Super League
Nach 2:1 gegen Sion: Dr FCB isch Schwiizer Maischter!

Ändligg! Der FC Basel ist zum siebten Mal in Serie und zum 19. Mal Schweizer Meister! Ein 2:1 gegen den FC Sion reicht den Baslern, um die Meisterschaft in der 31. Runde für sich zu entscheiden.

Markus Brütsch (Text) und Céline Feller (Liveticker)
Drucken
Teilen
Der FC Basel ist Schweizermeister 2016/2017. Die Spieler lassen sich von den Fans feiern.
17 Bilder
Der FC Basel ist zum siebten Mal in Serie Schweizermeister.
Mit viel Pyrotechnik wird der Meistertitel von den Fans gefeiert.
Mit viel Pyrotechnik wird der Meistertitel von den Fans gefeiert.
FC Basel - FC Sion
Birkir Bjarnason jubelt nach seinem Treffer zum 2:0 gegen den FC Sion.
Birkir Bjarnason jubelt nach seinem Treffer zum 2:0 gegen den FC Sion.
Birkir Bjarnason schiesst das 2:0.
Renato Steffen (hinten) im Duell gegen den Sittener Birama Ndoye.
Zwei Basler gegen einen Sittener.
Wie beim Weitsprung: Breel Embolo (oben) weicht Birama Ndoye aus.
Birkir Bjarnason spielt den Ball.
Delgado jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.
Matias Delgado schiesst das erste Tor für den FCB per Elfmeter.
Breel Embolo (links) gegen Vincent Sierro (rechts).
Adama Traore (links) im Kampf um den Ball gegen den Sittener Ebenezer Assifuah.
Die Muttenzerkurve bot den beiden Mannschaften einen stimmungsvoller Empfang in diese Partie.

Der FC Basel ist Schweizermeister 2016/2017. Die Spieler lassen sich von den Fans feiern.

Keystone

Plötzlich muss Urs Fischer noch einmal zittern. Eigentlich ist ja alles klar gewesen und seine Mannschaft mit einer 2:0-Führung Sekunden vor Schluss dem Ziel ganz nah. Doch dann trifft der Sittener Veroljub Salatic in der Nachspielzeit zum 1:2, und mit einem einzigen weiteren Kick wäre es möglich, dass die starken Walliser noch zum 2:2 kommen und dem FCB in die Meistersuppe spucken.

Nun tigert der Basler Trainer wieder im strömenden Regen in der Coachingzone umher. Das Ding würde doch nicht in letzter Sekunde...? Im Dunst von abgebranntem Feuerwerk vergibt Renato Steffen die Konterchance zum 3:1 und Fischer leidet weiter. Wie lange zum Teufel will dieser Alain Bieri noch nachspielen lassen?

Vaclik bis 2021

Motivationsspritze für den FC Basel schon vor dem Kick-off im St. Jakob-Park: Von der Stadion-Anzeigetafel gibt der tschechische Goalie Tomas Vaclik bekannt, dass er seinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert habe. Der 27-Jährige war im Sommer 2014 von Sparta Prag zum FC Basel gekommen und wurde ein überaus würdiger Nachfolger des zu Borussia Mönchengladbach transferierten Yann Sommer. In 60 Ligaspielen kassierte er lediglich 59 Gegentore zu.

Doch dann hat der Schiedsrichter endlich ein Einsehen, pfeift ab, Fischer steht in seinem klatschnassen Anzug einen Moment bewegungslos da, die Hände in die Hosentaschen vergraben — schliesslich löst sich die Anspannung und der Zürcher fällt seinen Trainerkollegen Markus Hoffmann, Marco Walker und Massimo Colomba in die Arme. Fischer ist soeben zum ersten Mal in seiner langen Profilaufbahn Schweizer Meister geworden.

32 Jahre zuvor hatte der Zürcher seine Spielerkarriere begonnen, es mit 545 Einsätzen für den FC Zürich und den FC St. Gallen in der Nationalliga A zum Rekordspieler, nie aber zu einem Titelgewinn in der Meisterschaft gebracht. Mit dem FCZ war er einmal Cupsieger geworden und hatte als Captain die grosse Geste gezeigt, den Pokal nicht als Erster in die Höhe zu stemmen, sondern an den Präsidenten Sven Hotz weiterzureichen. Eine Episode, die viel aus über den Menschen Urs Fischer. Er ist keiner, der sich in den Mittelpunkt stellt, offen und ehrlich kommuniziert. «Der Urs ist der Urs», hat Präsident Markus Lüthi gesagt, als dieser Trainer beim FC Thun war. «Urs ist authentisch. Man weiss immer, woran man bei ihm ist.»

