Fussball
Murat Yakin ist frei – aber noch nicht auf dem Markt

Platz 6 in der abgelaufenen Saison – das ist eine ernüchternde Bilanz für Spartak Moskau und seinen Trainer Murat Yakin. Er musste gehen.

François Schmid-Bechtel
Drucken
Teilen
Murat Yakin kehrt aus Russland zurück.

Murat Yakin kehrt aus Russland zurück.

KEYSTONE

Auch wenn Zenit St. Petersburg seit Jahren als Krösus des russischen Fussballs gilt, entsprechen diese Platzierung und das Verpassen der Europacup-Plätze nicht dem Selbstverständnis von Spartak. Schliesslich handelt es sich um den populärsten Klub Russlands.

Natürlich spielen auch sportliche Gründe bei der Trennung zwischen Yakin und Spartak eine Rolle. Aber nicht nur. «Ich habe in vielen Gesprächen verstanden, dass der Verein eher eine andere Strategie verfolgt», sagt Yakin «Diesen Plänen wollte ich nicht im Weg stehen. Ich bin aber überzeugt, dass es in einer zweiten Saison besser gelaufen wäre.» Kurz: Yakin und sein Arbeitgeber hatten unterschiedliche Auffassungen punkto sportlicher Ausrichtung. Und dass die Lebensumstände in Moskau speziell sind, erhöhte Yakins Kompromissbereitschaft nicht.

Der frühere FCB-Trainer wird nun am Sonntag oder Montag in die Schweiz zu seiner Frau Anja und seiner sechs Monate alten Tochter Kira-Victoria zurückkehren. Und vorerst mal Ferien machen. Yakin ist zwar momentan vertragslos, will aber nach neun Jahren, in denen er ohne Unterbruch als Trainer gearbeitet hat, nicht umgehend einen neuen Job annehmen. Der 40-Jährige will sich Zeit für die Familie und die Reflexion nehmen. Aus diesem Grund soll er auch Angebote aus England (West Ham, Sunderland) abgelehnt haben, wie gerüchteweise kolportiert wird. Wie lange seine Auszeit dauern soll, lässt Yakin offen.

Nun, was hinterlässt Yakin in Russland? Eine Mannschaft, die dringende Veränderungen braucht. Aber auch junge, russische Spieler, die Yakin weiterentwickelt hat. Andrej Fedun, VR-Mitglied und Bruder des unfassbar reichen SpartakEigners Leonid Fedun, sagt: «Murat Yakin konnte kaum Einfluss auf die Transferpolitik nehmen und nur einen Spieler verpflichten. So hat es jeder Trainer schwer. Von jenen Spielern, die ihm zur Verfügung standen, bringen nur wenige eine professionelle Einstellung mit. Unter diesen Umständen hat Yakin insbesondere in den Stadtderbys gute Resultate erzielt.»

Offensichtlich ist, dass Yakin als Trainer ein Entwickler ist. Er hat Thun in die Super League, Luzern in den Cupfinal geführt. Und er hat auch in Basel einzelne Spieler wie Fabian Schär und Fabian Frei weitergebracht. Aber offenbar will man bei Spartak Moskau für die kommende Saison eher einen Verwalter als einen Konzept-Trainer.

Aktuelle Nachrichten