Champions League
Money, Money, Monaco: Der Klub, mit 8,5 Milliarden Dollars im Rücken

Die Mannschaft von der Côte d’Azur ist wieder ein europäisches Topteam und gegen die Young Boys der klare Favorit. Nicht nur, wegen ihrem schwerreichen Präsidenten Dimitri Rybolowlew.

Von Markus Brütsch
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Blick auf das Fürstentum Monaco mit dem Stade Louis II. (rechts), das zum Stadtteil Fontvieille gehört. Dieser wurde durch Landaufschüttung dem Meer abgerungen.

Blick auf das Fürstentum Monaco mit dem Stade Louis II. (rechts), das zum Stadtteil Fontvieille gehört. Dieser wurde durch Landaufschüttung dem Meer abgerungen.

Imago

Zuletzt sind die Monegassen ganz schön ins Rollen gekommen. Mit 5:1 haben sie am vergangenen Mittwoch in Meyrin gegen den Bundesligaklub Mainz 05 die Hauptprobe für die beiden Spiele gegen YB gewonnen. Zuvor hatten sie dem PSG ein 0:0 abgetrotzt und die Queens Park Rangers sowie Eindhoven geschlagen.

Doch es sind natürlich nur zu einem kleinen Teil die Ergebnisse aus den letzten vier Vorbereitungspartien, welche erwarten lassen, dass in den Drittrundenspielen der Champions-League-Qualifikation eine Herkulesaufgabe auf die Young Boys zukommt.

Mit der AS Monaco haben die Berner ein richtiges Schwergewicht des europäischen Spitzenfussballs vor der Brust, das dank einer starken Rückrunde die Ligue 1 in der letzten Saison auf Rang 3 abschloss. Die gute Entwicklung unter dem portugiesischen Trainer Leonardo Jardim war auch in der Champions League ersichtlich, in der Monaco in den Achtelfinals Arsenal eliminiert hatte und dann in den Viertelfinals vor allem deswegen an Juventus scheiterte, weil es vom Schiedsrichter benachteiligt wurde.

YB-Chefscout Stéphane Chapuisat hat die leicht modifizierte Equipe beobachtet und sagt: «Monaco verfügt über viele starke junge Spieler, ergänzt mit bestandenen Routiniers. Die Offensivspieler besitzen grosse individuelle Klasse und greifen sehr variantenreich an.»

Immerhin acht der Akteure, die in einer der beiden Partien gegen die Juve in der Startformation standen, sind gestern mit nach Bern gereist. Danijel Subasic ist der Stammgoalie der kroatischen Nationalmannschaft; Ricardo Carvalho ist zwar schon 37 Jahre alt, doch in der Abwehr derart stabil, dass sein Vertrag um ein Jahr verlängert wurde; Aufbauer João Moutinho hat 78 Länderspiele für Portugal bestritten und wird von Arsenal umworben; Jérémy Toulalan zählt im defensiven Mittelfeld zu den Besten seines Fachs; und vorne wirbelt mit Anthony Martial ein Stürmer, der zwar erst 19 Jahre alt ist, in der letzten Saison aber mit neun Treffern Monacos bester Torschütze wurde. Der tunesische Nationalspieler Aymen Abdennour indes ist zu Hause geblieben, er wird von Barça und Milan umworben.

Den Verein verlassen hat Geoffrey Kondogbia. Er ist für 30 Millionen Euro zu Inter Mailand gegangen. Yannick Ferreira Carrascos Transfer zu Atlético Madrid hat 20 eingebracht und jener von Lucas Ocampos zu Marseille 7,5 Millionen. Der schillerndste Zuzug ist gewiss jener von Stephan El Shaarawy. Der ägyptisch-italienische Doppelbürger wurde von Milan ausgeliehen. Daneben wurden junge, hungrige Akteure wie Adama Traoré – der Malier war bei der U20-WM der beste Spieler – verpflichtet, was einer gänzlich neuen Philosophie gleichkommt.

Wurde nämlich im Sommer 2013 noch geklotzt und gekleckert, was das Zeug hielt – für 150 Millionen Euro kamen Falcao, James Rodriguez, Moutinho und Kondogbia in den zweitkleinsten, seit 1489 von Frankreich unabhängigen, Staat der Erde, so werden kaum noch hohe Transfersummen ausgegeben.

