Champions League

Nach 4-Tore-Show gegen Real: Ist Lewandowski der neue Messi?

Der Pole zündet gegen die Königlichen ein wahres Feuerwerk, ist von den Madrilenen kaum zu bändigen. Sein Marktwert steigt ins Unermessliche. Ist er schon so weit, um mit Messi und Ronaldo in einem Atemzug genannt werden zu dürfen?

Gewiss, momentan sind dem Polen wohl die beiden Superstars noch eine Nasenlänge voraus. Zumindest was die Scoringwerte anbelangt. Lionel Messi schoss diese Saison bislang wettbewerbsübergreifend 58 Tore, Cristiano Ronaldo 54. Robert Lewandowski steht bei 37 Treffern. Doch in der Champions League Torschützenliste hat der Pole Messi bereits hinter sich gelassen und steht mit 10 Treffern hinter Ronaldo (12) auf Rang 2.

Und wenn man die Leistung in den Champions League Halbfinals zum Massstab nimmt, stellt Dortmunds Torjäger die Superstars aus Spanien komplett in den Schatten. Während sowohl Messi als auch Ronaldo in den bisher wichtigsten Saisonspielen blass blieben und mit ihren Teams Kanterniederlagen einsteckten, zündete die polnische Tormaschine gestern Abend den Turbo. Gleich vier teils herrliche Tore gabs zu bestaunen. Damit schafft der Dortmunder gar ein historisches Novum.

Vier Tore in einem Halbfinale der Königsklasse waren zuvor noch keinem Spieler gelungen. Lewandowski demonstrierte dabei eine Effizienz, Zielstrebigkeit, Abgebrühtheit und Cleverness wie man sie noch selten gesehen hat. Mittlerweile ist der Pole zur absoluten Lebensversicherung der Dortmunder geworden.Dass er einmal so gut werden würde, hätte wohl vor ein paar Jahren kaum einer für möglich gehalten.

Marktwert verachtfacht

Robert Lewandowski hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. 2010 ist er, in Deutschland nahezu unbekannt, für 4,5 Millionen Euro von seinem Heimatverein Lech Posen nach Dortmund gekommen. Der Start des damals 21-jährigen beim BVB war harzig. Der Pole trat kaum in Erscheinung und war im Einmannsturm der Borussia hinter Lucas Barrios bloss die Nummer zwei. Nach einer Verletzung des Paraguayers startete Lewandowski jedoch durch. In nur zwei Jahren hat sich sein Marktwert mehr als verachtfacht, steht momentan bei 37 Millionen – Tendenz stark steigend.

Gejagt von allen Topclubs

Kein Wunder also steht der Borusse bei Topklubs aus ganz Europa zuoberst auf der Einkaufsliste. Lewandowski lehnte es bisher ab, seinen in einem Jahr auslaufenden Vertrag in Dortmund zu verlängern. Will der BVB aus seinem Sturmjuwel finanziell noch profitieren, muss man den Polen im Sommer verkaufen. Interessenten dafür gibts genug: Real Madrid, Chelsea, Manchester City, Manchester United, Arsenal, Juventus Turin - die Vereine stehen Schlange.

Aber als hartnäckigste Bieter gilt – Bayern München. Dortmund will allerdings nach Mario Götze diesen Sommer um keinen Preis einen weiteren Leistungsträger nach München abgeben. Lieber verzichten sie auf viel Geld. «Es ist der explizite Wunsch, dass er bei uns bleibt. Dafür verzichten wir auch auf eine Ablöse. Die Ablösesumme ist sowieso eine völlig untergeordnete Grösse, das interessiert uns überhaupt nicht», sagte gestern nach der Lewa-Gala der BVB-Boss Joachim Watzke zu diesem Thema.

Der Torjäger als Verteidiger

Was Lewandowski als Stürmer so wertvoll macht, ist neben seinen herausragenden Torjägerqualitäten auch das defensive Gewissen. Der Goalgetter ist gleichzeitig der erste BVB-Verteidiger. Seine Laufarbeit macht das Dortmunder Pressing so effektiv, ermöglicht frühe Ballgewinne und ein schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff. Zumindest in dieser Beziehung ist Lewandowski bereits eine Klasse besser als Messi und Ronaldo. Die beiden Weltfussballer sind sich oft zu schade in der Defensive auszuhelfen. Lewandowski nicht. Über 80 Kilometer lief der Pole in der Champions League Gruppenphase. Lionel Messi war gerade mal 53 km unterwegs. Auch dies gehört zu einem Stürmer.

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