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Meister Jevtic wittert gegen den FC Basel eine Chance

Darko Jevtic hat sich beim polnischen Meister Lech Posen als Spielmacher durchgesetzt und kämpft nun gegen seinen ehemaligen Verein um einen Platz in der Champions League. Und der 22-Jährige glaubt an die Chance seiner Mannschaft.

Markus Brütsch
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Führt bei Lech Regie: Darko Jevtic.

Führt bei Lech Regie: Darko Jevtic.

KEYSTONE

Ist es ein Traum? Oder eher ein Albtraum? «Weder noch!», sagt Darko Jevtic. Er ist bemüht, seinen Emotionen nicht freien Lauf zu lassen. Was jedoch nicht so einfach ist für einen, der die Hälfte seines Lebens beim FC Basel verbracht hat und nun plötzlich in zwei wichtigen Spielen gegen diesen antreten muss. Am Mittwoch in Posen und eine Woche später in Basel kämpfen die Meister aus Polen und der Schweiz um den Einzug in die Playoffs zur Champions League. «Wenn jemand vor ein paar Jahren prognostiziert hätte, dass ich einmal gegen den FCB um einen Platz in der Königsklasse spiele, dann hätte ich ihn mit grossen Augen angeschaut», sagt Jevtic.

Eher hätte er sich vorstellen können, auf der Seite der Basler gegen Posen zu spielen. Mit acht Jahren schon dem FCB beigetreten, lebte in Jevtic immer der Traum, eines Tages als Profi in Rot-Blau in den St. Jakob-Park einzulaufen. Doch mehr als zwei Super-League-Einsätze in der Saison 2012/13 waren dem damals 19-Jährigen nicht beschieden. Was freilich nichts mit mangelnder Klasse, dafür umso grösserem Verletzungspech zu tun hatte. Nicht weniger als vier Schulteroperationen musste er in einer Phase über sich ergehen lassen, als beste Fitness gefragt gewesen wäre, um den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen.

Vertrag bis 2018

Jevtic liess sich dann zu Wacker Innsbruck in die österreichische Bundesliga ausleihen. Zwar stieg er mit den Tirolern ab, immerhin aber hatte er mit seinen Leistungen den polnischen Spitzenklub Lech Posen auf sich aufmerksam gemacht. Trainer Mariusz Rumak war angetan vom Schweizer Aufbauer, der sogleich Stammspieler wurde und dies auch blieb, als Rumak nach dem kläglichen Out im Europacup gegen Stjarnan aus Island seinen Stuhl für Maciej Skorza räumen musste. Ja, Jevtic spielte so gut, dass ihn Lech im Januar dieses Jahres definitiv vom FC Basel übernahm und ihm einen Vertrag bis 2018 gab.

Jevtic ahnte da noch nicht, welch grosse Momente die Rückrunde bereithielt. Zwar ging der Cupfinal gegen Legia Warschau knapp verloren, in der Meisterrunde der Ekstraklasa aber fing Lech den Favoriten Legia noch ab und wurde erstmals nach fünf Jahren polnischer Meister. «Immer hatte Lech in den letzten Jahren das Ziel Meistertitel ausgegeben, dass es nun in meinem ersten Jahr hier geklappt hat, ist super», sagt Jevtic. «Es gab dann auf einem riesigen Platz in Posen eine richtig geile Meisterparty.» Mit sieben Toren hatte er seinen Teil zum Erfolg beigetragen. «Berücksichtigt man, dass ich in der Rückrunde verletzungsbedingt ein paar Spiele verpasste, bin ich mit dieser Ausbeute einverstanden», sagt Jevtic. Wie er auch mit seinem Leben in der 500 000-Einwohnerstadt Posen im Westen Polens zufrieden ist. «Klar, manchmal fehlt mir die Familie», sagt Single Jevtic, der in der Freizeit oft mit dem bosnischen Goalie Jasmin Buric unterwegs ist. «Als ich hier ankam, hat er mir viel geholfen», erzählt Jevtic und erwähnt stolz, dass er mittlerweile passabel polnisch spreche und sogar schon Interviews in der Landesprache gegeben habe.

Basel ist kein Wunschgegner

Die neue Saison hat sich für Lech – mit 17 000 Zuschauern im Schnitt der Ligakrösus in Polen – zwiespältig angelassen. Neben dem 2:1-Sieg im Supercup über Legia gab es ein 2:0 und ein 1:0 in der Champions-League-Qualifikation gegen den FK Sarajevo, in der Meisterschaft aber trotz eines Tores von Jevtic gegen Pogon Stettin eine schmerzhafte 1:2-Heimniederlage. «Das hätte nicht passieren dürfen», sagt Jevtic. Jetzt aber fiebert er den Begegnungen mit dem FCB entgegen. Ein Wunschgegner ist dieser gleichwohl nicht, denn Jevtic weiss um die Stärke der international erfahrenen Basler; und ein Traumlos ist der FCB auch deshalb nicht, weil der 22-Jährige nicht danach trachtet, sich bei seinem Stammklub für irgendetwas zu revanchieren. Wenn Jevtic über den FC Basel spricht, verliert er kein schlechtes Wort. «Viele Spieler aus meiner Zeit sind nicht mehr da. Einzig mit Breel Embolo hatte ich noch etwas Kontakt», sagt Jevtic.

Der zehnfache Schweizer U21-Nationalspieler, der auch die Option hat, für Serbien aufzulaufen, rechnet sich gegen die Basler Chancen aus. «Nein, ein Albtraum ist der FCB nicht. Streller, Schär und Frei sind weg, und wir glauben an unsere gute Mischung aus kollektiver Stärke und individuellem Können», sagt Jevtic. Er selber hat sich die frei gewordene Nummer 10 geschnappt und will Basel zeigen, was für ein guter Spielmacher aus ihm geworden ist. Selbstredend, dass beim Rückspiel die Familie und viele Freunde im Stadion sein werden. Und einige hundert der heissblütigen, lautstarken und manchmal auch gewaltbereiten Lech-Anhänger. «In einer Fan-Rangliste zählen sie zu den heissesten Fans in ganz Europa», sagt Jevtic. «In Sarajevo haben wir im Hotel erfahren, dass es Randale gab. Ich hoffe nur, dass es in Basel keine Vorfälle gibt. Denn ich freue mich sehr auf den Besuch in meiner Heimatstadt.»

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