FC St. Gallen
«Müssten Meisterschaft abbrechen»

Die Investoren um Dölf Früh wollen den Verein noch eine Woche am Leben halten. Ein Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Gehts schief, verschwindet der FC St. Gallen mitten in der Saison von der Bildfläche.

Michael Küng
Merken
Drucken
Teilen
Gerettet Fans und Spieler können aufschnaufen.
9 Bilder
 Die Fans trugen die Betriebs AG schon vor zwei Wochen zu Grabe - zumindest symbolisch.
Überlebt der FC Sankt Gallen?
AFG Arena Stein des Anstosses ist die komplett verschuldete Betriebs AG AFG Arena.
Challenge League Da war die Welt in Ordnung: Nachdem sie während ihrem Ausflug in die Challenge League alle Rekorde der Liga gebrochen haben, steigen die Espen im letzten Mai wieder in die Super League auf.
Sinnbild Frustriert: Der aus der Serie A zum FC Sankt Gallen gestossene Mario Frick.

Gerettet Fans und Spieler können aufschnaufen.

Keystone

Um 14 Uhr informierten Michael Hüppi, Präsident des FC St. Gallen und Dölf Früh, Vertreter der Investoren, über die Zukunft des

Wie hat sich der Verein in den Schlamassel geritten?

Fest steht: Das intransparente und von allen Seiten kritisierte Konstrukt aus drei verschiedenen Gesellschaften wurde dem Verein von der Politik auf das neue Stadion hin verschrieben.

Der Verwaltungsratspräsident der Betriebs AG AFG Arena nannte in einem Referat Ende August einige Gründe für die Finanzlöcher:

Zusatz-Ausbau
Logen und Sicherheitsvorkehrungen kosteten während dem Stadionbau 11,5 Millionen Franken. Zu kurze Amortisationszeiten belasten die Rechnung mit jährlich 1,8 Millionen Franken.

Höhere Betriebskosten
Sicherheit und öffentlicher Verkehr kosteten den Verein im Espenmoos jährlich 50 000 bis 100 000 Franken. Jetzt sind es rund zwei Millionen Franken pro Jahr.

Abstieg in die Challenge League
Die Finanzstrukturen wurden an die Ansprüche eines Super League Vereins angepasst, mussten aber während einer Saison mit den Einnahmen der Challenge League auskommen.

Zu wenig Business-Seats verkauft
Die teuren Business-Seats seien weniger gut gebucht als erwartet. Das drückt den Zuschauerschnitt nach oben, der für eine Nullrechnung erforderlich ist. Gerade hier wird ersichtlich, wie undurchsichtig der Verein informiert. Denn für eine Nullrechnung wurde ursprünglich ein Zuschauerschnitt von 8000 angegeben. Dieser muss gemäss Sigrist nun aber höher sein, wegen der ungenügend vermarkteten Business-Seats. War er auch: Geschlagene 14 000 Zuschauer hatte der Verein pro Spiel in der Challenge League.

Geplante Projekte nicht umgesetzt
Es sollen mehrere Massnahmen zur Ertragssteigerung geplant gewesen sein, die wegen fehlender Gelder nicht in Angriff genommen werden konnten.

Von der öffentlichen Hand erwarte der Klub nichts oder nur noch sehr wenig. Investor Früh gibt sich enttäuscht über die deutliche Entscheidung des Stadtparlaments, das gestern dem Verein zwei Millionen Franken verwehrte. Damit sinken die Chancen auf ein Minimum, dass Kanton und Banken dem Verein helfen werden.

Auf die Frage eines Journalisten, ob nun Köpfe rollen, reagiert Hüppi zugeknöpft. Nur soviel: Drei Verwaltungsräte seien «dabei». Wer das ist, müsse abgewartet werden.

Immerhin die privaten Investoren bleiben dem Klub treu: Fünf von den benötigten 16 Millionen Franken sind deshalb gesichert. Oder anders ausgedrückt: Der Klub muss noch 11 Millionen Franken auftreiben.

Am 5. November kommt die Stunde der Wahrheit

Der Verein ist derart ernsthaft verschuldet, dass er nur noch mit dem Goodwill seiner Investoren überhaupt weiteratmen kann. Bis am Freitag in einer Woche bleiben die Beatmungsgeräte eingeschaltet. Sind die benötigten Gelder bis dahin nicht zusammen, muss der Verein seine Bilanz deponieren. Früh: «Wenn eine unserer drei Gesellschaften kippt, kippen alle. Sie sind derart ineinander verstrickt». Dann droht dem Verein der Konkurs; der Meisterschaftsbetrieb in der Super League müsste eingestellt werden.