Champions League
Murat Yakin: «Unsere Tore waren ja nicht Zufall»

Eigentlich ist es ein Fall für die Geschichts-Bücher. Erstmals seit 32 Jahren hat ein Schweizer Fussball-Team auswärts in England gewonnen. Trainer Murat Yakin bleibt in der Stunde seines grössten Erfolgs abgeklärt.

Etienne Wuillemin, London
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FCB-Trainer Murat Yakin bleibt nach dem Erfolg über Chelsea abgeklärt.

FCB-Trainer Murat Yakin bleibt nach dem Erfolg über Chelsea abgeklärt.

Keystone

Noch nie hat einem vermeintlichen Schweizer Aussenseiter eine derartige „Durchschnitts-Leistung" (wir kommen später darauf zurück) zum Sieg gegen einen Gegner des Kalibers Chelsea gereicht. Aber einer bleibt im Moment der grössten Stunde seiner Trainer-Karriere ganz ruhig: Murat Yakin. „Was bringt es mir, über die Geschichte zu sprechen", beginnt er, „wenn wir am kommenden Sonntag in Sion nicht gewinnen, ist doch dieser Sieg auch nichts mehr wert."
Nein, hier irrt Yakin. Natürlich darf der FCB den Schwung im nationalen Championat mitnehmen. Natürlich muss er als Trainer dafür sorgen, dass seine Spieler den Boden nicht unter den Füssen verlieren. Trotzdem ist dieser Sieg von nachhaltigem Wert. Selbst wenn die Basler am Ende der Champions-League-Gruppenphase nicht den ersten oder zweiten Platz belegen sollten und den Sprung ins Achtelfinale verpassen - sie haben der Fussballschweiz wieder einmal einen grossen Gefallen getan. Dieser Sieg an der Stamford Bridge trägt dazu bei, die Schweiz als Fussballnation ernster denn je zu nehmen.

Basel bezwingt Chelsea mit 1:0
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Mohamed Salah schiesst ein. Er trifft in die linke Ecke. Es steht 1:1.
Captain Marco Streller schreit sich die Freude aus dem Leib.
Torschütze Streller unten und das ganze Team im Freudentaumel über ihm.
Da schien es für Basel fast aussichtslos zu werden. In der 45. Minute bringt Oscar Chelsea in Führung.
Basels Diaz zieht gegen Chelseas Willian den Kürzeren.
Stocker übersprintet van Ginkel.
Trainer Murat Yakin und sein Captain: Die grosse Freude nach dem grossen Sieg.
Captain Marco Streller freut sich über den Sieg. «Jetzt wissen sie in England, dass wir gefährlich sind».

Basel bezwingt Chelsea mit 1:0

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Zwischen Himmel und Hölle
Yakin nahm den Sieg äusserlich sehr gelassen hin. Wo denn seine Glücksfühle versteckt seien, wird er gefragt. „Innerlich spüre ich schon eine grosse Zufriedenheit", antwortet er, „aber klar, als Spieler darf man schon etwas euphorischer sein."
Natürlich hat auch Yakin die erste Halbzeit nicht ausserordentlich gefallen. Die Abwehr liess sich zu stark zurückdrängen. Nach vorne lief fast nichts, wobei das noch ein gemässigtes Urteil ist. „Aber dann, in der zweiten Halbzeit haben wir begonnen, so richtig Fussball zu spielen", sagte Yakin.
Das mag vielleicht stimmen. Aber eine Einschränkung gilt es trotzdem zu machen. Der FCB schlug dann zu, als Chelsea seine beste Phase hatte. Als der Druck immer grösser wurde. Das 2:0 für das Heimteam nur eine Frage der Zeit schien. Als Oscar zum Beispiel nur die Latte traf. So ist eben Fussball manchmal. Zwei Zentimeter können zwischen Himmel und Hölle entscheiden.

Lob für Delgado
Yakin spürte den Basler Himmel. Er sah plötzlich ein „mutiges" Team. Eines, das plötzlich den Weg nach vorne suchte. „Unsere Tore waren ja nicht Zufall, sondern das Produkt herrlicher Angriffe." Und einer war gewiss nicht unbeteiligt daran: Matias Delgado. Mit seiner Einwechslung prägte Yakin das Spiel massgeblich. Zwei Mal legte der Argentinier auf. Erst via Marco Streller für Mohamed Salah. Dann per Eckball für Streller. „Die Kritik an ihm war unberechtigt", sagt Yakin. „Wir sehen jeden Tag, wie viele Akzente er noch setzen kann. Wie er immer anspielbar ist. Wie er den Teamkollegen Möglichkeiten zur Entfaltung gibt. Die 90 Minuten im Cup am letzten Wochenende waren entscheidend, um nun gegen Chelsea bereit zu sein."
Als Yakin in die Londoner Nacht entschwand, tat er dies mit einem Strahlen, das mehr aussagte als sämtliche Worte zuvor. Eines aber erwähnte er dann doch noch: „Es gibt im Fussball Momente, in denen man zupacken muss. Für mich war dieses Spiel so ein Moment. Das erste in der Champions League - und erst noch gegen José Mourinho. Trotzdem ist es in solchen Momenten auch wichtig, bescheiden zu bleiben. Es ist ein Spiel, mehr nicht."

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