Itten dagegen wird gleich Meister

Jetzt nach weiteren 186 Spielen als Trainer in der höchsten Spielklasse, ist der 50-Jährige am Ziel angelangt. Nach 731 Partien! Andere wie der junge Cedric Itten, den Fischer in dieser Saison an den Profifussball herangeführt hat, werden gleich in ihrer ersten Spielzeit Champion...

Der Basler Trainer Urs Fischer zeigt beide Daumen nach oben und bedankt sich bei den Fans nach dem Gewinn des 19. Schweizer Meister Titels.

Der Basler Trainer Urs Fischer zeigt beide Daumen nach oben und bedankt sich bei den Fans nach dem Gewinn des 19. Schweizer Meister Titels.

Keystone

Keiner, der Fischer diesen Triumph nicht gönnen würde. «Ich freue mich unglaublich für ihn», sagt Sportdirektor Georg Heitz, «er hat das Team hervorragend gemanagt, war den Spielern gegenüber immer ehrlich und hat ihnen gesagt, was sie besser machen müssen.» Auch Präsident Bernhard Heusler hat nur Lob übrig: «Er hat hervorragende Arbeit geleistet und die Mannschaft darauf eingeschworen, unbedingt diesen siebten Meistertitel zu wollen.»

Alle Skeptiker überzeugt

Fischer selber sagt: «Meistertrainer, das tönt nicht schlecht. Aber es haben viele Leute dazu beigetragen. Ich bin nur ein Teil dieses Ganzen. Der Titel hat mit unserer Konstanz zu tun. Wir sind nie eingebrochen, konnten immer auf Rückschläge sofort reagieren. Meister, das ist eine neue Erfahrung für mich. Das muss ich erst mal verarbeiten. Ich freue mich ungemein, auch wenn man das jetzt so nicht sieht.»

So verlief die FCB-Meistersaison 2015/2016:

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.
19 Bilder
18. Juni 2015: Der FCB verpflichtet nach dem Abgang von Trainer Paulo Sousa Urs Fischer vom FC Thun als neuen Coach. Da Fischer eine FCZ-Legende ist, passt dieser Transfer einigen Fans nicht. Sie hängen am Tag der Bekanntgabe ein Banner mit der Aufschrift "Fischer, nie eine vo uns!!!" auf.
26. Juni 2015: Auf der Suche nach einem Streller-Nachfolger wird der FCB in Australien fündig: Der Österreicher Marc Janko kommt vom Sydney FC. Kann Janko tatsächlich in die grossen Fussstapfen von Pipi Streller steigen? Er kann! Die "Strafraumkobra" schlägt in Basel voll ein und wird schnell zum Publikumsliebling.
30. Juni 2015: Der FCB vermeldet die Rückkehr von Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe soll zur Identifikationsfigur werden, er erhält einen Fünfjahresvertrag.
18. Juli 2015: Das erste Spiel unter Urs Fischer bestreitet der FCB zuhause gegen den FC Vaduz. Zum Saisonauftakt gewinnen die Bebbi 2:0, Matias Delgado führt die Mannschaft als neuer Captain aufs Feld.
25. Juli 2015: Dank dem 2:3-Auswärtserfolg bei den Grasshoppers am zweiten Spieltag übernimmt der FCB erstmals die Tabellenführung. Eine Position, von der er bis zum Ende der Saison nicht mehr verdrängt werden sollte.
25. August 2015: Bittere Enttäuschung für den FCB - durch ein 1:1 im Rückspiel gegen Maccabi Tel Aviv verpasst man die Champions League-Qualifikation und darf "nur" in der Europa League ran.
17. September 2015: Es kommt zur Wiedersehen mit Paulo Sousa. In der Europa League-Gruppenphase spielt der FCB in Florenz und dreht dort einen 0:1-Rückstand in einer verrückten Partie noch in einen 2:1-Sieg.
28. Oktober 2015: Im Cup-Achtelfinal trifft der FC Basel im Regio-Derby auf den SV Muttenz. Auf dem Margelacker wird ein Fussballfest gefeiert, an dessen Ende sich der FCB erwartungsgemäss mit 5:1 durchsetzt.
22. November 2015: In der verschneiten AFG Arena verliert der FCB mit 1:2 gegen St. Gallen. Bereits in der Runde zuvor unterlag man gegen GC. Es ist das einzige mal, dass der FCB in dieser Saison bis zum Titelgewinn zwei Spiele nacheinander verliert.
6. Dezember 2015: Der FC Basel gewinnt in Thun mit 2:0 und ist mit 10 Punkten Vorsprung auf GC Wintermeister.
10. Dezember 2015: Dank dem Auswärtssieg gegen Lech Posen beendet der FCB erstmals überhaupt seine Gruppe in einem europäischen Wettbewerb auf Platz 1.
13. Dezember 2015: Aus ist der Traum vom Double. Dem FCB läuft es bis hierhin in der Meisterschaft zwar hervorragend, doch im Cup scheidet er gegen Pokal-Angstgegner Sion aus - nach Penaltyschiessen.
12. Januar 2016: Von den Young Boys verpflichtet der FCB Renato Steffen. Das stösst vielen Fans sauer auf. Doch Steffen trifft gleich im ersten Spiel und lässt fortan mit guten Leistungen viele Kritiker verstummen.
19. Januar 2016: Das Projekt "Zdravko Kuzmanovic beim FCB" ist gescheitert. Der Rückkehrer konnte die Vorschusslorbeeren nie rechtfertigen. Er verliess den FCB nach nur einem halben Jahr noch während dem Trainingslager in Richtung Udinese.
25. Februar 2016: Das verrückteste Spiel der Saison. Der FCB empfängt Saint-Etienne zum Rückspiel des Europa-League Sechzehntelfinals. Rotblau geht durch Zuffi früh in Führung, kassiert aber in der Nachspielzeit den Ausgleich und wäre ausgeschieden. Doch mit dem letzten Angriff bäumt sich der FCB nochmals auf und trifft durch Zuffi zum 2:1 - Wahnsinn!
17. März 2016: Gegen den starken FC Sevilla ist für den FC Basel die Europa League zu Ende. 0:0 und 0:3 enden die beiden Partien aus Sicht des FCB. Damit wird nichts aus dem Final im eigenen Stadion.
14. April 2016: Eine Machtdemonstration der Basler: Der FCB überfährt den FC St. Gallen auswärts gleich mit 7:0 - der bis dahin höchste Saisonsieg der Bebbi.
30. April 2016: Der FC Basel sichert sich mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Sion den siebten Meistertitel in Serie.

