Viel ist seither passiert. Shaqiri hat Freundschaft mit Superstar Franck Ribéry geschlossen, sowieso fand er sich im Münchner Starensemble auf Anhieb bestens zurecht. In 20 von 26 Pflichtspielen kam er zum Einsatz, machte vier Tore und gab sieben Vorlagen. Am 5. Dezember erzielte der 1,69 m kleine Shaqiri in der Champions League gegen BATE Borissow gar sein erstes Kopfballtor als Profi. «Es ist optimal gelaufen», sagt der 21-Jährige. Auch der Sportdirektor des deutschen FCB zeigte sich beeindruckt. «Grosses Kompliment», sagt Matthias Sammer zur Entwicklung von Shaqiri, der in München bereits zum Publikumsliebling avanciert ist.

Einer, der Shaqiri im letzten halben Jahr zwar nicht hautnah, aber täglich übers Handy oder übers Internet begleitet hat, ist Arlind Ajeti. Wie «Shaq» stammt auch er aus einer kosovarischen Einwanderfamilie und kickt seit Kindesbeinen im FC Basel. Im Januar 2011 – Shaqiri war da schon zwei Jahre in der ersten Mannschaft – unterschrieb der zwei Jahre jüngere Ajeti seinen ersten Profivertrag. Fast jede Minute, so erzählt er, hätten sie bis zu Shaqiris Abschied aus Basel zusammen verbracht. «Wir sind dicke Kumpels.»

«Shaqiri ist mein Vorbild»

Dementsprechend freut sich der talentierte Innenverteidiger auf das heutige Wiedersehen. «Leider haben wir uns seit dem letzten Spiel von Xherdan in Basel nicht mehr getroffen», sagt Ajeti. «So ist das halt. Er ist mit Bayern viel unterwegs und in einer ganz anderen Welt als wir in Basel.»

Ajeti verfolgt Shaqiris neue Welt am Fernsehen. In der Vorrunde hat er fast jedes Spiel von Bayern gesehen. «Es ist schon speziell, Xherdan inmitten all dieser Weltstars zu sehen», sagt er. Hat sein Freund ins Tor getroffen oder eine schöne Vorlage gegeben, habe das Herz noch schneller geschlagen. «Irgendwie macht es auch stolz, ihm so nahe zu stehen.»

Es liegt auf der Hand, dass Ajeti seinem Kumpel nacheifert. «Er war schon ein Vorbild für mich, als er es beim FCB in die erste Mannschaft geschafft hat», sagt Ajeti. «Wir haben beide bei null angefangen. Er hat es geschafft, hoffentlich gelingt mir das auch.» Noch wartet Ajeti auf den Durchbruch. Auf der Position des Innenverteidigers stehen ihm Aleksandar Dragovic und Fabian Schär vor der Sonne. «Die beiden machen das super. Ich muss im Training alles geben und die Chance nutzen, wenn sie kommt», sagt er. Im Sommer läuft Ajetis Vertrag aus. Wie es bis dahin läuft, entscheidet über seine Zukunft. «Natürlich will ich gerne beim FCB bleiben. Das ist mein Klub.» Leihweise zu wechseln, ist momentan keine Alternative. «Das Trainingsniveau hier ist sehr hoch. Ich mache so oder so Fortschritte.»

Murat Yakins Seitenhieb

Gut möglich, dass Ajeti und Shaqiri heute auf dem Platz aufeinander treffen. Murat Yakin will gegen Bayern alle Feldspieler einsetzen, Shaqiri wird wohl eine Halbzeit lang mitmachen. Auch der Trainer des FC Basel zieht den Hut davor, wie Shaqiri die Aufgabe in München meistert. «Er hat so weitergemacht wie beim FCB. Wenn er weiter geduldig bleibt, stehen ihm alle Türen offen.» Einen kleinen Seitenhieb kann sich Yakin nicht verkneifen. «In den Spielen gegen meine Mannschaften hat er nie eine gute Figur gemacht.» Nur schon diese Aussage wird Xherdan Shaqiri für die heutige Rückkehr in den St. Jakob-Park genügend motivieren.