Fussball

Nach 84 Jahren erstmals kein Schweizer Schiri an der WM: «Das tut weh!»

AFV-Präsident Luigi Ponte sieht Bedarf für das Angebot von «SportBird».

AFV-Präsident Luigi Ponte sieht Bedarf für das Angebot von «SportBird».

Für die Fussball-WM in Brasilien ist erstmals seit 1930 (WM in Uruguay) kein Schweizer Referee im Aufgebot. Schiri-Chef Luigi Ponte ärgert sich und kritisiert den Verband ebenso wie das Sicherheitsdenken der Schweizer Schiedsrichter.

Erstmals seit 84 Jahren pfeift kein Schweizer Schiedsrichter an der Fussball-WM. Überrascht Sie das?

Luigi Ponte: Das tut grausam weh! Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Top-Schiedsrichter gehabt, die wir an die WM schicken konnten. Mit dieser Tradition wird nun ausgerechnet an der WM in Brasilien gebrochen, wo das Schweizer Nationalteam sogar noch mit dabei ist. Das zeigt aber auch, dass wir Fehler gemacht haben.

Welche Fehler meinen Sie?

Wir haben uns zu sehr auf unsere Aushängeschilder wie Urs Meier oder Massimo Busacca verlassen, und dabei die Förderung der zweiten Garde vernachlässigt. Wir hatten zwar einige Hoffnungsträger, die sich aber letztlich international nicht durchsetzen konnten.

Busacca ist inzwischen Schiedsrichter-Chef bei der Fifa. Ist das mit ein Grund, warum kein Schweizer berücksichtigt wurde?

Nein, das hat mit Busacca gar nichts zu tun. Wir haben im Moment schlicht niemanden in der Spitzengruppe der europäischen Schiedsrichter. Mit Alain Bieri haben wir immerhin einen Super-League-Referee, der nahe dran ist. Er dürfte für die EM 2016 zum Thema werden.

Was kann der Schweizer Verband unternehmen, um die Schiedsrichter besser zu fördern.

Die Problematik besteht darin, dass wir in der Schweiz keine Profi-Schiedsrichter haben. Alain Bieri ist momentan der einzige, der beim Schweizerischen Fussball-Verband (SFV) angestellt ist. Der SFV will aber nicht mehr Mittel zur Verfügung stellen. Gleichzeitig fehlt in der Schweiz die Bereitschaft der Schiedsrichter, beruflich ganz auf diese Karte zu setzen. Die Schweizer Schiedsrichter wollen Sicherheit und geben ihren Job nicht so schnell auf. Für eine internationale Karriere muss man aber ein gewisses Risiko eingehen – das ist bei den Schiedsrichtern nicht anders als bei den Spielern. Ganz ohne Risiko wird man auch in Ländern wie Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich oder England nicht Profi-Schiedsrichter.

Könnte die Nicht-Berücksichtigung für die WM in Brasilien zu einem Umdenken führen?

Ich denke schon, dass das einigen die Augen geöffnet hat. Wir haben einige junge Hoffnungsträger und werden alles daran setzen, dass wir bald auch bei den Schiedsrichtern wieder auf WM-Niveau sind.

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