17. Juni 2015: Paulo Sousa verlässt den FC Basel. Nach nur einem Jahr am Rheinknie zieht der Portugiese weiter, er wird Trainer bei der ACF Fiorentina.

KEYSTONE

Es hat zu Beginn seiner Basler Zeit vielleicht den einen oder anderen Skeptiker gegeben, der sich gefragt hat, ob der Sprung vom kleinen FC Thun zum FCB nicht ein zu grosser sei für Fischer. Und fühlten sich später bestätigt, als seine Mannschaft gegen Maccabi Tel Aviv die Qualifikation für die Champions League verpasste und dann auch noch im Cup gegen Sion ausschied.

Doch Fischer ist ruhig geblieben. Von den Pessimisten ist nichts mehr zu vernehmen. Obwohl die Verletzungshexe den FCB nicht verschonte — gestern fehlte neben Degen, Lang, Sporar, Akanji, Janko und Hoegh auch noch Safari und musste Taulant Xhaka schon nach 20 Minuten ersetzt werden — sind die Basler in der Rückrunde noch immer ungeschlagen.

Sie haben gestern gegen Sion nicht ihre beste Leistung gezeigt, haben aber durch ein Penaltytor von Matias Delgado (24.) und den neunten Saisontreffer von Birkir Bjarnason (67.) das gemacht, worauf es im Fussball ankommt: die Tore. Die 32 000 erfolgsverwöhnten Zuschauer sind zufrieden und viele von ihnen haben sich zur Meisterfeier auf den «Barfi» begeben. Stolz, Fan eines Klubs zu sein, der zum 19. Mal Meister geworden ist, jetzt schon zum siebten Mal in Folge.

Dass nach den sieben fetten Meisterjahren der FCB nun abstürzt, wäre eine realitätsfremde Vermutung. Eher wird in sechs Jahren Urs Fischer wie Helmut Benthaus siebenfacher Basler Meistertrainer sein. Fischer und der FCB, der FCB und Fischer, das passt einfach.

Stimmen zum Spiel:

Spiel verpasst? Lesen Sie in unserem Liveticker nach, wie sich der FC Basel den siebten Meistertitel in Serie frühzeitig sicherte:

Aktuelle Nachrichten