Fussball

Mittel gegen Mittelmass: Inter will zurück zum Glanz alter Tage

Mit breiter Brust wird Xherdan Shaqiri seinem neuen Arbeitgeber begegnen.

Mit breiter Brust wird Xherdan Shaqiri seinem neuen Arbeitgeber begegnen.

Mit den Transfers von Xherdan Shaqiri und Lukas Podolski will der indonesische Besitzer Erick Thohir endlich ein Zeichen setzen: Inter Mailand soll wieder eine Top-Adresse im europäischen Fussball werden.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass neuverpflichtete Fussballer an den Mailänder Flughäfen Linate und Malpensa Hunderte von Inter-Tifosi in Ekstase versetzt hatten. Nun kam letzte Woche mit Xherdan Shaqiri und Lukas Podolski gleich ein Duo in den Genuss südländischer Massenbegeisterungsstürme. Den 121-fachen deutschen Nationalspieler kennen die italienischen Zuschauer aus den zahlreichen Länderspielvergleichen der beiden vierfachen Weltmeister, Shaqiri spätestens seit seinem Hattrick gegen Honduras an der letzten WM. Der Freudentaumel weckt aber auch Begehrlichkeiten. Die beiden Linksfüsse sollen die Mailänder Offensive befeuern und als Flügelzangen in einem 4-2-3-1-System den argentinischen Strafraumstürmer Mauro Icardi mit Vorlagen füttern. Frischen Wind kann der 18-fache italienische Meister dringend brauchen, möchte er sich aus dem Tabellenniemandsland (Rang 11 nach 17 Spieltagen) wieder einmal für die Champions-League qualifizieren. Einen Wettbewerb, den sie 2010 unter José Mourinho gegen Shaqiris Ex-Club Bayern München hatten gewinnen können, nun aber dreimal hintereinander verpassten.

Fast nie anwesend

Vor Mourinho hatte Roberto Mancini die erfolgreichste Phase des Clubs mit drei Meistertiteln en suite (2006-2008) eingeleitet. Nach Stationen bei Manchester City und Galatasaray Istanbul steht der 50-jährige, ehemalige Weltklassestürmer seit letzten November wieder bei Inter unter Vertrag. Statt Massimo Moratti heisst sein Präsident nun Erick Thohir. Der indonesische Geschäftsmann hat seit Oktober 2013 bei den Domstädtern das Sagen und fiel bisher vor allem damit auf, dass er eigentlich fast nie anwesend ist. Mit der Entlassung des glücklosen Walter Mazzarris (Ex-Napoli) und der Rückkehr Mancinis setzte der scheue Asiate erstmals eine Duftmarke. Der generöse Moratti, getrieben vom Ehrgeiz, die Erfolge seines Vaters Angelo aus den 1960er Jahren zu wiederholen, hat dem 1908 gegründeten Traditionsverein zwar zahlreiche Trophäen, aber auch tiefrote Zahlen (allein aus der Saison 2013-14 resultierte ein Verlust von 103 Millionen Euro) hinterlassen.

Bereits mehrmals mussten Thohirs Vertraute in Nyon antraben, um die Einhaltung des von der UEFA verlangten «Financial Fair-Plays» zu garantieren. Die Transfers von Shaqiri und Podolski sind denn vorerst auch Leihgeschäfte. Um im nächsten Sommer die über 20 Millionen Franken Ablöse für Schweizer Nationalspieler bezahlen zu können, wird Inter wohl eines seiner beiden Supertalente Icardi oder Kovacic verkaufen müssen.

Noch nicht gänzlich erholt

Im Vergleich zur Bundesliga wird Shaqiri in der Serie-A mehrheitlich veraltete Stadien und halbleere Zuschauerränge vorfinden. Der «Calcio» im «Bel Paese» kränkelt aber auch an anderen Stellen. «Shaqs» neues Trikot mit der Nummer 91 wird es nicht nur original im Inter-Fanshop zu kaufen geben, sondern auch ganz legal als (preisgünstigere) Fälschung beim Strassenhändler. Der «Calciopoli»-Skandal vor der WM 2006 und die Meldungen über manipulierte Spielbegegnungen sind noch nicht vergessen. Und trotzdem gehört Italiens Liga weiterhin zu einer der meistverfolgten Meisterschaften der Welt. Die TV-Einnahmen sind die Höchsten hinter der englischen Premier-League. Nirgends wird taktischer gespielt, härter und konsequenter verteidigt.

Ein schneller, flinker und dribbelstarker Angreifer wie Shaqiri kommt bei dieser Spielweise zentrale Bedeutung zu. Bei Misserfolg könnte die übersteigerte Erwartungshaltung der heissblütigen Fans allerdings sehr schnell zum Problem werden. Wenn sich der erst 23-jährige Ex-Münchner in diesem Haifischbecken jedoch durchsetzt, verleiht er nicht nur seiner Karriere einen neuen Schub, sondern wird auch für die Schweizer Fussballnationalmannschaft in Zukunft (noch) wertvoller werden.

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