einen Gang runterzuschalten.

Telegramm

Aarau - Young Boys 3:2 (1:2)
5184 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 20. Bertone (Nikci) 0:1. 28. Nganga (Lüscher) 1:1. 30. Steffen (Afum) 1:2. 59. Andrist (Burki) 2:2. 84. Andrist (Radice) 3:2.
Aarau: Mall; Nganga, Jäckle, Thaler (46. Garat), Jaggy; Burki, Lüscher; Andrist, Mlinar (46. Wieser), Radice; Senger (85. Gygax).
Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, von Bergen, Rochat, Lecjaks (87. Wüthrich); Bertone, Sanogo; Steffen, Kubo, Nikci (65. Costanzo); Afum (65. Hoarau).
Bemerkungen: Aarau ohne Gauracs, Young Boys ohne Bürki, Gerndt, Vitkieviez, Zarate (alle verletzt) und Nuzzolo (gesperrt). 29. Schuss von Kubo ans Lattenkreuz. Verwarnungen: 5. Mlinar. 34. Sanogo. 71. Bertone (alle wegen Fouls).

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