Super League
Meisterlicher Express oder böses Erwachen: Der FCB vor dem Spiel gegen Lugano

Am Sonntag tritt der FC Basel in Lugano erstmals als Meister der Saison 2016/2017 an. Laut Cheftrainer Urs Fischer ohne auch nur den kleinsten Spannungsabfall. Trotzdem: In einer Niederlage gegen das Team der Stunde würde er auch sein Gutes sehen.

Céline Feller
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Das letzte Aufeindertreffen mit dem FC Lugano konnte der FCB mit 4:0 für sich entscheiden. Damals waren die Tessiner im Abstiegskampf – heute kämpfen sie um die europäischen Plätze.

Das letzte Aufeindertreffen mit dem FC Lugano konnte der FCB mit 4:0 für sich entscheiden. Damals waren die Tessiner im Abstiegskampf – heute kämpfen sie um die europäischen Plätze.

Keystone

Urs Fischer war noch nie ein grosser Freund von Experimenten. Und als hätte er das noch einmal beweisen müssen, betont er am Freitagmittag vor den Medien, dass auch der endlich ins Trockene gebrachte Meistertitel nichts daran ändern werde. «Ich habe immer gesagt, dass ich das durchziehen werde – wie bis anhin.»

Einen neuen FC Basel – also einen, der auf fast allen Positionen neu besetzt wird, weil es in der Liga für die Basler nun um nichts mehr geht – werde er am Sonntag gegen Lugano nicht präsentieren. «Ich wüsste nicht wieso.» Zum einen, weil Fischer schon immer für Seriosität stand und jegliches Nachlassen nicht seine Art ist. Dass die Mannschaft in zwanzig Tagen noch einen Cup-Final zu bestreiten hat, hilft ihm bei dieser Argumentation natürlich noch zusätzlich.

Zum anderen aber auch, weil er gelernt hat, dass sieben bis acht Wechsel von einem Spiel niemandem dienen. Vor allem jenen nicht, die in die Mannschaft rotiert werden und endlich ihre langersehnte Chance bekommen. «Diese Spieler haben dann nicht dieselben Voraussetzungen wie die anderen, um sich zu präsentieren. Es wird Wechsel geben, das ist klar, aber nur in jenem Masse, wie es während der ganzen Saison war.»

Ruhiger Start nach langer Party

Gezwungenermassen wechseln muss Fischer sicher auf drei Positionen im Vergleich zum Meister-Spiel in Luzern, weil Marek Suchy und Adama Traoré gesperrt sind und Geoffroy Serey Die muskuläre Probleme hat. Letzterer konnte daher im Abschlusstraining vom Freitag nur ein leichtes Lauftraining absolvieren. Ebenfalls verpassen wird das Spiel im Tessin (Sonntag, 13.45 Uhr) Raoul Petretta, der gerade nach der Sperre Traorés auf der linken Abwehrseite eine Option gewesen wäre. Er war fast die ganze Woche krank und konnte daher am Freitag lediglich an der Seite Serey Dies um den Platz trotten.

Für den Rest der Mannschaft stand normales Training auf dem Programm. Das Team hatte von Samstag bis und mit Montag frei und nahm am Dienstag nach verdienter Meisterfeier und -Pause den Alltag wieder in Angriff. «Nach drei Tagen Pause braucht es natürlich etwas Zeit, um den Rhythmus wieder zu finden. Daher war der Dienstag auch nicht so intensiv, ab Mittwoch wurde das Tempo dann aber wieder gesteigert.» Von aussen, so ist sich Fischer sicher, wäre es dem Zuschauer gar nicht aufgefallen, dass die Mannschaft soeben Meister geworden ist. «Eher hat es wohl so ausgesehen, als ginge es noch um Alles oder Nichts.»

Meisterfeier: Nach dem Spiel gegen Luzern geniessen die FCB-Spieler den Ausblick auf den Barfi.
14 Bilder
Ein ausgelassener und emotionaler Bernhard Heusler feiert mit Mannschaft und Fans.
Die Fans feiern ihren FCB.
Renato Steffen und Tomas Vaclik jubeln beim Betreten des Stadtcasino-Balkons.
Markus Hoffmann und Davide Callà in Feierlaune.
Seydou Doumbia macht vom Balkon ein Selfie mit den Fans.
Noch FCB-Präsident Bernhard Heusler freut sich gemeinsam mit Captain Matias Delgado über das Erreichen des zweiten Sterns.
Davide Callà heizt den Fans ein.
Der FCB bedankt sich bei den Fans auf dem Barfüsserplatz.
FCB-Meisterfeier nach dem Spiel gegen Luzern 2017
Davide Callà unterhält die Fans.
Das Trainer-Staff auf dem Balkon (v.r. Trainer Urs Fischer, Konditionstrainer Marco Walker und Assitenztrainer Markus Hoffmann).
Der FCB-Staff, der hinter dem Erfolg der Mannschaft steht (v.l. Konditionstrainer Marco Walker, Leistungsdiagnostiker Michael Müller, Torhütertrainer Massimo Colomba)
Das Pyro-Meer auf dem Barfi.

Meisterfeier: Nach dem Spiel gegen Luzern geniessen die FCB-Spieler den Ausblick auf den Barfi.

zvg/FC Basel

Lugano, das Team der Stunde

Ob die Mannschaft diese Einstellung dann auch auf dem Platz zeigen kann, wird sich am Sonntag im Cornaredo zeigen, wenn der FCB zum ersten Mal auch offiziell als Meister der Saison 2016/2017 auflaufen darf. «Jeder Einzelne muss sich jetzt vorbereiten und diese Einstellung finden oder beibehalten.» Bislang habe das gut geklappt. «Aber vielleicht gibt es am Sonntagnachmittag auch ein böses Erwachen», mahnt Fischer und schiebt nach: «Aber das hätte auch sein Gutes. Man hat ja gesehen, was das Spiel gegen Vaduz gebracht hat», spielt er auf die schwache Leistung seiner Mannschaft gegen die Liechtensteiner und die Reaktion darauf eine Woche später an, als der FCB in Luzern Meister geworden ist.

Einfach werde es aber mit Sicherheit nicht. Der FC Lugano ist das Team der Stunde und bereits seit fünf Spielen ungeschlagen. «Sie sind sehr, sehr effizient und haben ein Lauf.» Wäre ein Sieg gegen den FCB für die Tessiner bereits der sechste Dreier am Stück und gleichbedeutend mit dem Ausbau des eigenen Vereinsrekordes, wäre es für den FCB die erst zweite Niederlage in der laufenden Super-League-Saison. Aber auch eine, die zu verkraften wäre.