Fall-Xamax

Mitglieder des Xamax-Umfeldes sollen einem Spielerberater gedroht haben

Neue Vorwürfe gegen den Fussballverein Xamax Neuenburg: Dessen Umweld soll in den vergangenen Wochen versucht haben, den Spielervermittler Ralph Isenegger mundtot zu machen. Der Grund: Isenegger könnte dem Westschweizer Klub immer noch schaden.

Der «Fall Xamax» hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Recherchen zeigen, dass der Spielerberater Ralph Isenegger aus dem Umfeld des Xamax-Präsidenten Bulat Tschagajew bedroht wurde.

Eine zuverlässige Quelle, welche namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt gegenüber der az, dass Spielerberater Isenegger in den vergangenen Wochen nächtliche und anonyme Telefonanrufe erhielt. Ziel der Einschüchterungsversuche; Der Spielervermittler sollte die Zivilklage gegen den Fussballklub Neuenburg Xamax und die Strafanzeige gegen dessen Präsidenten Bulat Tschagajew zurückziehen und damit auf die Forderung von 400000 Franken verzichten.

Vincent Solari, der Rechtsbeistand des Spielerberaters, wollte den vorliegenden Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. Der Genfer Anwalt hielt der az gegenüber lediglich fest, selbst nicht bedroht worden zu sein.

Xamax sicherte Zahlung schriftlich zu

Hintergrund der «Affäre Xamax» ist ein Rechtsstreit zwischen Xamax-Neuenburg und dem Spielerberater Ralph Isenegger über ausstehende Honorare. Diesen Sommer transferierte der Berater den Mittelfeldspieler Freddy Mveng von Xamax zu den Berner Young Boys. Für den Transfer des Kameruners stellte Isenegger den Neuenburgern eine Rechnung in Höhe von 400000 Franken. «In einem Schreiben hat der Klub den Betrag akzeptiert. Diese Summe wurde vom damaligen Xamax-Präsidenten Andrej Rudakow vereinbart», sagt Anwalt Solari.

Tatsächlich existiert eine schriftliche Vereinbarung, in der sich Xamax-Präsident Andrej Rudakow zur Zahlung der genannten Summe verpflichtet - und zwar in den nächsten 48 Stunden. Dieses Dokument trägt das Datum vom 16. Juni dieses Jahres und liegt der az vor (siehe Bild).

Die Vertragliche Vereinbarung zwischen Spielerberater Isenegger und Xamax-Neuenburg

Die Vertragliche Vereinbarung zwischen Spielerberater Isenegger und Xamax-Neuenburg

Deutlich zu sehen: Xamax und Isenegger einigen sich schriftlich auf die Zahlung von 400000 Franken

Deutlich zu sehen: Xamax und Isenegger einigen sich schriftlich auf die Zahlung von 400000 Franken

Die Vereinbarung wurde unterzeichnet vom damaligen Xamax-Präsidenten Rudakow

Die Vereinbarung wurde unterzeichnet vom damaligen Xamax-Präsidenten Rudakow

Heute hält Rudakow das Amt des Xamax-Präsidenten jedoch nicht mehr inne. Besitzer Bulat Tschagajew hatte seinen Weggefährten Ende Juli 2011 entlassen. Als der Spielerberater den versprochenen Betrag nicht erhielt, beantragte dessen Anwalt Solari den Konkurs gegen den Super League-Klub. «Das war die einzige Möglichkeit an das Geld zu kommen», sagt Solari.

Tschagajew bot Luxusauto als Sicherheit an

Der Genfer Anwalt kann denn auch nicht verstehen, weshalb sich Xamax quer stellt. «Ich habe mit Herrn Tschagajew nie gesprochen. Die Kommunikation läuft über seine Anwälte. Derzeit ist die Kommunikation zum Erliegen gekommen. Aber besonders unverständlich ist für mich, dass der Verein keinen Willen zeigt, die geforderte Summe zu begleichen», sagt Solari.

Informationen der az zeigen aber, dass der umstrittene tschetschenische Multimillionär die Klage durchaus ernst nahm. So bot er seinen Luxuswagen und eine kostspielige Uhr als Sicherheit an, um die Klubpleite doch noch abzuwenden. Diese Informationen will Anwalt Solari nicht bestätigen, kommt aber zum Schluss. «Ich bin sicher: Tschagajew geht es finanziell nicht gut.» Rechtsanwalt Solari weiss: Wenn das zutrifft, ist Xamax «auch mit Tschagajew zahlungsunfähig.»

Betreibungsliste zählt 71 Gläubiger

Solari stützt seine These nicht auf die von Tschagajew angeblich angebotenen Sicherheiten, sondern vielmehr auf die Liste der Xamax-Gläubiger. «Am 1. November betrugen die Schulden des Vereins über vier Millionen Franken,» sagt Solari. Die Betreibungsliste zählte zum selben Zeitpunkt 71 Privatpersonen und Firmen. «Die erwähnte Schuldenlast hat sich aber reduziert, weil einige Fakturen beglichen wurden,» sagt Solari.

Ingesamt sollen 30 Betreibungen um Umfang von 1,3 Millionen Franken mitsamt den September-Löhnen der Spieler getilgt worden sein. «Dennoch sind die Schulden von Xamax wahrscheinlich höher, weil nicht alle Gläubiger gegen den Klub betrieben haben,» sagt Solari.

Xamax hat Ärger mit Justiz und der Liga

Derweil wurde das Konkursbegehren vom zuständigen Neuenburger Richter abgelehnt. Dies unter der Voraussetzung, dass der Verein die September-Löhne an seinen Staff überweist und seine Zahlungsfähigkeit schriftlich belegen kann. Einige Tage später wies Bulat Tschagajew eine Bankgarantie der «Bank of America» in Höhe von 35 Millionen US-Dollar vor (siehe Dokument).

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«Es ist richtig: Der Konkursantrag von meinem Klienten wurde vom Zivilgericht in Neuenburg abgelehnt. Ausschlaggebend dafür war, dass der Klub zusicherte, den Spielern die Löhne auszuzahlen,» sagt der Genfer Anwalt Vincent Solari. Das Problem: Wie die az gestern exklusiv berichtete, traf die Bestätigung der Überweisung von Löhnen und Sozialleistungen bei der Swiss Football League bislang nicht ein. Für die Liga Anlass genug das dritte Diziplinarverfahren in Folge gegen den Westschweizer Fussballverein einzuleiten. Darüber hinaus erhärtet sich der Verdacht, dass die vorgelegte Bankgarantie nicht echt ist. «Unsere Untersuchungen in New York haben gezeigt, dass die Bankgarantie eine Fälschung ist. Den Bankbeamten gibt es nicht. Der Inhalt dieses Schreibens ist zudem seltsam und auch sprachlich zeigt der Brief Mängel auf,» sagt Solari.

Die Folge: Der Genfer Anwalt Solari zerrt Bulat Tschagajew vor den Richter. «Wir haben gegen Bulat Tschagajew eine Strafanzeige wegen versuchten Betruges und gefälschten Beweismitteln eingereicht.» (siehe Strafanzeige). Mit dieser Anzeige zwingt der Rechtsanwalt den Staat dazu, das Bankdokument zu prüfen.

Die Strafanzeige gegen Bulat Tschagajew

Die Strafanzeige gegen Bulat Tschagajew

Xamax Neuenburg war trotz mehrfacher schriftlicher und telefonischer Anfrage für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bei den erhobenen Vorwürfen gilt jedoch weiterhin die Unschuldsvermutung.

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