Dass sämtliche Kaderspieler Legionäre sind und der Zuschauerschnitt bei lediglich 7812 liegt, ist angesichts der nur 37 000 Menschen, die in Monaco leben, keine Überraschung. «Wir setzen vor allem auf Spieler aus der eigenen Akademie und junge Talente, die wir sorgfältig gescoutet haben», sagt Vadim Vasilyew, der Vizepräsident und Stellvertreter von Präsident Dmitri Rybolowlew.

Letzterer hatte Ende Dezember 66,67 Prozent der Aktien des Vereins gekauft. Angeworben von Staatsoberhaupt Fürst Albert II., der zu den glühendsten Anhängern der AS Monaco zählt und sich grosse Sorgen um den Verein gemacht hatte.

Nach 34 Jahren war der siebenfache Meister, fünffache Cupsieger und Champions-League-Finalist von 2004 (0:3 gegen Mourinhos FC Porto) in die Ligue 2 abgestiegen und drohte gar noch tiefer zu fallen. Rybolowlew soll sich jedoch verpflichtet haben, innerhalb von vier Jahren mindestens 100 Millionen Euro in den Verein zu investieren. 2013 glückte dann auch unter Trainer Claudo Ranieri die Rückkehr ins Oberhaus.

100 Millionen sind allerdings ein Klacks für einen Mann, der gemäss «Forbes» mit einem Vermögen von 8,5 Milliarden US-Dollar die Nummer 156 in der Rangliste der reichsten Menschen ist und der seiner Tochter Jekaterina für 88 Millionen Dollar das teuerste Appartement in der Geschichte New Yorks gekauft hat.

Rybolowlew der sein Vermögen als Monopolist im russischen Kunstdüngerhandel und mit Goldminen gemacht hat, ist jedoch nicht unbescholten. Er war in seiner Heimat als Auftraggeber für einen Mord an einem Konkurrenten schuldig gesprochen worden und sass elf Monate im Gefängnis, bis ein Zeuge die Aussage widerrief.

Dass die Monegassen bei ihrer Klubphilosophie einen Paradigmenwechsel vollzogen haben, hat verschiedene Gründe. Zum einen wurden sie von der Uefa sanktioniert, weil sie die Regeln des Financial Fairplays nicht einhielten. So dürfen sie im Europacup nur 22 statt 25 Spieler melden, was zur Folge hat, dass der von Benfica verpflichtete Helder Costa nicht im Aufgebot für das Spiel gegen YB figuriert. Zum andern wird im Fürstentum auch erzählt, dass Rybolowlew aus Ärger, dass ihm der monegassische Pass verweigert wird, nicht mehr investitionsfreudig sei.

Möglicherweise aber bewegen ihn nun zwei zu seinen Gunsten ausgefallene Gerichtsentscheide zum erneuten Umdenken. Nachdem der 48-Jährige im Rahmen seiner Scheidung von Ehefrau Jelena zu einer Zahlung von 4,5 Milliarden Euro verdonnert worden war, ging Rybolowlew in die Berufung. Mit Erfolg: Er muss nur noch 584 Millionen überweisen.

Und vor ein paar Wochen hatte der Geschäftsmann, der auch den zypriotischen Pass besitzt, gleich noch einmal ein Erfolgserlebnis. Weil die AS Monaco Gastrecht in der Ligue 1 geniesst, im Gegensatz zu den französischen Klubs aber grosse Steuerprivilegien geniesst, hatten diese von den Monegassen Ausgleichszahlungen verlangt.

Zwar stimmte Monaco vor einem Jahr einem Kompromiss zu und überwies in zwei Raten 50 Millionen Euro an die übrigen Klubs. Doch nun hat das französische Bundesverwaltungsgericht eine Klage von sieben Klubs, die noch mehr Geld von Monaco wollten, abgewiesen und sogar entschieden, dass die 50 Millionen bis Ende Oktober zurückzuzahlen seien. Der Sonderstatus der AS Monate bleibt damit bestehen.

Wie auch dessen Favoritenrolle gegen YB. «Wir wissen, dass YB spielerisch einiges draufhat», sagte Captain Toulalan gestern vor dem Abschlusstraining. «Wir wollen die magischen Momente der Champions League aber wieder erleben und geben alles, damit wir wieder dabei sind.»

Young Boys vs. AS Monaco, heute 20.15 Uhr SRF2

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