Pussy-Sport
Mimosen oder harte Kerle? Sieben Pros und Kontras zu Büne Hubers Fussball-Kritik

Fussball ist eine Pussy-Sportart – das sagt zumindest Patent-Ochsner-Sänger Büne Huber. Doch sind Fussballer wirklich die leicht fallenden Mimosen oder doch die harten Kerle? Wir haben je acht Argumente zusammen getragen.

Elia Diehl
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Arjen Robben: Überflieger oder leicht fliegender Holländer

Arjen Robben: Überflieger oder leicht fliegender Holländer

Keystone

Büne Huber, Frontmann und Sänger der Band Patent Ochsner hat knallhart mit dem Fussball abgerechnet. Er habe die Schnauze voll, Fussball sei doch ein Pussy-Sport, sagt der Hockey-Fan.

Die Fussballerinnen des FC Aarau wollen die Anti-Fussball-Aussagen von Büne Huber nicht stehen lassen und fordern ihm zu Training heraus. Er werde es nicht durchstehen.

Doch wer hat nun Recht? Sind Fussballer wirklich weiche Pussys? Wir haben einige Pro- und Kontra-Argumente zusammengetragen.

KONTRA 1:

Pussy-Sport? Darüber kann der ehemalige Bielefelder Fussballprofi Ewald Lienen nur lachen. Nach einer üblen Grätsche seines Bremer Gegners Norbert Siegmann...

... klaffte an Lienens Oberschenkel eine riesige Schnittwunde. Dennoch rannte er noch bis zum Spielfeldrand, um dort den gegnerischen Trainer verbal zu attackieren.

PRO 1:

Der brasilianische Stürmerstar Rivaldo wird während der Weltmeisterschaft 2010 in Frankreich knapp unterhalb des Knies «im» Gesicht «getroffen» und stürzt.

KONTRA 2:

Auf ihn passte der Ausdruck «Hart im Nehmen» wie die ... «der Golfball aufs Auge»: Oliver Kahn, der Ausnahme-Torhüter der Münchner Bayern, wird 2000 während einer Bundesliga-Partie von einem von den Rängen geworfenen Golfball niedergestreckt. Trotz blutiger Wunde an der Schläfe spielte der «Titan» die Partie noch zu Ende.

PRO 2:

Ein jüngster Beweis für die Pussy-Theorie gefällig? In der Champions-League-Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Real Madrid vom Mittwoch zeigt der Brasilianer Marcelo sein Schauspieltalent – und bietet ein grosses Schmierentheater.

In diese Kategorie fällt auch diese Szene: In einem U20-Spiel zwischen Ecuador und Chile packt sich 2011 Bryan Carrasco die Hand seines ecuadorianischen Gegenspielers Edson Montano und schlägt sie sich selbst ins Gesicht.

KONTRA 3:

Beinbruch 1: In der letztjährigen Champions League ist Luke Shaw von Manchester United im Strafraum gestürzt – genau wie es Büne Huber sagte – nur dass Shaws Gegenspieler derart mitgeholfen hat, dass der Engländer einen doppelten Beinbruch davon zog.

PRO 3:

Arjen Robben – eigentlich reicht sein Name als Argument, aber wir liefern hier einen von vielen Beweisen. An der Weltmeisterschaft in Südafrika erschummelte sich der Holländer gegen Mexiko einen Penalty mit einer Oscar reifen Flugeinlage:

Auf Youtube wurde Robben dafür wirklich der begehrte Schauspiel-Preis verliehen:

KONTRA 4:

Beinbruch 2: Regelrecht umgemäht wurde 2008 auch Eduardo da Silva. Der Arsenal-Spieler brach sich nach einer heftigen Grätsche seines Gegenspielers das linke Waden- und Schienbein und viel für ein Jahr aus.

PRO 4:

Weils so schön war, gleich nochmals Arjen Robben – und zwar doppelt.

Weil zweimal das gleich Argument zu bringen, unfair ist, springt hier ein anderer fliegender Holländer in die Presche: Peter Wisgerhof.

KONTRA 5:

Beinbruch 3: Nicht mit Cesc Fàbregas! Im Viertelfinal der Champions League 2010 zwischen Arsenal und Barcelona traf der Spanier in Diensten der Londoner einen Penalty – mit gebrochenem Bein.

PRO 5:

Wenn sich ein Fussballer selbst «foult» – oder eine Schwalbe von Arturo Vidal. Der Chilene versuchte 2013 in der Champions-League-Partie zwischen Juventus Turin und Real Madrid einen Penalty zu schinden, nachdem seine Flanke missglückte, weil er statt den Ball den Rasen traf.

KONTRA 6:

Unerbittlich bis zum Ende: Der englische Nationalspieler Terry Butcher zog sich 1989 im WM-Qualifikationsspiel zwischen England und Schweden eine tiefe Platzwunde an der Stirn zu. Der Innenverteidiger spielte mit Verband weiter und mied keinen Kopfball-Duell. So war sein weisses Trikot zu Spielende rot – vor Blut:

PRO 6:

Sogar die Trainer machen mit – die doppelte Kopfnuss: Duisburg-Trainer Norbert Meier und Köln-Spieler Albert Streit geraten 2005 in einem Bundesliga-Spiel aneinander. Nach einem leichten Kopfstoss von Meier gehen beide Akteure theatralischen zu Boden:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes verurteilte Norbert Meier danach zu einem dreimonatigen Berufsverbot und einer Geldstrafe von 12'500 Euro.

Dennoch hat die Trainer-Schwalbe auch seinen Weg bis in den Amateur-Fussball gefunden:

KONTRA 7:

Killer-Argument: Was ist schon ein bisschen Blut am Trikot, wenn man ein gebrochenes Genick hat? Das würde wohl der 2013 verstorbene Bert Trautmann sagen. Der ehemalige Torhüter von Manchester City spielte 1956 das FA-Cup-Final zu Ende, obschon sich der Deutsche zuvor bei einem Zusammenstoss einen Genickbruch zugezogen und fünf Halswirbel verrenkte hatte. Er sicherte mit vielen Paraden seiner Mannschaft den Titel.

PRO 7:

Killer-Argument: Eine solche Liste kommt nicht ohne einen italienischen Vertreter aus. In der Partie Italien-Paraguay an der WM 2010 schienen Daniele De Rossis Beine ihren Dienst urplötzlich aufzugeben.

Letztlich bleibt die Frage: Ist Fussball nun ein Pussy-Sport?

Stilstudie einer Schwalbe

In der Hauptrolle dieser Analyse befindet sich der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo. Der generelle Ablauf lässt sich so zusammenfassen: Abheben – leichter Schrei – ein leidvoller Blick zum Schiedsrichter – wahlweise Griff zu Knie, Schienbein oder Fussgelenk – Landung.

Böse Zungen sagen, dass im (italienischen) Fussball heute Schwalben zum Trainingsinhalt gehören:

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