Euro 2012

Miroslav Klose: Der Unverwüstliche auf Heimatbesuch

Miroslav Klose (Archiv)

Miroslav Klose (Archiv)

Der bald 34-jährige deutsche Nationalspieler Miroslav Klose steht vor seinem sechsten grossen Turnier. Seine Uhr tickt unerbittlich in Richtung Karriereende An der EM muss ein Titel her - Klose trainiert dafür in seiner alten polnischen Heimat.

Miroslav Klose ist bestens gelaunt. Kein Wunder, ist er doch am Tag zuvor in seiner alten polnischen Heimat angekommen und beim ersten Training von über 10000 Zuschauern begleitet worden. «Wir wurden sehr herzlich empfangen. Dass so viele Fans gekommen sind, ist schon etwas Besonderes», sagt Klose.

Logisch, dass er und der ebenfalls aus Polen stammende Lukas Podolski noch immer beim Schreiben von Autogrammen waren, als die Teamkollegen längst im Bus sassen und auf die Rückkehr ins Mannschaftshotel Dwor Oliska im Danziger Stadtteil Oliwa warteten. Dort, in der Abgeschiedenheit, vor den Toren von Danzig, hat sich die deutsche Mannschaft eingerichtet und hofft, Ende Juni noch immer da zu sein, um den Final vom 1. Juli in Kiew vorzubereiten.

Auch Miroslav Klose wünscht sich ganz fest, dass er noch lange die Annehmlichkeiten hier geniessen kann. Nicht, dass er es zu Hause in Italien bei Frau und Kind schlecht hätte; das nicht. Aber der Stürmer steht unmittelbar vor seinem bereits sechsten grossen Turnier und sagt: «Ich war zwei Mal Zweiter und zwei Mal Dritter. Jetzt will ich einen Titel.»

Miroslav Klose Uhr tickt

Klose weiss, die Uhr tickt unerbittlich in Richtung Karriereende. Denn am Tag, an dem die Deutschen in Lviv gegen Portugal zum ersten Gruppenspiel antreten, feiert der Kopfballspezialist seinen 34. Geburtstag. Das heisst: Gefeiert wird natürlich bloss, wenn es drei Punkte gibt. Als Klose gefragt wird, welche Fähigkeiten er sich denn wünsche, die er damals als Jung-Miro noch gehabt habe, sagt er: «Früher war ich vollblind. Deshalb gibt es auch nichts, was ich vom jungen Klose haben möchte.»

Miro ist gut drauf. Weshalb er solch ein Jungbrunnen sei, will einer wissen. «Ich tue ja auch was für meinen Körper. Deshalb schleppe ich meinen Kadaver noch ein bisschen durch», sagt Klose. Die Zuhörer lachen. Und als schliesslich noch jemand erfahren will, ob er nach den vielen Verletzungsproblemen denn schon wieder zu hundert Prozent fit sei, sagte er: «Ich glaube, ich war noch nie bei hundert Prozent.»

Klose bietet gute Unterhaltung an diesem ersten deutschen Pressetermin. Dass ihn die polnische Bevölkerung offensichtlich nicht so stark in ihr Herz geschlossen hat wie Podolski, macht ihm nicht zu schaffen. Er weiss, dass dafür einige Medien schuld sind und nicht er selbst. «Ich liebe dieses Land genauso sehr wie Deutschland», sagt Klose. «Ich habe hier gelebt und mich nie von Polen abgewandt», sagt der 116-fache Nationalspieler. «Es sind in polnischen Zeitungen Zitate aufgetaucht, die nie gesagt worden sind.»

Auch der Vater war Fussballprofi

Aus Oberschlesien ist Klose als Neunjähriger mit den Eltern nach Deutschland gekommen und hat für die SG Blaubach-Diedelkopf in der Westpfalz gekickt. Sein Vater war einst Fussballprofi gewesen; auch bei Auxerre im Burgund, weshalb klein Miro bereits französisch sprach, als er noch nicht mal ein einziges deutsches Wort kannte.

Anders als seine jetzigen Teamkollegen in der Nationalmannschaft ist er fast 23 Jahre alt gewesen, als er Nationalspieler wurde; der Quereinsteiger hatte nie zuvor in einer Jugendauswahl des DFB gespielt. «So etwas wäre heute unvorstellbar», meint Teammanager Oliver Bierhoff.

Mehr als elf Jahre sind seither vergangen. Bei Bundestrainer Joachim Löw hat Klose noch immer einen grossen Stein im Brett. Er weiss, dass er sich auf den Stürmer verlassen kann, der im Herbst seiner Laufbahn noch den Mut aufgebracht hatte, nach Rom zu Lazio zu wechseln.

An der letzten EM hat Klose zwei Tore geschossen. «Das will ich bei diesem Turnier überbieten», sagt er schmunzelnd. Sollte er es gar auf fünf Treffer bringen, dann würde er einen Rekord einstellen, der lange als nicht zu knacken galt. Er hätte dann wie Gerd Müller 68 Länderspieltore auf dem Konto – eine glänzende Visitenkarte. «Damit beschäftige ich mich noch nicht», sagt Klose.

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